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»Tiere töten nicht gerechtfertigt« Fleischesser wider Willen? Mal kursiert die Schweinepest, dann werden die Kühe wahnsinnig, zu viel Cholesterin ist nicht gut, dann hat man ja auch Mitleid mit den Tieren - und doch beißen viele tapfer in ihr Schnitzel. Warum? 3 % der Gesamtbevölkerung halten das Töten von Tieren zur Gewinnung von Lebensmitteln für nicht gerechtfertigt - das ergab eine von der Pharmaindustrie in Auftrag gegebene Befragung. Als Vegetarier bezeichnen sich hingegen nur etwa 6
% der Bundesbürger. Woher mag diese Diskrepanz kommen? Weshalb handeln 29 Millionen Menschen entgegen ihrer Überzeugung? Ist es Gewohnheit? Pure Gaumenlust? Oder das
Jahrzehnte alte Märchen vom Fleisch als ein »Stück Lebenskraft«? Wer dennoch hin und wieder abwägt Fleisch zu essen oder nicht - gerade wenn BSE-Meldungen den Appetit verderben - mag in seinen Überlegungen vielleicht noch mit der unbestimmten Furcht vor »Mangelernährung« konfrontiert werden, haben doch jahrzehntelang auch offizielle Stellen vor Eisenmangel, Kalzium-Defizit und Unterversorgung an Eiweiß gewarnt. Fleischlos essen scheint vielen Menschen noch immer eine komplizierte Angelegenheit zu sein und mit Blutarmut, Knochenabbau oder Wachstumsstörungen einherzugehen; so hatten es Mütter, Großmütter, Erzieher und Lehrer wohlmeinend einsuggeriert. Mittlerweile wird jedoch von allen ernährungswissenschaftlichen Institut bestätigt, dass Vegetarier ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind - und in der Regel sogar sehr viel gesünder sind als Fleischesser. Gesünder ohne Fleisch Eine Studie der Universität Gießen, des Krebsforschungszentrums Heidelberg und des Bundesgesundheitsamtes Berlin ergab, dass Vegetarier länger leben als vergleichbare Menschen mit herkömmlichen Lebens- und Essgewohnheiten und dass sie seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sterben. Im Tierschutzbericht der Bundesregierung hieß es 1995, dass »Fleisch keinen notwendigen Bestandteil der menschlichen Ernährung« darstelle. Gourmet-Küche auf vegetarisch Dass also »vegetarisch« nicht länger einfach mit Körner- und Grünzeug essen gleichzusetzen ist, beweisen die zunehmende Zahl an vegetarischen Gerichten in Feinschmeckerlokalen, Kochbücher mit exzellenten vegetarischen Gerichten oder etwa neue Projekte wie ein vegetarischer »Gourmet-Service« in der Gegend von Würzburg, der für festliche Anlässe internationale vegetarische Köstlichkeiten auftischt. Könnte dies für die 33 % »Fleischesser wider Willen« und andere Gourmets eine Alternative sein? Denn wenn wir schon das »Töten von Tieren zur Lebensmittelgewinnung« im Grunde für nicht gerechtfertigt halten, wäre es für unsere Mitgeschöpfe wünschenswert, wenn wir es nicht nur bei dem Bekenntnis belassen, sondern uns gemäß unserem Unrechtsempfinden auch verhalten.
(Silke Dziallas)
»Tiere sind meine Freunde und ich esse meine Freunde nicht.« Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 2/01 |
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