Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/00

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Interview

Naturgemäße Landwirtschaft ist der beste Naturschutz

Viele Kleinlebewesen helfen mitIn Afrika bahnt sich derzeit eine große Hungersnot an. In Europa gibt es zwar noch genügend zu essen, doch die Landwirtschaft steckt in einer Sackgasse (Wir berichteten in Nr. 5/2000 - siehe unsere Druckausgabe). Die Qualität der Lebensmittel nimmt rapide ab. Vor einem Monat interviewten wir einen Landwirt der "Güter Neu-Jerusalem" und fragten ihn nach der Alternative. Aufgrund des großen Interesses wollen wir weiter über dieses Thema berichten. Nachfolgend ein Interview mit Isabell, einer Landwirtin auf einer der Höfe Neu Jerusalem.

Das Weisse Pferd: Wie wir hörten, wird es für die Landwirte immer enger. Um ihr Auskommen erwirtschaften zu können, setzen immer mehr auf Ertragssteigerung um jeden Preis. Dies gilt vor allem für die Agrarfabriken, die allmählich die Bauern „auf dem Dorf" ersetzen. Was bedeutet dies für die Arbeit auf dem Feld?

Jedes Insekt hat seine Daseinsberechtigung

Der Boden ist dankbar für eine schonende BearbeitungIsabell: Ertragssteigerung um jeden Preis bedeutet z. B. im konventionellen Anbau: Insekten und Unkräuter werden zu »Störfaktoren«, also zu Feinden, die vernichtet werden müssen. Nur diejenige Pflanze zählt, die dem Menschen Gewinn bringt. Im so genannten »biologischen Landbau« werden zwar die Vernichtungsmittel ausgetauscht, damit sie für den Menschen nicht so schädlich sind, aber die Absicht, die dahinter steht, ist oftmals genau die gleiche. Egal ob chemisch oder biologisch - die Information eines chemischen oder »biologischen« Vernichtungsmittels ist in beiden Fällen »Kampf«.

Das Weisse Pferd: Die Alternative zu diesem „Kampf" liegt im „friedfertigen" Anbau, für den Sie werben. Wieder die Frage: Was bedeutet das ganz konkret?

Isabell: Beim friedfertigen Anbau liegt eine ganz andere Grundeinstellung dem Leben gegenüber vor. Dass wir keine chemischen Dünge- oder Vernichtungsmittel verwenden, ist für uns selbstverständlich, aber nicht genug. Unser Ziel ist, ein ausgewogenes Miteinander zwischen den Bedürfnissen des Menschen und der Natur mit all ihren Lebewesen zu schaffen. In der praktischen Arbeit auf dem Feld bedeutet das: Jedes Tier, auch jede Laus, hat seine Daseinsberechtigung. Wenn es überhand nimmt, sagt es uns, dass wir etwas falsch gemacht haben, dass wir zum Beispiel unregelmäßig bewässert haben oder der Pflanze nicht das gegeben haben, was sie gebraucht hätte. Ebenso haben die so genannten »Unkräuter« - wir nennen sie »Beikräuter« - ihren Sinn: Sie spenden im Hochsommer für manche Kulturpflanze Schatten und speichern die Feuchtigkeit im Boden. Auch schließen sie im Boden wichtige Nährstoffe für die Kulturpflanze auf.

Eine friedfertige Revolution

Das Weisse Pferd: Ist das vielleicht ein wesentlicher Bestandteil ihres Erfolgsrezepts? Sie fragen nicht nur „Was brauchen wir Menschen?" Sie fragen auch „Was braucht die Pflanze?" „Was braucht das Tier?"

Isabell: Ja. Das beginnt schon bei der Vorbereitung des Feldes. Wir machen eine schonende, flache Bodenbearbeitung, bei der das Bodenleben nicht völlig durcheinander gebracht wird. Als Dünger verwenden wir z. B. Getreidekleie, Sonnenblumen- und Erbsenschrot und füttern so die Abermillionen kleinen Bodenlebewesen. Diese Kleinstlebewesen helfen, den Boden aufzubereiten und dafür sind wir dankbar.

Das Weisse Pferd: »Anbau im Einklang mit der Natur« - dabei geht es also nicht nur um die Umstellung der Anbauweise, sondern um die Umstellung im Denken und in der Grundeinstellung jedes einzelnen Landwirts und Gärtners. Dazu gehört ja auch die Dreifelderwirtschaft, über die wir schon berichtet haben, bei der die Felder sich jedes Jahr ausruhen dürfen, um wieder Kraft zu schöpfen für eine neue Wachstumsphase. Warum wird dies so wenig praktiziert?

Isabell: Wegen des Zwangs zur Ertragssteigerung, dem die meisten Landwirte unterliegen. Kaum einer verzichtet dem Boden zuliebe freiwillig auf ein Drittel des Ertrags. So gesehen ist die Dreifelderwirtschaft heute etwas Revolutionäres.

Das Weisse Pferd: Genauso wie der Verzicht auf Mist und Gülle.

Isabell: Da wir uns an der Massentierhaltung nicht beteiligen, fällt das bei uns auch gar nicht an. Hier sieht man gut die Zusammenhänge: Das Schlachten und Verzehren der Tiere entspricht nicht den Geboten Gottes. Wie können dann die Folgen aus diesem Verhalten etwas Positives hervorbringen? Das Ausbreiten von Mist und Gülle in der üblichen Konzentration schädigt z. B. die Bodenlebewesen. Leider ist zu beobachten, dass sich immer mehr Bio-Bauern zunehmend auf den Verkauf von Fleisch aus eigener Tierhaltung konzentrieren, um wirtschaftlich überleben zu können. Dies ist aus der Sicht des Landwirts verständlich, doch es läuft in die falsche Richtung.

Ein Teil für die Tiere auf dem Feld

Das Weisse Pferd: Kann man noch etwas für die Tiere tun? Der Verzicht auf den Fleischkonsum ist eine Möglichkeit. Die Achtung auch vor den Insekten sicher eine weitere. Was ist mit den Tieren in „Feld und Flur", über die in Tierbüchern schöne Geschichten geschrieben werden, deren Existenz aber zunehmend bedroht ist?

Isabell: Eine Möglichkeit ist, dass wir nicht die ganze Ernte für uns behalten, sondern den Tieren auf dem einen Teil des Ertrages überlassen. Das Getreide und das Gemüse, das wir ernten dürfen, betrachten wir als Geschenke der Natur, die allein durch die Schöpferkraft, Gott, heranwachsen. Auch daraus ergibt sich, dass wir die Tiere nicht vergessen dürfen, wenn wir die Natur pflegen und betreuen. 

 

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Tage der offenen Tür

sind in der Regel am 1. Sonntag im Mai, am 2. und am 3. Sonntag im August und am 2. Sonntag im Oktober im Einkaufsland "Alles für Alle" in Altfeld, wo Produkte aus der naturgemäßen bzw. friedfertigen Landwirtschaft angeboten werden. Es besteht meist auch die Möglichkeit, den Hof in Kredenbach zu besichtigen.
Bei Interesse nachfragen direkt beim Hof in Kredenbach: 09394/9940020


 



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