Was liegt im Busch?

Bomben aus dem Weißen Haus

Seit es Atomwaffen gibt, ist unsere Zivilisation in jene Phase eingetreten, in der eines Tages Wirklichkeit werden könnte, was ihr große und kleine Propheten und Seher seit langem voraussagen: dass sie in einer selbst verschuldeten Katastrophe untergeht, ausgelöst durch einen weltweiten Schlagabtausch von Vernichtungswaffen, vielleicht ergänzt durch dabei entfesselte Naturkatastrophen.

Wir verdrängen solche Prophezeiungen gern, so lange die Welt nicht in den Abgrund eines globalen Krieges schaut. In den letzten 50 Jahren war dies einige Male der Fall - z. B. bei Beginn des Korea-Krieges (1950) oder während der Kuba-Krise (1962). Auch als die amerikanischen Pershing-Raketen 1983 in Deutschland stationiert wurden, schaukelte sich die wechselseitige Drohkulisse der Supermächte gefährlich auf. Zuletzt wurde es während des Golf-Krieges gefährlich, als Saddam Hussein auf amerikanische Bombenangriffe mit Raketen auf Israel reagierte. Doch da hatte der östliche Gegenspieler der westlichen Supermacht das globale Spielfeld praktisch schon verlassen. Die Sowjetunion war zerfallen und die verbleibende Großmacht Russland war mit sich selbst beschäftigt. Abrüstung stand auf der Tagesordnung. Nicht nur die Raketen rosteten, sondern auch die Feindbilder verblassten.

Das könnte sich wieder ändern, seit George W. Bush ins Weiße Haus einzog und sich mit den Helden von vorgestern umgab, dem Generalstabschef Powell als Außenminister und dem politischen Hardliner Rumsfeld als Verteidigungsminister. Man träumt von einem neuen Rüstungsprojekt, einer nationalen Raketenabwehr, die Amerika unangreifbar machen soll. Im Kreml schrillen bereits die Alarmglocken: Wenn Amerika sich mit einem Raketenschutzschirm unangreifbar macht, wird es zum unumschränkten Herrn der Welt. Gerade das wollten frühere Verträge zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen vermeiden. Amerika will sie nun in den Papierkorb werfen. Russland und China empfinden das als massive Bedrohung. Europa wird kaum mehr gefragt. Eine neue Rüstungsspirale steht uns bevor. Man bricht offenbar wieder in Richtung Abgrund auf, an dem man sich eines Tages wieder waffenstarrend und sich mit Atomschlägen bedrohend gegenüberstehen könnte.

Damit sich die Welt an die neue Gangart im Weißen Haus gewöhnt, verpasste Präsident Bush jun., gerade 4 Wochen im Amt, dem Erzfeind Saddam Hussein gleich einmal einen militärischen Denkzettel. Als dürftige Begründung musste die Gefährdung der Flugverbotszonen herhalten. Diese müssen von irakischen Kampfflugzeugen frei bleiben und werden von alliierten Flugzeugen kontrolliert. Konkret gefährdet waren die Amerikaner nicht. Im übrigen wurden diese Flugverbotszonen und ihre martialische Kontrolle durch Luftschläge von den Vereinten Nationen nie autorisiert. Die Amerikaner handelten völkerrechtswidrig. »Die Botschaft der Bomben« (Süddeutsche Zeitung) sollte der aufgeschreckten Weltöffentlichkeit die eiserne Entschlossenheit der neuen Herren des Weißen Hauses demonstrieren. 
Was die Öffentlichkeit gern verdrängt: Auch unter dem Vorgänger Bushs wurde im Irak bombardiert - gewissermaßen routinemäßig und ohne spezielle Anordnung des Oberbefehlshabers im Weißen Haus. Im Jahr 1999 waren es 132 Luftangriffe. Dabei wurden nach einem Bericht des humanitären Beauftragten des UN-Generalsekretärs 144 Zivilisten getötet. Die Folgen der jetzigen Bombardierung sind verheerend: Die arabische Welt ist empört, Saddam Hussein aufgewertet, und nicht zuletzt: Der Schuss aus der Hüfte des Mannes aus Texas kostete Menschenleben. Eine Suche nach neuen politischen Lösungen alter Konflikte wurde nicht einmal im Ansatz sichtbar. Erst schießen - dann denken?

Zu dieser unheilschwangeren Entwicklung passt das Scheitern des Friedensprozesses in Israel und die Wahl eines Mannes wie Ariel Scharon zum neuen Premier: Auch er ist ein gefeierter Kriegsheld. Er war es auch, der mit seinem Besuch an der Klagemauer in Jerusalem Ende vergangenen Jahres dem Konflikt zwischen Palästina und Israel neuen Zunder gab. Die Aggressionen im Nahen Osten können leicht wieder globale Dimensionen annehmen - jedenfalls dann, wenn Washington und Moskau wieder auf Konfrontationskurs geraten. Die aufstrebende Welt- und Atommacht China wäre dieses Mal mit von der Partie. Und wenn die arabische Welt durch den Nahost-Konflikt und immer neue Militäraktionen gegen Bagdad in Aufruhr gerät, erhöht sich die Spannungslage weltweit. Irgendwann werden wir es schon schaffen, dass die Prophezeiung vom Untergang dieser heillosen Zivilisation noch in Erfüllung geht - vielleicht schneller, als wir es gegenwärtig ahnen. 


2000: Erneut Rekordjahr der Katastrophen

Das Jahr 2000 war - wieder einmal - das Jahr mit den bisher meisten Katastrophen: 850 »Großereignisse« zählte die Münchner Rückversicherung, noch mehr als im bisherigen Rekordjahr 1999. Dass die Zahl der im Jahr 2000 bei Katastrophen ums Leben gekommenen Menschen etwas niedriger lag als im Jahr zuvor, liegt an den dünner besiedelten Gebieten, die diesmal betroffen waren. Zu den größten Katastrophen des vergangenen Jahres zählen die Überschwemmung in Mosambik, die Feuersbrunst in den Wäldern der USA sowie Überschwemmungen und Erdrutsche in den Alpen. Die größte Katastrophe ist jedoch nach wie vor der Mensch - jedes Jahr neu.


Fuchsjagd in der Schweiz

Die Felle landen im Kadavermehl

Rund 40.000 Füchse werden jedes Jahr in der Schweiz von Jägern geschossen. Die meisten Felle werden jedoch gar nicht verwertet - Pelz tragen ist aufgrund der Aufklärungsarbeit vieler Tierschützer nicht mehr »in«. Ein Großteil der geschossenen Füchse landet in Fabriken, die Kadavermehl (beschönigend auch als »Tiermehl« bezeichnet) herstellen. Weshalb wird dann überhaupt gejagt? Die Tollwut - eine beliebte Ausrede - gibt es in der Schweiz nicht. Der Wildbiologe Felix Labhardt vermutet, dass die Jäger den Fuchs schlicht als lästigen Konkurrenten ansehen, »weil er ab und zu ein Rehkitz erlegt« (Facts, 14.12.2000).


Europäische Union

Giftmord an 10 Millionen Tieren

Die Europäische Kommission hat angeordnet, dass längst bekannte Chemikalien, die bereits vor 1981 im Handel waren, auf ihre Giftigkeit untersucht werden. Dazu benötigt man insgesamt 10 Millionen Versuchstiere. So viele Kaninchen, Mäuse, Hunde und Affen sollen, zusätzlich zu den bereits Jahr für Jahr gequälten Tieren, sterben - obwohl die Ergebnisse solcher Versuche bekanntermaßen auf den Menschen gar nicht übertragbar sind.


Es wird heiß

Im neuesten Klimabericht der Vereinten Nationen wird eine Steigerung der Temperatur auf dem Globus um bis zu 5,8 Grad für dieses Jahrhundert vorhergesagt. Das würde einem Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 88 Zentimeter entsprechen. Dann wären nicht nur die Malediven verschwunden, sondern auch fast ein Fünftel von Bangladesh - und auch an Nord- und Ostsee würde viel Land unter Wasser geraten. Die meisten der bereits bestehenden Umweltschäden seien nicht wieder gut zu machen. Und wie ist das Klima unter uns Menschen?


Die Wüste wächst

Ein Viertel der Erdoberfläche ist Wüste oder dabei, zur Wüste zu werden. Jedes Jahr wachsen die Wüsten der Erde um ein Gebiet, das der Fläche von Bayern und Baden-Württemberg entspricht. 1,2 Milliarden Menschen sind davon unmittelbar betroffen. Peking beispielsweise wird immer häufiger von Sandstürmen heimgesucht; die Wüste beginnt mittlerweile nur 80 km vom Stadtrand entfernt.
Ursachen der Verwüstung sind: die globale Klimaveränderung, Abholzung von Wäldern, Überweidung, Bodenerosion, nicht umweltgerechtes Verhalten.
Die Verwüstung der Erde ist die Folge der Verwüstung der Herzen und der Gemüter.


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 3/01

 


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