Neue Messungen - Experten bestätigen

Hochwertige Böden
durch friedfertigen Landbau

»Was man aus dem Boden rausholt, muss man wieder reingeben«, sagen die Vertreter der Düngemittellandwirtschaft und wollen durch chemische Düngung diejenigen Substanzen wieder »auffüllen«, die sich die Pflanze aus dem Erdreich geholt hat, um groß zu werden. Dass aber Wachstum und Gedeihen nicht anhand simpler Addition und Substraktion von Mineralstoffen funktioniert, beweist der friedfertige Landbau auf Gut Greußenheim (Terra Nova) im Spessart. Hier werden die Felder seit über 15 Jahren in Dreifelderwirtschaft, ohne Chemie, ohne Mist und ohne Gülle bewirtschaftet: »Bei der letzten Bodenmessung hat die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau überdurchschnittlich hohe Werte an Bodenmineralien, speziell an Kalium und Magnesium, gemessen - wir geben aber seit 15 Jahren keinen Kunstdünger aufs Feld«, berichtet einer der Landwirte, die in enger Zusammenarbeit mit der Gabriele-Stiftung die Böden in friedfertigem Landbau bestellen. Wie können solche herausragenden Werte dann aber zustande kommen?

Die Redaktion befragte Dr. Jürgen Fleckenstein von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (BfL). Der erklärte uns: »Das kann zunächst einmal mit dem Gewebe des Bodens zusammenhängen, mit der Verwitterung, mit der gesamten Bodenbeschaffenheit. Magnesium, Kalium und andere Mineralstoffe sind ausreichend in jedem Boden vorhanden, allerdings z. B. in Form von Steinen, Feldspat und Tonmineralien, also in gebundener Form, und somit nicht als Nährstoff für die Pflanze verfügbar. Verwittert nun der Stein, werden Magnesium- und Kalium-Ionen freigesetzt, die dann die Pflanze aufnehmen kann.« So hängt also der Gehalt an verfügbaren Mineralstoffen vor allem von Verwitterungsprozessen im Boden ab? Wir erfahren aber, dass im Erdreich noch einiges mehr geschieht, was zu einem guten Mineralstoffgehalt führt: »Regenwürmer fressen Erde«, erklärt Fleckenstein. »Im Verdauungssystem des Wurms werden z. B. aus Kalium-Aluminium-Silikaten die Kalium- und Magnesium-Ionen lösbarer gemacht und freigesetzt.« Und über die Ausscheidungen des Wurms gelangen diese wertvollen Mineralstoffe dann in den Boden.

Mehr Mineralstoffe durch Dreifelderwirtschaft

Damit Regenwürmer diese wichtige Aufgabe in der Landwirtschaft übernehmen können, muss man sie natürlich am Leben lassen und darf ihnen nicht mit der Giftspritze nachstellen - im friedfertigen Landbau im Spessart ist dies selbstverständlich. Überrascht sind wir, als der Bodenkundler ungefragt auch die Vorzüge der Dreifelderwirtschaft referiert: »In der klassischen Dreifelderwirtschaft, bei der das Feld jedes dritte Jahr brach liegen darf, gibt es automatisch mehr Verwitterungsprozesse. Der Boden ist in dem Brachejahr dicht bewachsen und feucht, die Steine saugen besonders viel Wasser auf. Im Winter gefriert das Wasser, die Steine werden auseinandergesprengt. So vergrößert sich die Oberfläche des mineralischen Gesteins und mehr Ionen können gelöst werden« - ein zweiter möglicher Grund für die hohen Mineralstoffwerte der Landwirte im Spessart.

Ein weiterer Experte für Bodenbeschaffenheit und Pflanzenernährung ist Klaus-Wenzel Becker vom Institut für Bodenwissenschaften der Universität Göttingen. Er führt ein drittes Kriterium für einen gesunden Mineralstoffhaushalt ins Feld: »Wichtig ist, möglichst viele Ernterückstände auf dem Feld zu belassen und den Boden nicht zu tief umzupflügen.« Die Rückstände bringen dem Boden wieder Nährstoffe, und mehr verfügbare Mineralien werden für die Pflanze bereitgestellt. Mit einer solchen schonenden Bodenbearbeitung, bei der nicht der gesamte Boden umgepflügt, sondern die Oberfläche des Erdreichs sanft gelockert wird, haben die Landwirte im friedfertigen Landbau über Jahre reichlich gute Erfahrungen gemacht: »Die Kleinstlebewesen im Boden werden weniger gestört, die Regenwürmer, die bei normalem tiefen Pflügen zum Großteil verletzt oder getötet werden, können sich in tiefere Schichten zurückziehen und überleben die maschinelle Bodenlockerung.« - Also wieder der Regenwurm ...!

Regenwürmer - ein Segen für die Pflanze

Einer, der sein halbes Leben dem Studium dieser vielerorts geschmähten Erdbewohner gewidmet hat, ist der Biologe Prof. Otto Graff, mittlerweile im Ruhestand: »Regenwürmer sind friedliche Tiere, sie beißen nicht, sie sorgen sich nicht um morgen - und unser himmlischer Vater ernährt sie doch«, ist seine erste Bemerkung, als wir ihn zu den regen Tierchen befragen. In etlichen Studien hat er herausgefunden: Man kann durch die Tätigkeit der Regenwürmer nicht nur eine höhere Konzentration von gelösten Mineralstoffen im Boden messen, sondern auch nachweisen, dass sich Pflanzen dieses Nährstoffangebot zunutze machen und besser wachsen. Dies zeigte z. B. ein Versuch mit Haferpflanzen: In einem »wurmbehandelten Boden« lag die Erntemenge um 19 % höher als in einem »wurmfreien« Boden.1 Und - Vegetarier aufgemerkt: - In dieser Ernte wurde ein um etwa 70-120 % höherer Protein-, also Eiweißgehalt, gemessen. Die Erklärung ist einfach: Regenwürmer schließen laut Dr. Fleckenstein nicht nur die Mineralstoffe im Boden auf, sie kleiden die Röhren mit einem sehr stickstoff- und proteinhaltigen Schleim aus und ernähren die Pflanze auch auf diese Art. So regelt die Natur - wenn man sie lässt - den Stoffkreislauf perfekt und effektiv, und dies ohne die für das Bodenleben und das Grundwasser verheerende Zufuhr von Kunstdünger oder Gülle.
Dass Regenwürmer die chemische Zusammensetzung des Bodens tatsächlich verändern, bestätigen auch die Schriften von Prof. Corentin Louis Kervran: Im Vergleich zum umgebenden Boden enthalten die Exkremente des Regenwurms fünfmal soviel Stickstoff, zweimal soviel Calcium, zweieinhalbmal soviel Magnesium, siebenmal soviel Phosphor und elfmal soviel Kalium, ist hier zu lesen.2 Er führt diese Anreicherung auf »biologische Transmutation« zurück, also auf eine Neuschaffung dieser Elemente durch lebende Organismen, wie z. B. durch Bakterien oder Regenwürmer.

Ob man nun diese letzte Hypothese der Neuschaffung von Elementen anerkennt oder nicht, die Wissenschaft tritt heute nach und nach den Beweis an, dass eine Landwirtschaft, die aus Achtung vor dem Leben für heutige Verhältnisse ungewöhnliche Wege beschreitet, langfristig Erfolg haben wird.
 

1 Otto Graff: Unsere Regenwürmer, 1984, M & H Scharper [Zurück]
2 C. K. Kervran: Biologische Transmutationen, 1989 [Zurück]

Mehr zum Friedfertigen Landbau: http://www.gabriele-stiftung.de/de/gabriele-stiftung-friedfertiger-landbau.html


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 6/01

 


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