Als
ich gelesen habe, dass Dekan Michael Wehrwein in Lohr die Zusammenarbeit
der Volkshochschule mit den Zeugen Jehovas "Affront gegen die
Kirchen" bzw. "herausfordernde Beleidigung" nannte
(mehr dazu siehe hier),
habe ich mich an die jüngste Vergangenheit der evangelischen Kirche
erinnert, mit der ich mich als Evangelischer Theologe intensiv
beschäftigt habe. Diese ist schon vor der Machtübernahme Hitlers
zusammen mit den Nazis gegen Andersgläubige vorgegangen.
So ist im Amtsblatt der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vom Januar 1932 z. B.
nachzulesen: "Weite Kreise der Kirche kämpfen schon seit langem aus
religiösen und kirchlichen, die Nationalsozialisten aus vaterländischen
Gründen gegen dieses Unwesen." 1933 forderten Kirchenvertreter das
Verbot der "Zeugen", und als die Nazis dies
für Bayern aussprachen, kommentierte das Evangelische Sonntagsblatt
in Bayern vom 18.5.1933 zustimmend: Wir "erwarten von unseren
Geistlichen, dass sie das Ihrige tun werden, um ein weiteres Auftreten
der Sekte in ihren Gemeinden (= in dem Einzugsbereich ihrer Gemeinden,
d. h. in den betreffenden Orten) zu unterbinden." Ich weiß von
einem evangelischen Vikar, der 1939 Zeugen Jehovas denunzierte, als sie
bereits in den KZs geschunden wurden. 1939 begannen auch die
Hinrichtungen. Zur Bekämpfung anderer Gemeinschaften nahm die
evangelische "Apologetische Centrale" in Berlin 1933 die
Zusammenarbeit mit der Gestapo und dem Reichspropagandaministerium auf.
Am 10.9.1933 schrieb z. B. die Zeitung Das Evangelische Deutschland,
das damals führende protestantische Organ, über das mittlerweile
reichsweite Verbot der Zeugen Jehovas: "Die Kirche wird dankbar
anerkennen, dass durch dieses Verbot eine Entartungserscheinung des
Glaubens beseitigt worden ist ... Damit ist jedoch noch keine
vollständige Bereinigung der Sekten erreicht. Erwähnt seien nur die
Neuapostolischen."
Im August 1933 forderte bereits die Evangelische
Synode von Waldenburg von den Nazis das Verbot der Mormonen, der
Adventisten und der Evangelisch-Johannischen Kirche. In dieser Zeit
schürten z. B. evangelische Zeitungen parallel dazu die Judenverfolgung.
So appellierte der Evangelische Presseverband in Württemberg am
18.6.1933 an die Gläubigen: Wer beim Widerstand gegen die Juden nicht
mitmache, "vergeht
sich gegen Gottes Willen."
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in
der Dokumentation Die evangelische Kirche und der Holocaust,
komplett einsehbar unter
http://www.theologe.de/theologe4.htm.
Die Meldungen aus Der Theologe Nr. 4 über die Zeugen Jehovas
finden Sie unter
http://theologe.de/zeugen-jehovas_kirche.htm.
Aktuell hierzu auch
http://theologe.de/religionsunfreiheit.htm