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Wie in der
Nazi-Zeit
Kirche bekämpft
Zeugen Jehovas
Mit diesen Karikaturen entlarvten die Zeugen Jehovas die
Zusammenarbeit zwischen Nazis und
Kirche.
Die Kirche gibt den Ton an,
und der Staat muss folgen. Die evangelische Kirche forderte vom
Staat der Weimarer Republik und von Nazi-Deutschland die
Bekämpfung und das Verbot der Glaubensgemeinschaft
"Zeugen Jehovas"
und anderer Glaubensgemeinschaften, der Staat erfüllte die
kirchlichen Bitten. Heute ist es genauso: Wo z. B. die Zeugen
Jehovas eine Ausstellung über ihre Verfolgung und Hinrichtung in
Nazi-Deutschland zeigen wollen, stoßen sie auf kirchlichen
Widerstand.
Jüngstes Beispiel: Lohr, eine Kleinstadt in Franken:
Der evangelische Dekan Michael Wehrwein beschimpfte
die Ausstellung als "Affront gegen die Kirchen", das heißt als
herausfordernde Beleidigung. Er beschwerte sich, dass die
Volkshochschule des Ortes die Räume einer "menschenverachtenden"
Gruppe zur Verfügung stellte (weil sie an sich keine
Bluttransfusionen durchführen lassen) und der Bürgermeister ein
Grußwort sprach. Die "Zeugen" würden ihre Verfolgung zur "Imagekampagne"
missbrauchen.
Die Vertreter der politischen Gemeinde beriefen sich auf ihre
Neutralität - anders als in Konstanz, wo der Bürgermeister
einige Wochen zuvor sein Grußwort wieder absagte, nachdem ihm
ein evangelischer "Sektenbekämpfer"
als Vorwand ein Zitat lieferte, in dem sich die amerikanische
Zentrale der Zeugen Jehovas 1933 kritisch zum Verhalten einiger
englischer und amerikanischer Juden geäußert habe - während die
Zeugen Jehovas sonst deutlich gegen die Judenverfolgung wie auch
gegen die eigene Verfolgung protestierten.
 Von
den 25 000 Zeugen Jehovas in Deutschland im Jahr 1933 wurden in
den folgenden Jahren 10 000 inhaftiert, 2000 davon in den KZs.
Dort kamen 1200 ums Leben, weitere 250 wurden anderweitig "erhängt,
erschossen oder geköpft"
(Frankenpost,
15.1.1999). Der Grund: Sie gingen nicht zu den inszenierten
Wahlen, verweigerten den Hitlergruß, leisteten keinen
Kriegsdienst und wiesen auf das Unrecht des Nazi-Regimes hin.
Ihre Chance: Wer seinem Glauben im KZ auf einer vorformulierten
Widerrufserklärung abschwor - wie in früheren kirchlichen
Inquisitionsverhandlungen -, kam frei. Im Hintergrund der
Verfolgung agierten die Kirchen, vor allem die evangelische,
welche die Verfolgungsmaßnahmen schon in der Weimarer Republik
einleiteten und in den ersten Jahren des Dritten Reiches
vorantrieben. Die evangelischen Kirchen erhofften sich von den
staatlichen Verboten eine "Bereinigung" des
gesamten Sekten-"Unwesens" und die Evangelisch-Lutherische
Kirche in Bayern sammelte z. B. in einer Sektenumfrage im Jahr
1930 alle verfügbaren Details über die Aktivitäten anderer Gruppen.
Ein Endpunkt dieser Aktivitäten war für manche Andersdenkende
- wie schon in den Jahrhunderten der Inquisition zuvor - die Hinrichtung.
Während in den Kirchen ab 1939 die Kriegsbegeisterung um sich
griff, mussten z. B. die, die sich auf Christus beriefen und den
Kriegseinsatz verweigerten, unters Fallbeil. (Dieter Potzel)
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in
der Dokumentation Die evangelische Kirche und der Holocaust,
komplett einsehbar unter
http://www.theologe.de/theologe4.htm.
Die Meldungen aus Der Theologe Nr. 4 über die Zeugen Jehovas
finden Sie unter
http://theologe.de/zeugen-jehovas_kirche.htm.
Aktuell hierzu auch
http://theologe.de/religionsunfreiheit.htm |
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