Einen neuen Umgang zwischen Mensch und Tier wollen
sie einüben an der Christusschule in Esselbach. So erklärt es jedenfalls
die Lehrerin, die selbst auch reitet. Für das gute Dutzend Mädchen und
einen Jungen aus der vierten bis siebten Klasse, die an diesem Vormittag
"ihre" Pferde präsentieren, ist es tägliche
Praxis: Die Tiere sind ihre Freunde.
Die Besucher, die vom Tag der offenen Tür im
Einkaufsland "Alles für Alle" zum Hof nach Esselbach herübergekommen
sind, staunen. "Normalerweise sagt man in der Reitschule: Stell dich
niemals hinter das Pferd. Es könnte ausschlagen", erklärt die Lehrerin
den Besuchern. "Aber unsere
Pferde vertrauen uns und wir vertrauen ihnen." Die Mädchen
streicheln während dieser Worte die sechs Norweger am ganzen Körper -
auch hinten an den Beinen. Später springen sie sogar von hinten auf das
Pferd. Andere rascheln währenddessen mit Plastiktüten - manch anderes
Pferd würde da vermutlich durchgehen. Doch Alicia, Arischa, Orion,
Oricco, Alim und Bonnie bleiben ganz ruhig - sie wissen durch die
Körpersprache der Kinder, dass alles in Ordnung ist.
Dieser
Umgang mit den Pferden will allerdings gelernt sein. Als ich ein Tier am
Kopf berühren will, weicht es zurück. "Du musst dich erst einmal
beschnuppern lassen", erklärt mir eines der Mädchen. In
speziellen Kursen nach einer Methode, die an anderer Stelle bereits
ausführlich erprobt wurde, lernen die Schüler einiges über die
Denkweise und Körpersprache der Pferde und darüber, wie wir Menschen
uns den Pferden verständlich machen können.
Zum Reiten ohne Sattel genügt dann eine Art Halfter
aus einer weichen Schnur, der das Gebiss der Pferde aber nicht berührt -
oder ein "Stecken". "Das ist keine Peitsche, sondern ein verlängerter
Arm", erfahre ich. Will der Reiter nach rechts reiten, so deutet er in
diese Richtung und schaut auch dorthin. Soll das Pferd anhalten, so
nimmt er den Kopf des Tieres etwas zur Seite. "Wenn
der Kopf nicht mehr gerade blickt, kann das Pferd auch nicht mehr
geradeaus laufen. Es bleibt stehen."