Menschheitsideale (3): Einheit

»Alle Lebewesen haben denselben Atem«

Keine Geheimnisse pflegen, einander beistehen, Kommunikation mit Pflanzen und Tieren aufbauen und einiges mehr - Einheit lässt sich lernen

Bei einem Schlagerfestival kämpften viele Interpreten um die Gunst des Publikums. Einer von ihnen singt »Einer für alle, alle für einen«. Der Liedtitel ist ein bekannter Leitspruch, der in manchen Gemeinschaften verwendet wird: bei der Feuerwehr etwa oder in einem Sportverein, wo jeder einmal der »Eine« sein oder zu den »Allen« gehören kann. Anders hielt es der Sänger, der nur sich selbst in den Mittelpunkt stellte und behauptete: »Der Eine bin ich«. Ähnlich haben sich Diktatoren und Könige schon als die »Einen« verehren lassen, durch die Wohlstand und Glück zu den Menschen kommen sollten - eingelöst wurden solche Versprechen aber selten. Auch nicht von politischen Parteien, die sich zu »Einheitsparteien« für »Alle« ernannt hatten und dann doch nur Interessenvertreter von wenigen waren.
Unterschwellig neigen die meisten Menschen dazu, sich in bestimmten Situationen als die »Einen« zu fühlen - die am besten singen oder spielen, die die besten Liebhaber sind, am meisten verstehen, am effektivsten arbeiten, den größten Durchblick haben und vieles mehr. Weil Jesus von Nazareth diese Selbstaufwertungen durchschaute, hat Er Seinen Anhängern empfohlen: »Wer von euch der Größte sein will, der sei euer aller Diener« - der Weg in die Einheit? 

Kein Arm und Reich

Was heißt das praktisch? In der ersten Urgemeinde in Jerusalem galt es zum Beispiel, einen krassen Gegensatz zwischen Reich und Arm aufzulösen, indem die damaligen Urchristen den Not Leidenden unter Ihnen halfen, durch redliche Arbeit »auf eigene Füße« zu kommen. Wichtig dabei war, ehrlich miteinander zu reden. Denn Einheit bedeutet auch ein Miteinander in gegenseitiger Offenheit. Das Miteinander ergibt sich aus gemeinsamen Zielen, die man sich steckt. Und wenn Menschen mit einem gemeinsamen Ziel untereinander offen sind und keine Geheimnisse mehr pflegen, folgen wie automatisch von Innen heraus weitere Schritte: So gefällt es ihnen immer weniger, sich in kleinen Parzellen abzukapseln, was im Urchristentum dazu führt, dass man allmählich zu Großfamilien zusammenwachsen möchte. Dort beanspruchen Menschen zum Beispiel größere Werte oder Besitz nicht mehr nur für sich. Und diese Werte sollen schließlich auch gemeinsam erwirtschaftet werden - in Betrieben, in denen man sich für das »Gemeinwohl« bzw. das »große Ganze« einsetzt.
Hier sind auch die Tiere einbezogen, was für die ersten Christen, die mit Jesus von Nazareth noch direkt Kontakt hatten, selbstverständlich war: Ein Mann, der sein Kamel überfordert und gequält hatte, wurde von Jesus aufgeklärt, dass das Tier denselben Atem von Gott empfangen habe wie die Kinder des Mannes und dass es ebenso leidet wie Menschen leiden würden. Der Mann änderte sein Verhalten und stieß zur urchristlichen Gemeinschaft hinzu. Doch schon nach wenigen Jahren ging das Bewusstsein dafür verloren, dass Natur und Tiere zur großen Einheit aller Lebensformen hinzugehören. Der Gemeindelehrer Paulus trug entscheidend zu dieser Entwicklung bei, als er alle auf dem Markt angebotenen Tiere zum Verzehr freigab und Gottsuchern außerhalb der sich formierenden Kirche absprach, Gott in der Natur zu begegnen. Paulus schreibt: »Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes« (1. Korinther 2). Dabei ist der Geist Gottes in meinem Nächsten und Er spricht mich auch durch die Augen einer Kuh oder eines Schweins an. Er ist die Kraft in jedem Baum und Er bewegt sich in jedem Grashalm. So lehrte es bereits Jesus von Nazareth die Menschen. Auf einer antiken Papyrusrolle sind von Ihm die Worte überliefert: »Richte den Stein auf und du wirst mich dort finden; spalte das Holz und ich bin dort«. Die Kirche nahm diesen Satz und ähnliche nicht in die Bibel auf, doch die Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht unterdrücken. In unserer Zeit offenbarte Christus durch Prophetenmund neu die Großen kosmischen Lehren des Jesus von Nazareth an Seine Apostel und Jünger, die es fassen konnten (Verlag DAS WORT) und es heißt darin: »Ich Bin alles in allem. Schaue den Strauch an - und du wirst mich finden. Hebe den Stein auf - und du wirst mich finden. Blicke zu den Gestirnen - und du nimmst mich wahr. Schaue tief in den Menschen - und du findest dich selbst und somit Mich, Christus, das Selbst in dir. Betrachte das Tier - und du findest Mich. Spüre den Wind - und du vernimmst Mich. Betrachte den Wassertropfen - und du betrachtest dich in Mir. Denn Ich Bin das Leben in allem und du bist das Leben in allem und alles ist in Mir und alles ist in dir. Wir sind geeint in Ihm, dem großen All-Einen, der ist ewiglich« (Bd. 1, S. 126 f.) (http://www.das-wort.com/deutsch/gottesprophetie-aktuell/die-botschaft-aus-dem-all---band-1.php).

Umpolung der All-Kommunikation

Wer nun beginnen will, erste Erfahrungen mit dem »All-Einen« zu machen, kann sich zunächst bewusst machen: Alles Geschehen beruht auf Energie und es gibt nur zwei Möglichkeiten für mein Verhalten: Entweder ich stehe in Verbindung mit der Kraft Gottes, mit der All-Kommunikation, die alle von Gott geschaffenen Lebensformen durchströmt, ich strebe also in die große Einheit. Oder ich lebe von der umgepolten, der negativen Kraft, die überall dort wirksam ist, wo gegen Gebote Gottes verstoßen wird bzw. wo man den ursprünglichen, von Gott geschaffenen Energiekreislauf verlassen hat. So ist es, wenn ich nur mir selbst der Nächste bin und vielleicht noch die Verwandten einbeziehe, mich Freude oder Leid von anderen Menschen oder Tieren aber nicht mehr berührt

Es beginnt im Kopf

Habe ich zum Beispiel zu dem Vogel in meinem Garten Kommunikation, der jetzt im Frühjahr sein Nest baut und der sich am Leben freut und Gott durch seine Lieder dankt? Wer diese Frage ehrlicherweise mit Nein beantworten muss, dies aber ändern möchte, kann einfach mit den Tieren im Garten beginnen. Wir Menschen fangen ja in der Regel im »Kopf« an, etwas zu verändern. Ich könnte mir also gedanklich vornehmen, bewusster zu leben und auf die Menschen und Tiere meiner Umgebung besser zu achten. Dies wäre ein erster Schritt. Ein weiterer Schritt könnte sein, ein oder mehrmals am Tag einige Augenblicke innezuhalten und sich an das Ziel, die Kommunikation mit dem großen All-Geist, zu erinnern. Auf diese Weise dringt die positive Vorgabe mit der Zeit vom Kopf in die Zellen des Körpers. Schon wenige Schritte in diese Richtung bewirken mehr positive Energie und damit auch mehr Zufriedenheit und größeres Glück. Dabei ist es eine Hilfe, immer wieder einmal langsam und bewusst zu atmen. Denn in unserem Atem atmet der Odem Gottes. Er ist unsere Lebensader, ohne die wir nicht existieren würden. Und es ist derselbe Gott, der sowohl in uns atmet als auch in allen anderen Lebensformen. Deshalb trennen wir uns auch von Gott, wenn wir die Verbindung zu nur einem Menschen abschneiden und diesen ablehnen. In diesem Zusammenhang gewinnt auch das Wort »Einer für alle und alle für Einen« eine neue Bedeutung: Wenn Christus für mich der »Eine« ist, der für uns »alle« auf der Erde war und uns in »allen« begegnet, dann huldige ich keinem Menschen und betrachte mich selbst nicht als den Mittelpunkt, dem alles dienen muss. Ich lerne, für meinen Nächsten da zu sein und in mir wächst allmählich die Vision der großen Einheit aller Menschen und allen Seins. In dieser Vision leben Menschen und Tiere friedfertig zusammen. Es gibt keinen Gegensatz von Reich und Arm mehr und Menschen können sich offen und ehrlich begegnen, weil keiner dem anderen Böses will oder Angst vor ihm haben muss. (D. Potzel)

Serie "Menschheitsideale":  Freiheit    Gleichheit    Einheit    Brüderlichkeit   Gerechtigkeit
                                             Göttliche Prinzipien


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 4/01

 


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