Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 4/00

abstand.gif (36 Byte)

Wie in der Nazi-Zeit

Kirche bekämpft Zeugen Jehovas                                          Die Zeugen Jehovas entlarvten die Zusammenarbeit von Nazis und Kirche, hier der katholischen                                                       
Mit diesen Karikaturen entlarvten die Zeugen Jehovas die
Zusammenarbeit zwischen Nazis und Kirche.

Die Kirche gibt den Ton an, und der Staat muss folgen. Die evangelische Kirche forderte vom Staat der Weimarer Republik und von Nazi-Deutschland die Bekämpfung und das Verbot der Glaubensgemeinschaft "Zeugen Jehovas" und anderer Glaubensgemeinschaften, der Staat erfüllte die kirchlichen Bitten. Heute ist es genauso: Wo z. B. die Zeugen Jehovas eine Ausstellung über ihre Verfolgung und Hinrichtung in Nazi-Deutschland zeigen wollen, stoßen sie auf kirchlichen Widerstand.

Jüngstes Beispiel: Lohr, eine Kleinstadt in Franken: Der evangelische Dekan Michael Wehrwein beschimpfte die Ausstellung als "Affront gegen die Kirchen", das heißt als herausfordernde Beleidigung. Er beschwerte sich, dass die Volkshochschule des Ortes die Räume einer "menschenverachtenden" Gruppe zur Verfügung stellte (weil sie an sich keine Bluttransfusionen durchführen lassen) und der Bürgermeister ein Grußwort sprach. Die "Zeugen" würden ihre Verfolgung zur "Imagekampagne" missbrauchen. Die Vertreter der politischen Gemeinde beriefen sich auf ihre Neutralität - anders als in Konstanz, wo der Bürgermeister einige Wochen zuvor sein Grußwort wieder absagte, nachdem ihm ein evangelischer "Sektenbekämpfer" als Vorwand ein Zitat lieferte, in dem sich die amerikanische Zentrale der Zeugen Jehovas 1933 kritisch zum Verhalten einiger englischer und amerikanischer Juden geäußert habe - während die Zeugen Jehovas sonst deutlich gegen die Judenverfolgung wie auch gegen die eigene Verfolgung protestierten.

Strick- und Fallbeil, ein Endpunkt der VerfolgungVon den 25 000 Zeugen Jehovas in Deutschland im Jahr 1933 wurden in den folgenden Jahren 10 000 inhaftiert, 2000 davon in den KZs. Dort kamen 1200 ums Leben, weitere 250 wurden anderweitig "erhängt, erschossen oder geköpft" (Frankenpost, 15.1.1999). Der Grund: Sie gingen nicht zu den inszenierten Wahlen, verweigerten den Hitlergruß, leisteten keinen Kriegsdienst und wiesen auf das Unrecht des Nazi-Regimes hin. Ihre Chance: Wer seinem Glauben im KZ auf einer vorformulierten Widerrufserklärung abschwor - wie in früheren kirchlichen Inquisitionsverhandlungen -, kam frei. Im Hintergrund der Verfolgung agierten die Kirchen, vor allem die evangelische, welche die Verfolgungsmaßnahmen schon in der Weimarer Republik einleiteten und in den ersten Jahren des Dritten Reiches vorantrieben. Die evangelischen Kirchen erhofften sich von den staatlichen Verboten eine "Bereinigung" des gesamten Sekten-"Unwesens" und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sammelte z. B. in einer Sektenumfrage im Jahr 1930 alle verfügbaren Details über die Aktivitäten anderer Gruppen. Ein Endpunkt dieser Aktivitäten war für manche Andersdenkende - wie schon in den Jahrhunderten der Inquisition zuvor - die Hinrichtung. Während in den Kirchen ab 1939 die Kriegsbegeisterung um sich griff, mussten z. B. die, die sich auf Christus beriefen und den Kriegseinsatz verweigerten, unters Fallbeil. (Dieter Potzel)

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Dokumentation Die evangelische Kirche und der Holocaust, komplett einsehbar unter http://www.theologe.de/theologe4.htm.
Die Meldungen aus Der Theologe Nr. 4 über die Zeugen Jehovas finden Sie unter http://theologe.de/zeugen-jehovas_kirche.htm.
Aktuell hierzu auch http://theologe.de/religionsunfreiheit.htm 

Inhalt Ausgabe 2/00
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns


Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Germany

http://www.das-weisse-pferd.com
- E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

Verlag »Das Weisse Pferd«, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld,
Fax: 09391 / 504 - 210