Ayurveda-Medizin und Mantra-Meditation
Östliche Heilkunst und
Christliche Ur-Heilweisen
Warum
strömen trotz Hightech- und Apparatemedizin, trotz Gentherapie und
Organtransplantation immer mehr Menschen aus den Industrieländern - vor
allem Reiche und Schöne - in die Praxen der Traditionellen Chinesischen
Medizin (TCM) oder zur indischen Ayurveda-Medizin? Warum die
"Sanfte Heilkunst aus Fernost" (Der Spiegel)?
Das Weisse Pferd fragte dazu den verantwortlichen Arzt der HG
Naturklinik Michelrieth, Dr. med. Arno Schneider.
Das Weisse Pferd: Können alte indische und
chinesische Heilmethoden Menschen des Westens nützlich sein?
Dr. Schneider: Wenn Menschen aus unserem
Kulturraum sich einer östlichen Medizin zuwenden, so gilt es zu
bedenken, dass die Zellstruktur des Menschen hier eine andere ist als
etwa die des asiatischen Menschen. Deshalb kann man Therapiemittel wie
Heilpflanzen u. a. m. aus diesem Raum nicht einfach auf uns übertragen.
Es gibt das Sprichwort: Bleibe im Land und nähre dich redlich. Diesem
Sprichwort liegt zugrunde, dass der Mensch in seiner Organ- und
Zellstruktur mit der Gegend - mit der Natur, mit den Pflanzen -, in der
er lebt, in Kommunikation steht. Er sollte also diejenigen Heilpflanzen
nehmen, die dort wachsen. So weiß die Volksheilkunst z. B., dass im
Hausgarten solche Pflanzen wachsen, die für Krankheiten der Hausbewohner
gut sind. Es wachsen oftmals gerade die Pflanzen, die zur Stützung
bestimmter Organe im Augenblick notwendig sind. Das hängt u. a. mit der
Planetenkonstellation zusammen, die ja sowohl im Körper als auch in der
Natur Entsprechendes aktiviert.
Yin und Yang
Das
Weisse Pferd:
Was aber macht die alte indische und chinesische Medizin so
anziehend für Westler? Ist es vielleicht die Philosophie, die dahinter
steht? Denn nach östlichen Lehren ist der Mensch dann gesund, wenn die
Kräfte von Himmel und Erde, die beiden Urkräfte - auf chinesisch Yin und
Yang - im Gleichgewicht sind. Im Krankheitsfall sind diese beiden
lebenserhaltenden Kräfte in Unordnung und die Lebensenergie - auf
chinesisch Chi - kann nicht mehr frei durch die Körperbahnen, d. h. über
die Meridiane, fließen, die die einzelnen Organe versorgen. Was können
Sie dazu sagen?
Dr. Schneider: Aus der Sicht der christlichen
Ur-Heilweisen ist es so, dass bei Krankheit die Harmonie im Organismus
gestört ist. Die Frage ist jedoch: Wodurch kommt diese Störung zustande?
Wenn der Mensch in Harmonie mit den Natur- bzw.
Schöpfungsgesetzmäßigkeiten lebt, dann ist er gesund. Tut er es nicht,
sei es durch bestimmte Lebens- oder Essgewohnheiten oder auch durch
bestimmte Denk- und Handlungsweisen, dann ist der Einklang gestört. Das
führt dann zu einer Blockade der Lebensenergien, zu einer Blockierung
der Selbstheilungskräfte und damit zu einem Energiemangel.
Das Weisse Pferd: So könnte man sagen, dass
der östliche Ansatz energetisch richtig ist. Doch die Frage ist: Wodurch
kommt es zu einer Störung der Harmonie, was behindert den Energiefluss?
Oder reicht es aus, einfach durch Akupunktur die Energieströme wieder
zum Fließen zu bringen?
Dr. Schneider: Grundsätzlich gibt es viele
Möglichkeiten, um den Körper zu unterstützen und den Energiefluss wieder
in Gang zu bringen bzw. Blockaden aufzulösen. Zum einen sind es
Medikamente, seien es pflanzliche Mittel oder Mineralstoffe, die einem
geschwächten Organ Energie zuführen. Zum anderen sind es Verfahren wie
Lymphdrainage, Massagen, Bäder, Bewegungsübungen oder auch Akupunktur,
durch die das Ungleichgewicht im Körper in Ordnung gebracht werden soll.
Das Weisse Pferd: Der Akzent liegt doch wohl
auf dem Wort "unterstützend". Denn letztlich muss ja die Seele gesunden
- durch Bereinigung ihrer Belastungen, um so dem Körper genügend
Lebensenergie zukommen zu lassen.
Dr. Schneider: Das ist richtig. Dieses
Heilungskonzept hängt jedoch vom Selbstbild des Arztes ab. Er kann
versuchen, den Körper zu stärken und den Energiefluss zu unterstützen,
aber heil werden muss der ganze Mensch, d. h. vor allem seine Seele. Es
ist nie der Arzt, der eine Krankheit heilt. Medicus curat, Deus sanat
[Der Arzt hilft, und Gott heilt], lautet ein weises Wort.
Wir gehen in der Medizin der
christlichen Ur-Heilweisen davon aus, dass der menschliche Körper nur
das Gefährt der Seele ist für das Leben auf dieser Erde. Beim physischen
Tod legt die Seele, das eigentliche Wesen, den Körper ab. Die Seele kann
daraufhin wieder zurückkehren auf die Erde, wobei sie den neuen Körper
mit dem prägt, was sie an Licht und Schatten aus früheren
Einverleibungen noch in sich trägt. Deshalb muss zuerst die Seele
gesunden, und das Gesundwerden der Seele überträgt sich in der Folge
dann auf den Körper. Denn von der Seele - von den Gedanken,
Empfindungen, Gefühlen, Worten und Handlungen, die in ihr gespeichert
sind - geht die Krankheit, aber auch die Gesundheit aus.
Sind sie positiv, dann sind die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiv
und bereit, den Körper zu heilen und gesund zu erhalten. Sind sie
negativ, werden dadurch die Selbstheilungskräfte geschwächt oder
blockiert und der Körper kann erkranken.
Das Weisse Pferd: Heißt das, dass eine
Medizin, die nicht das Heilwerden der Seele zum Ziel hat, den Körper
nicht wirklich heilen kann?
Dr. Schneider: Wenn nur versucht wird, den
Körper zu heilen, dann ist das letzten Endes Flickwerk. Dabei kann es
sein, dass durch zu intensive Maßnahmen oder "harte" Medikamente die
Selbstheilungskräfte sogar abgeschwächt werden. Unserer Ansicht nach
müssen die Selbstheilungskräfte jedoch unterstützt werden, wenn der
Körper geschwächt ist und sie ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen
können.
Das Weisse Pferd: Die Heilverfahren nach
christlichen Ur-Heilweisen, die Sie praktizieren, fördert den aktiven
Patienten. Aus dem, was man über die fernöstliche und auch die
Ayurveda-Medizin lesen kann, geht hervor, dass sich der Patient den
Behandlungen relativ passiv unterzieht - seien es Akupunktur-Nadeln,
seien es Öle, Düfte, Massagen, Entgiftungstherapien oder exotische
Medikamente. Dass der Patient seine Selbstheilungskräfte aktiv entfalten
müsse, hört man nicht.
Dr. Schneider: Wenn ich mir vergegenwärtige,
was in den Medien über die Ayur-Veda-Medizin oder andere östliche
Therapieformen berichtet wird, so kann ich mich des Eindrucks nicht
erwehren, dass diese als Erweiterung des schulmedizinischen Spektrums
verwendet werden. Denn die Haltung bzw. der Denkansatz ist letztlich ein
ähnlicher. In der Schulmedizin nimmt man ein Medikament, damit der
Körper gesund wird. Oder man operiert und schneidet das Kranke heraus.
Auch in der östlichen Medizin werden bestimmte Methoden angewendet, die
zur Heilung des Körpers führen sollen. Dass diese mit Erklärungen
versehen werden, die über die Schulmedizin hinausgehen - dass
Energieblockaden vorliegen oder die Harmonie gestört ist -, ändert daran
nichts. Der Ansatz, ein bestimmtes Verfahren herzunehmen, um zu heilen,
ist ähnlich.
TM
Das
Weisse Pferd: Verbunden mit indischer Medizin ist mitunter eine
bestimmte Meditationstechnik, so z. B. heute mit Teilen der
Ayurveda-Medizin die Transzendentale Meditation (TM). Die TM gibt sich
als wissenschaftlich gesichert und behauptet, sehr viele Krankheiten in
Kürze lindern oder heilen zu können. So sollen z. B. Patienten mit hohem
Blutdruck von TM enorm profitieren. Was ist zu dieser "Wunder-Methode"
zu sagen, die häufig im Zusammenhang mit der Ayur-Veda-Medizin angeboten
wird?
Dr. Schneider: Es ist erstaunlich, welcher
Stellenwert hier der TM gegeben wird. Es soll unlängst sogar ein Vortrag
vor dem englischen Oberhaus gehalten worden sein, der die Erfolge der TM
zum Gegenstand hatte. Dabei wurden doch gerade die TM und andere
östliche Techniken noch vor wenigen Jahren vehement bekämpft und als
Scharlatanerie bezeichnet. Wenn man sich nun heute dafür öffnet und der
Versuch unternommen wird, sie in das schulmedizinische Heilungsmodell zu
integrieren, dann ist das für mich eine Kapitulation der westlichen
Medizin. Denn hätte sie es geschafft, selber diese Erfolge zu haben,
dann bräuchte sie keine Anleihe im Osten zu machen.
Zum Zweiten: Warum geht man auf die östliche Medizin
und z. B. auf die TM zu? Ich glaube, dass die Werte, die ethischen Werte
des Menschen in der westlichen Medizin ebenso wie auch die Verbindung
zur Natur, im Laufe der Jahre und Jahrhunderte verloren gegangen sind.
Dabei sind diese Werte in der abendländischen Kultur vorhanden, z. B. in
den Zehn Geboten oder in den Lehren der Bergpredigt Jesu, in denen klare
Normen und Richtlinien sowohl für die Beziehung der Menschen
untereinander als auch gegenüber der Natur gegeben sind. Weil diese
Werte in das tägliche Leben kaum Eingang gefunden haben, der Mensch sich
aber nach solchen Werten sehnt, weil sie seiner wahren Natur
entsprechen, versucht man nun, solche Werte und Normen aus dem Osten zu
importieren.
"Wie ein Deckel auf dem Kochtopf"
Das Weisse Pferd: Wie erklären Sie sich die
Erfolgsberichte durch TM?
Dr. Schneider: Bei dieser Meditationstechnik
wird durch ein Mantra, das permanent wiederholt wird, eine bestimmte
monotone Schwingungsebene erzeugt. Wenn man hingegen das normale Leben,
auch das gedankliche Leben, betrachtet, so besteht dies aus einem
ständigem Wandel. Alles Lebendige ist ständige Aktivität, wie wir dies
auch in der Natur finden. Es gibt den ständigen Rhythmus von Tag und
Nacht, Ebbe und Flut, Kommen und Gehen. Der Wind ist nie gleichmäßig
usw. In der TM dagegen wird eine Gleichschwingung angestrebt. Es wird
ein Gleichklang, ein gleicher Rhythmus, erzeugt, der sich auch in den
Hirnströmen zeigt. Diese Gleichschwingung ist hier gewollt, sie soll den
Tag über anhalten und möglichst während des ganzen Lebens. Sie schiebt
sich wie eine Art Schicht in das Bewusstsein und legt sich vor allem
über das Unterbewusstsein. Es ist, wie wenn man den Deckel über einem
Kochtopf festschraubt. Dadurch kann sich die Bewegung im Topf nicht mehr
bemerkbar machen. Die vom Mantra erzeugte Schicht filtert alles, was
nach außen dringen möchte. So können die Bewegungen und emotionalen
Schwankungen, auch die krankmachenden, die im Unterbewusstsein
gespeichert sind, nicht mehr bewusst werden. Es entsteht eine Art
Blockade zwischen dem Bewusstsein und dem Körper. Danach beginnt der
Körper sich aufgrund seiner eigenen Regulationsmechanismen wieder zu
regenerieren, weil die krankmachenden Signale aus dem Unterbewusstsein
im Körper nicht mehr ankommen. Auf diese Weise kann z. B. auch ein hoher
Blutdruck zurückgehen.
Das Weisse Pferd: Der Aspekt ist interessant:
Die negativen Energien aus dem Unterbewusstsein können nicht mehr in den
Körper einfließen, weil die durch die endlose Wiederholung des Mantras
erzeugte Schicht sie daran hindert. Und diesen Zeitraum nutzt der
Körper, um die Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen, wodurch
vorübergehend einiges gebessert werden kann. Könnte man es auch so
sehen, dass TM schlicht einen Entspannungszustand erzeugt, der dann z.
B. blutdrucksenkend wirkt?
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