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Interview
Naturgemäße
Landwirtschaft ist der beste Naturschutz
In
Afrika bahnt sich derzeit eine große Hungersnot an. In Europa gibt es
zwar noch genügend zu essen, doch die Landwirtschaft steckt in einer
Sackgasse (Wir berichteten in Nr. 5/2000 - siehe unsere
Druckausgabe).
Die Qualität der Lebensmittel nimmt rapide ab. Vor einem Monat
interviewten wir einen Landwirt der
"Güter Neu-Jerusalem" und fragten ihn nach der
Alternative. Aufgrund des großen Interesses wollen wir weiter über
dieses Thema berichten. Nachfolgend ein Interview mit Isabell, einer
Landwirtin auf einer der Höfe Neu Jerusalem.
Das Weisse Pferd: Wie wir hörten, wird es
für die Landwirte immer enger. Um ihr Auskommen erwirtschaften zu
können, setzen immer mehr auf Ertragssteigerung um jeden Preis. Dies
gilt vor allem für die Agrarfabriken, die allmählich die Bauern „auf
dem Dorf" ersetzen. Was bedeutet dies für die Arbeit auf dem Feld?
Jedes Insekt
hat seine Daseinsberechtigung
Isabell:
Ertragssteigerung um jeden Preis bedeutet z. B. im konventionellen
Anbau: Insekten und Unkräuter werden zu »Störfaktoren«, also zu Feinden,
die vernichtet werden müssen. Nur diejenige Pflanze zählt, die dem
Menschen Gewinn bringt. Im so genannten »biologischen Landbau« werden
zwar die Vernichtungsmittel ausgetauscht, damit sie für den Menschen
nicht so schädlich sind, aber die Absicht, die dahinter steht, ist
oftmals genau die gleiche. Egal ob chemisch oder biologisch - die
Information eines chemischen oder »biologischen«
Vernichtungsmittels ist in beiden Fällen »Kampf«.
Das Weisse Pferd: Die Alternative zu
diesem „Kampf" liegt im „friedfertigen" Anbau, für den
Sie werben. Wieder die Frage: Was bedeutet das ganz konkret?
Isabell: Beim friedfertigen Anbau liegt eine ganz
andere Grundeinstellung dem Leben gegenüber vor. Dass wir keine
chemischen Dünge- oder Vernichtungsmittel verwenden, ist für uns
selbstverständlich, aber nicht genug. Unser Ziel ist, ein ausgewogenes
Miteinander zwischen den Bedürfnissen des Menschen und der Natur mit
all ihren Lebewesen zu schaffen. In der praktischen Arbeit auf dem Feld
bedeutet das: Jedes Tier, auch jede Laus, hat seine Daseinsberechtigung.
Wenn es überhand nimmt, sagt es uns, dass wir etwas falsch gemacht
haben, dass wir zum Beispiel unregelmäßig bewässert haben oder der
Pflanze nicht das gegeben haben, was sie gebraucht hätte. Ebenso haben
die so genannten »Unkräuter« - wir nennen sie »Beikräuter« - ihren
Sinn: Sie spenden im Hochsommer für manche Kulturpflanze Schatten und
speichern die Feuchtigkeit im Boden. Auch schließen sie im Boden
wichtige Nährstoffe für die Kulturpflanze auf.
Ein e
friedfertige Revolution
Das
Weisse Pferd: Ist das vielleicht ein wesentlicher Bestandteil
ihres Erfolgsrezepts? Sie fragen nicht nur „Was brauchen wir
Menschen?" Sie fragen auch „Was braucht die Pflanze?" „Was
braucht das Tier?"
Isabell: Ja. Das beginnt schon bei der
Vorbereitung des Feldes. Wir machen eine schonende, flache
Bodenbearbeitung, bei der das Bodenleben nicht völlig durcheinander
gebracht wird. Als Dünger verwenden wir z. B. Getreidekleie,
Sonnenblumen- und Erbsenschrot und füttern so die Abermillionen kleinen
Bodenlebewesen. Diese Kleinstlebewesen helfen, den Boden aufzubereiten
und dafür sind wir dankbar.
Das Weisse Pferd: »Anbau im Einklang mit
der Natur« - dabei geht es also nicht nur um die Umstellung der
Anbauweise, sondern um die Umstellung im Denken und in der
Grundeinstellung jedes einzelnen Landwirts und Gärtners. Dazu gehört
ja auch die Dreifelderwirtschaft, über die wir schon berichtet haben,
bei der die Felder sich jedes Jahr ausruhen dürfen, um wieder Kraft zu
schöpfen für eine neue Wachstumsphase. Warum wird dies so wenig
praktiziert?
Isabell: Wegen des Zwangs zur Ertragssteigerung,
dem die meisten Landwirte unterliegen. Kaum einer verzichtet dem Boden
zuliebe freiwillig auf ein Drittel des Ertrags. So gesehen ist die
Dreifelderwirtschaft heute etwas Revolutionäres.
Das Weisse Pferd: Genauso wie der
Verzicht auf Mist und Gülle.
Isabell: Da wir uns an der Massentierhaltung
nicht beteiligen, fällt das bei uns auch gar nicht an. Hier sieht man
gut die Zusammenhänge: Das Schlachten und Verzehren der Tiere
entspricht nicht den Geboten Gottes. Wie können dann die Folgen aus
diesem Verhalten etwas Positives hervorbringen? Das Ausbreiten von Mist
und Gülle in der üblichen Konzentration schädigt z. B. die
Bodenlebewesen. Leider ist zu beobachten, dass sich immer mehr
Bio-Bauern zunehmend auf den Verkauf von Fleisch aus eigener Tierhaltung
konzentrieren, um wirtschaftlich überleben zu können. Dies ist aus der
Sicht des Landwirts verständlich, doch es läuft in die falsche
Richtung.
Ein Teil
für die Tiere auf dem Feld
Das Weisse Pferd: Kann man noch etwas für
die Tiere tun? Der Verzicht auf den Fleischkonsum ist eine Möglichkeit.
Die Achtung auch vor den Insekten sicher eine weitere. Was ist mit den
Tieren in „Feld und Flur", über die in Tierbüchern schöne
Geschichten geschrieben werden, deren Existenz aber zunehmend bedroht
ist?
Isabell: Eine Möglichkeit ist, dass wir nicht
die ganze Ernte für uns behalten, sondern den Tieren auf dem einen Teil
des Ertrages überlassen. Das Getreide und das Gemüse, das wir ernten
dürfen, betrachten wir als Geschenke der Natur, die allein durch die
Schöpferkraft, Gott, heranwachsen. Auch daraus ergibt sich, dass wir
die Tiere nicht vergessen dürfen, wenn wir die Natur pflegen und
betreuen.
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