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Friedensreich
aktuell
Quecke, Kamille,
Distel -
die Soforthilfe der Natur
Unkraut ist das Kraut, das man nicht haben will. Das Kraut, das stört, das man entfernt, raushackt oder dem man mit Herbiziden den Garaus macht. Für Landwirte allerdings, die um die tieferen Zusammenhänge von Wachstum und Gedeihen wissen und die in ihre Arbeit die Achtung vor allen Lebensformen einbeziehen, gibt es kein »Un-«: »Wir haben die Kulturpflanze, also das Getreide oder Gemüse, und die Beikräuter, wie zum Beispiel Quecken, Disteln, Kamille und so weiter«, erklärt einer der Landwirte, die im friedfertigen Anbau seit Jahren ohne Herbizide und Pestizide, ohne chemischen Dünger und ohne Mist und Gülle den Boden bearbeiten. »Beikräuter sind Zeigerpflanzen«, erfahren wir. Sie zeigen an, was dem Boden fehlt und sind wie eine Art Hilfstrupp sofort zur Stelle, wenn’s brennt: Disteln zum Beispiel, die ja in der konventionellen Landwirtschaft als »Staatsfeind Nr. 1« gelten, kommen zuhauf, wenn auf die tiefen Schichten des Bodens ein hoher Druck ausgeübt wurde, wenn der Boden also tief durchfeuchtet war und man dann mit schweren Maschinen übers Feld gefahren ist. »Disteln sind Tiefwurzler«, erklärt der Landwirt, »und sie haben Power. In tiefen Schichten, etwa zwei Meter unter der Oberfläche, sprengen die Wurzeln den zusammengequetschten Boden wieder auf und lockern die Verdichtungen. Ist der Boden wieder o.k., gehen auch die Disteln wieder zurück«, so die Erfahrung der Landwirte im friedfertigen Landbau. Und die anderen Kräuter? »Auch die Kamille ist so ein Lockermacher. Sie kommt, wenn die oberste Erdschicht verdichtet
ist.« Und für die Mittelschicht ist dann die Quecke zuständig - perfekte Arbeitsteilung.
Aber auch die anderen Beikräuter stehen nicht zufällig auf dem Acker. Wo sich die natürlichen Kreisläufe im Boden über Jahre wieder aufbauen konnten und nicht durch chemischen Dünger, Spritzmittel oder Mist und Gülle beeinträchtigt werden, dienen die Beikräuter der Kulturpflanze. Sie spenden zum Beispiel Schatten und halten den Boden feucht. »Diese ganz tiefen Risse, die man auf konventionellen Feldern in Trockenperioden sieht, findet man bei uns nicht«, erklärt der Landwirt. Auch lösen die einzelnen Beikräuter ganz unterschiedliche Nährstoffe aus den jeweiligen Schichten des Bodens und setzen sie für die Kulturpflanze frei. Und: »Dank der Beikräuter halten sich auf unseren Feldern auch viele Insekten auf«. Jede Pflanzen bietet Lebensraum für bestimmte Insekten. Auf der Kornblume zum Beispiel können 130 verschiedene Insekten Heimat finden, und Insekten gehören zum Gleichgewicht der Natur dazu: »Ein Feld, das ist ein großes Zusammenspiel der Elemente, der Pflanzen, Kräuter und Tiere. Die genauen Abläufe können wir oftmals nur erahnen, und je mehr man über das Bodenleben erfährt, desto größer wird die Achtung vor diesem Geschehen und auch die Erkenntnis, dass der Mensch eigentlich kaum etwas davon versteht.«
Was die Landwirte auf jeden Fall verstanden haben: dass der konventionelle
Landbau auf einem falschen Prinzip aufgebaut ist, nämlich auf dem Prinzip, man
müsse die Pflanzen künstlich von außen ernähren. Im konventionellen Landbau ist
der Boden nur dazu da, dass sich die Pflanze darin festhält. Man versucht, durch
mehr und mehr Dünger aus dem Feld herauszupressen, was geht - und erntet
entsprechend »künstlich aufgeblasene« Pflanzen. Im friedfertigen Landbau ist ein
guter, ausgewogener Boden das wichtigste. Dem Boden zu dienen, das Bodenleben zu
fördern ist das oberste Prinzip. Und so bringt ein gesunder Boden auch gesunde
Früchte, die vielleicht nicht so groß und nicht so zahlreich sind, aber dafür
die Qualität, die Gesundheit und den Geschmack einer intakten Natur in sich
tragen. (Silke Dziallas)
Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 7/01
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