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Vegetarisches Leben Wie gesund sind Vegetarier? Lange hielt sich das Märchen vom Fleisch als »ein Stück Lebenskraft«. Neue Erkenntnisse zeigen nun: Gesünder lebt sich’s ohne. Wir befragten den leitenden Arzt einer Naturheilklinik zur fleischlosen Kost Vegetarier waren lange Zeit eine Randgruppe der Bevölkerung. Ihnen haftete vielfach das Klischee der Körner verzehrenden Asketen an, die auf Familienfesten ihr hausgemachtes Müsli mitbringen. Mittlerweile hat sich das geändert. Nach BSE, Antibiotika-Skandalen, Rindertuberkulose und Maul- und Klauenseuche ist vielen Menschen der Appetit auf Fleisch vergangen und immer mehr Verbraucher suchen nach fleischlosen Alternativen. Nur: Kann man Fleisch und Fisch auf dem Speiseplan einfach weglassen? Ist der Organismus ausreichend mit Nährstoffen versorgt, wenn man »nur von Beilagen« lebt? Dr. med. Arno Schneider von der HG Naturklinik Michelrieth nimmt zu diesen Fragen Stellung. Redaktion: Dr. Schneider, ist die Sorge vieler Verbraucher, die bei vegetarischer Kost Mangelerscheinungen und gesundheitliche Schäden fürchten, berechtigt?
Redaktion: Gilt diese positive Einschätzung auch für die Eiweißversorgung, die ja im Kindesalter besonders wichtig ist? Fleisch ist bisher doch immer noch der Eiweißlieferant Nummer eins ...
Redaktion: Kritiker der vegetarischen Ernährung führen häufig eine unzureichende Versorgung mit Eisen und Calcium an. Ist dieser Einwand berechtigt?
Dr. Schneider:
Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass bei Vegetariern die Eisenversorgung nicht schlechter ist als bei Nicht-Vegetariern. Als Beispiel kann man hier den Hämoglobingehalt des Blutes oder bestimmte Enzymreaktionen anführen. Redaktion: Das klingt fast so, als müsste man sagen »Fleisch macht krank«.
Dr. Schneider:
Viele Studien weltweit haben gezeigt, dass Vegetarier wesentlich weniger an ernährungsbedingten Erkrankungen leiden wie Nicht-Vegetarier. Dazu gehören
u. a. Herzinfarkt, Schlaganfall, Arterienverkalkung, hoher Blutdruck, Gicht, Rheuma, Arthrosen, Diabetes
usw. Diese Krankheiten verursachen allein in Deutschland jährlich Kosten von 100-140 Milliarden Mark. Zudem wurde bei Fleischessern in der Berliner Vegetarierstudie dreimal häufiger krankhaftes Übergewicht diagnostiziert, als bei Vegetariern. Und schließlich: Verschiedene Studien bescheinigen den Vertretern der fleischlosen Ernährungsform auch ein geringeres Risiko für Krebserkrankungen. Tierisches Fett und das im Fleisch enthaltene so genannte Häm-Eisen fördern z. B. Tumore im Magen-Darm-Trakt. Außerdem reichern sich häufig Umweltgifte im Fleisch und Fett an, so z. B. Schwermetalle, Dioxin, Chlorkohlenwasserstoffe und Pestizide. Redaktion: Und wie steht es mit dem viel beschworenen Vitamin B 12? Dr. Schneider: Vitamin B 12 ist im Stoffwechsel an der Entgiftung von Homozystein beteiligt und wird für die Bildung von Myelinscheiden benötigt, eine Art Isolierschicht für die Nerven. B 12 ist auch erforderlich für die richtige Bildung der roten Blutkörperchen, die DNA-Synthese und für den Abbau einiger Aminosäuren. Das Vitamin B-12-Molekül kann ausschließlich von einigen Bakterienarten gebildet werden. Pflanzen stellen B 12 nicht her, weil sie keinen Bedarf dafür haben. Bedeutsame Mengen an Vitamin B 12 sind demnach ausschließlich in tierischen Produkten enthalten. Vegetarier werden in der Regel ausreichend über Milchprodukte mit B 12 versorgt. Personen, die sich rein vegan ernähren (also ohne Milchprodukte), sollten jedoch unbedingt Vitamin B 12 als Nahrungsergänzung zuführen. Hier ist eine Blutuntersuchung zu empfehlen.
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