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Die Kirche
und der Mammon (6)
Ablass:
Ohne Geld kein Trost
Lange schon hatten Klöster für "Gebetsdienste"
Geld genommen. Diese "Gebete" sollten den Laien "einen
Anteil an dem geistlichen Verdienst oder den Ablässen vom Fegefeuer, die
von den Mönchen mit Gebeten und guten Werken erworben worden waren",
verschaffen (Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 6, S.
455).
Zur vollen Blüte gelangte der
Ablasshandel - wie sollte es anders sein - jedoch erst durch die Päpste.
Besonderes Geschick bewies Sixtus IV., der im Jahre 1467 verkündigte, "die
Wirkung kirchlicher Ablässe erstrecke sich nicht nur auf Lebende,
sondern auch auf die armen Seelen im Fegefeuer. Die Herde kapierte.
Jetzt sollte es noch leichter möglich sein, auch denen da drüben Gutes
zu tun, indem man Messen lesen ließ und Ablässe erwarb - und dafür
zahlte" (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 144). Sixtus
verkündete auch, dass "diejenigen, die nicht in der Lage sind, eine Romreise
anzutreten, einen ebenso vollständigen Ablass erlangen, wenn sie
lediglich den dritten Teil der Reisekosten an die päpstlichen Vertreter
zahlen würden. Es gab Tausend, die diesem Wahnwitz gefolgt sind"
(Wolf, Neuer Pfaffenspiegel, S. 347).
"Nach den Recherchen Corvins
soll durch den Ablasshandel im Lauf der 600 Jahre seines Bestehens etwa
eine Milliarde Gulden nach Rom geflossen sein" (ebda, S. 348). Arme
freilich konnten dieses Segens nur sehr schwer teilhaftig werden, "denn
sie haben kein Geld, also müssen sie des Trostes entbehren", wie es
in einer Verlautbarung von Papst Leo X. (1513-1521) hieß.
"Simonie"
oder das Schachern mit geistlichen Ämtern
Nicht weniger erträglich - und vor
allem schon wesentlich älter als der Ablasshandel - war der Verkauf von
Ämtern. Bereits im Jahre 473 n. Chr. musste Kaiser Glycerius
feststellen, dass der klerikale Ämterkauf bereits derart grassierte,
dass "der größte Teil der Bistümer ... nicht durch Verdienste,
sondern durch Geld erworben" wurde (Deschner,
Kriminalgeschichte, Bd. 3, S. 498).
Dies wurde in
der Folgezeit noch schlimmer. "Papst Innozenz VII. (1484-1492) soll
gleich nach seinem Amtsantritt 52 neue Sekretariatsstellen geschaffen
haben. Jede von ihnen hat er zu einem Preis von 2.500 Goldgulden
verkauft" (Wolf, S. 342). "Als Leo X. 1522 stirbt, werden die
von ihm geschaffenen Ämter von seinem Nachfolger Hadrian VI. mit einem
Federstrich für vakant erklärt, das heißt, sie mussten neu gekauft
werden" (ebda., S. 343).
Leo X., mit bürgerlichem Namen Giovanni
de Medici, hatte noch zu Lebzeiten 39 neue Kardinalsämter geschaffen, "wodurch
ihm 511.000 Dukaten zugeflossen sind ... Teuer waren die Lizenzen für
die roten Hüte der Kardinäle. Der Preis lag zwischen 10.000 und 30.000
Goldgulden pro Exemplar" (ebda.).
Die von Papst
Clemens VI. (gest. 1352) "beanspruchten Taxen für den Erwerb vakanter
englischer Pfründe überstiegen die Einkünfte des Königs von England um
das Fünffache" (Herrmann, S. 44). Es versteht sich dabei von
selbst, dass ein solches Schachern mit geistlichen Ämtern nur dem Papst
zustand, nicht jedoch z. B. weltlichen Herrschern, die noch im
Mittelalter versucht hatten, durch Geldmittel Einfluss auf von ihnen zu
ernennende Bischöfe zu nehmen. Diese wurden der "Simonie" beschuldigt, d. h. der
Vergabe geistlicher Ämter gegen Geld. Der Begriff Simonie leitet sich ab
von Simon Magus, d. h. "Zauberer", der in Samaria lebte und nach seiner
Taufe durch Philippus von Petrus und Johannes die Gabe des Handauflegens
kaufen wollte, worauf ihn Petrus scharf zurechtwies (Apg. 8, 9).
"Wir brennen wahrhaftig vor Geldgier"
Der Kirche war jedoch schon immer
erlaubt, was sie anderen verbot. Hierzu gehören auch Luxus und
Verschwendung, wobei das den Gläubigen abgepresste Geld mit vollen
Händen wieder ausgegeben wurde. Die Verschwendungssucht der
Renaissance-Päpste war sprichwörtlich. Und selbstverständlich ließen sie
auch ihre Verwandten daran teilhaben: "Den Vetter, Onkel, Vater als
Papst zu erleben, hieß, früher oder später Geld, Gut, Grund zu erben.
Noch heute zehren italienische Adelsfamilien vom damaligen Glücksfall,
gehören sie zu den reichsten Sippen des Landes. Verständlich, dass sie
sich in den Fragen der italienischen Innenpolitik noch immer auf die
Seite des Papstes schlagen", und den Vatikan nicht nur ideologisch
unterstützen (Herrmann, S. 149).
Auch die
Einführung des Zölibats, so Deschner, hängt "nachweislich mit der
Furcht vor Verlust des Kirchenguts zusammen", dient doch "die
Ehelosigkeit der Priester und Bischöfe ... nicht zuletzt der Vermeidung
gefährlicher Erbfälle, wie man selbst offen zugibt" (S. 501).
Trotz aller klerikalen Verschwendung
blieb noch genug übrig, so dass "das Gesamteinkommen des Papstes um
1250 größer war als die Einkünfte aller weltlichen europäischen
Herrscher zusammengenommen. Von England erhielt der Papst im Jahr 1252
eine Summe, welche die Einkünfte der Krone um das Dreifache überstieg"
(Durant, S. 456).
Von Papst Leo
X. ist der Ausspruch überliefert: "Wie viel die Fabel von Christus
Uns und den Unsern genützt hat, ist bekannt" (Herrmann, S. 142).
Und wenn Friedrich Nietzsche die Kirche "die höchste aller denkbaren Korruptionen"
nennt, so bestätigt er damit den Bischof Hieronymus, wenn dieser sagt:
"Wir brennen wahrhaftig vor Geldgier, und indem wir gegen das Geld
wettern, füttern wir unsere Käfige mit Gold, und nichts ist uns genug"
(zit. nach Herrmann, S. 76).
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