Das Friedensreich (2): Jeremia 

»Ich schreibe es in ihr Herz«

Jesaja, Jeremia, Hosea - alle großen Gottespropheten kündeten vom Friedensreich. Gemeinsam war ihren Visionen: Das Friedensreich beginnt im Herzen jedes einzelnen Menschen.

Der Turm zu Babel - Symbol einer Weltmacht. Jeremia wies Israel den Weg aus der Unterdrückung - durch ein Leben nach den Gesetzen Gottes Es war im Jahr 600 vor Christus. Die Lage war aussichtslos: Die Großmacht Babylon eroberte Land um Land; und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch Israel mit seiner Hauptstadt Jerusalem unterwerfen würde. 
Wie sollten sich die Israeliten verhalten? Krieg führen gegen einen übermächtigen Feind? In dieser Situation stand ein Gottesprophet auf: Jeremia. Durch ihn gab Gott den Israeliten den Rat, sich nicht mit Waffengewalt zur Wehr zu setzen. Sie sollten vielmehr auf Gott vertrauen und Seine Gebote halten, dann werde Er sie auch durch die schwierige Zeit hindurch führen. Gott wies Jeremia an, in seinem bereits von den Babyloniern eroberten Heimatdorf als Zeichen des Neubeginns einen Acker zu kaufen - in den Augen vieler Zeitgenossen eine absurde Tat. 
Die Israeliten entschieden sich, zu den Waffen zu greifen; Jeremia wurde als Landesverräter gebrandmarkt, zeitweise ins Gefängnis geworfen und, nach weiteren schweren Entbehrungen, vermutlich von seinem eigenen Volk gesteinigt.

Versklavt durch Sachzwänge

Auch heute leben wir in einer scheinbar ausweglosen Zeit. Der Mensch zerstört seine Lebensgrundlage - die »Sachzwänge« wollen es so. Die Nahrung ist vielfach verunreinigt, ebenso das Wasser. Eine globale Ökonomie scheint unaufhaltsam alles in Besitz zu nehmen, ohne Rücksicht auf Mensch oder Tier. Viele Menschen haben Angst vor Arbeitslosigkeit, andere vor Krankheiten wie Rinderwahnsinn - und die Tiere haben Angst vor den furchtbaren Transporten, vor dem Schlachthaus, vor Tierversuchen. Kriege und Hass entladen sich auf den immer gleichen Schlachtfeldern. Obwohl so viele Erkenntnisse vorhanden sind über das, was gut und richtig wäre, ist keine Besserung in Sicht. 
Damals, 600 vor Christus, inmitten all des drohenden Unheils, kündigte Gott durch Jeremia eine neue Zeit an: »In jener Zeit ... werde Ich der Gott aller Stämme Israels sein, und sie werden Mein Volk sein. ... Der Herr hat Sein Volk gerettet, den Rest Israels. Seht, Ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle sie von den Enden der Erde ... als große Gemeinde kehren sie hierher zurück. ... Ich führe sie an Wasser führende Bäche, auf einen ebenen Weg, wo sie nicht straucheln. ... Ich verwandle ihre Trauer in Freude, tröste und erfreue sie in ihrem Kummer. ... Man wird im Land Juda und in seinen Städten, wenn Ich ihr Geschick wende, wieder dieses Wort sprechen: Es segne dich der Herr, du Hort der Gerechtigkeit, du heiliger Berg. ... Seht, es werden Tage kommen, ... da säe ich über das Haus Israel und das Haus Juda eine Saat von Menschen und eine Saat von Vieh« (Jeremia 31). »Ich schließe mit ihnen einen ewigen Bund, dass Ich Mich nicht von ihnen abwenden will, sondern ihnen Gutes erweise ... Man wird wieder Felder kaufen in diesem Land, von dem ihr sagt: Es ist eine Wüste ...« (Jeremia 32).
War dies alles nur die Ankündigung der späteren Rückführung der Israeliten aus der babylonischen Gefangenschaft, wie manche Interpreten glauben? Oder war es die Ankündigung eines Geschehens in einer damals noch fernen Zeit, die uns heute bereits viel näher ist? Gott nennt weder Zeit noch Stunde, denn er hat dem Menschen den freien Willen gegeben, sich bereits abzeichnende Abläufe durch ein Umdenken zu verändern.

Wann endet die Zeit zur Umkehr?

Wer mit in die neue Zeit gehen will, der muss sich von der alten Zeit lösen. Diese wird bei Jeremia symbolisiert durch das Königreich Babel, dem er den Untergang prophezeit. Die Menschen, die sich nicht auch innerlich aus der Gefangenschaft Babylons lösen, werden mit ihm untergehen. »Flieht aus Babel, jeder rette sein Leben, damit ihr nicht umkommt bei seinem Schuldgericht« (Jeremia 51, 6). Fast sieben Jahrhunderte später hat Johannes, der Seher von Patmos, dieses Bild wieder aufgegriffen: »Tretet aus von ihr, mein Volk, damit ihr nicht mitschuldig werdet an ihren Sünden und von ihren Plagen nicht mit getroffen werdet« (Offenbarung 18, 4). Für den Schreiber der Geheimen Offenbarung war die babylonische Gefangenschaft, anders als für Jeremia, bereits weit zurückliegende Vergangenheit - ein Hinweis darauf, dass hier eine Symbolsprache verwendet wird. »Babylon« - das sind damals wie heute vor allem die Institutionen der Priesterkaste, die die Menschen durch Zeremonien und Dogmen an sich binden und sie in Unwissenheit halten. Wer sich so verhält, wie die Priester es vorleben, wer Kriege führt oder sie rechtfertigt, wer Menschen und Tiere quält und ausbeutet, der wird früher oder später den Wirkungen seiner selbst gesetzten Ursachen unterliegen - wenn die Zeit zur Umkehr abgelaufen ist. Wer sich hingegen Gott zuwendet und bestrebt ist, nach Seinen Geboten zu leben, der wird auch von Ihm geführt sein. »Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es in ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den anderen belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, klein und groß, werden mich erkennen« (Jeremia 31, 33 f.). (M. Holzbauer)

Lesen Sie die Artikel über die Gottespropheten:

Jesaja     Jeremia      Hesekiel     Daniel (Druckausgabe Nr. 7/2001)    



Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 3/01


Lesen Sie dazu auch:
Der Theologe Nr. 20 - Elia, Amos und Jeremia: Propheten als unbequeme Mahner für ihr Volk

 


Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Deutschland
Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210
http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de

Einige aktuelle Themen
:
Im Blickpunkt: Die Main-Post - http://www.das-weisse-pferd.com/2009/mainpost_universelles-leben.html

Die Neue Zeit-TV auf Astra Digital - http://www.das-weisse-pferd.com/2009/die_neue_zeit.html
Die Kirche soll sich nicht mehr "christlich" nennen - http://www.christus-oder-kirche.de

Die verschwiegenen Leiden von Organspender und Organempfänger - http://www.theologe.de/theologe17.htm