Jägerlatein und die Wirklichkeit

Waidmanns Heil ... und Waidmanns Dank

Auf Rehe und Wildschweine schießt der tapfere Waidmann nicht einfach mit Patronen, sondern mit Geschossen, die sich im Inneren der getroffenen Tiere vergrößern bzw. teilen (Expansionsgeschosse) oder verbiegen (Deformationsgeschosse). Warum?

Damit aus dem getroffenen Tier möglichst viele »Pirschzeichen« herausgeschlagen werden - Blut, Magen- oder Darminhalt, Schnitthaare, Knochensplitter etc. Das soll die Suche nach dem verwundeten, aber noch nicht toten Wild erleichtern. Damit das Wild bei dieser »Nachsuche« nicht immer wieder davonläuft, lässt man es einige Stunden »krank« werden, wie die Jäger sagen. Erst dann stöbert man es auf, um das verendende Tier durch einen Fangschuss endgültig umzubringen. Anstelle dieser Tötungsart gilt auch das Abstechen des Tieres als waidgerecht. Der Großteil des Schalenwildes stirbt auf diese Weise nach stundenlanger Folter. Ist das Tier endlich tot, wird es sofort »aufgebrochen«. Die Gedärme und die anderen Innereien werden aus dem noch warmen Körper herausgerissen. Die Handlungsweise des Jägers unterscheidet sich hierbei kaum von der eines blutgierigen Raubtieres, das wir als »bestialisch« zu bezeichnen pflegen. 
All das gilt als »waidgerecht«. Wenn Sie Ihren nächsten Rehbraten bestellen, können Sie darüber nachdenken, wie lange Ihr Speiseopfer angeschossen und vor Schmerzen fast bewusstlos durch den Wald humpelte, um »Pirschzeichen« von sich zu geben. Das Leid, das das Tier dabei erlebte, führte zu Hormonausschüttungen und steckt immer noch in Ihrem Braten. Sie essen die Qual mit. Wollen Sie das wirklich?

Bei Hasen z. B. sucht der Waidmann sein »Heil« durch eine Ladung Schrotkugeln, die den Opfern nicht nur die Haut, sondern das darunter liegende Nervensystem durchsiebt. Die Hasen winden sich vor Schmerzen und schreien häufig wie kleine Kinder. Dann nähert sich der stolze Waidmann und schlägt das winselnde Tier tot - mit einem Prügel, einem Messerknauf oder dem Schaft seines Gewehrs. Das sind keineswegs unzulässige Exzesse, sondern so wird es in Lehrbüchern für Jäger empfohlen. Waidmannsheil! Und als Waidmannsdank können Sie dann Ihren Hasenbraten genießen. Hie und da beißen Sie dabei noch auf eine Schrotkugel. Vielleicht denken Sie beim nächsten Mal daran, wie Sie sich fühlen würden, wenn man Ihnen achtzig solcher Kugeln unter die Haut jagen und Sie anschließend mit einem Gewehrkolben erschlagen würde. Vielleicht stellen Sie sich auch kurz den Hasen vor, wie er mit großen Augen und aufgestellten Löffeln durch die Wiese hoppelte, als ihn die tödliche Salve traf, damit er von Ihnen verspeist werden kann. Sollten Sie auf diese Mahlzeit in Zukunft nicht doch lieber verzichten?! (Matthias Holzbauer)

Link: www.abschaffung-der-jagd.de


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 7/01



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