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Friedensreich
aktuell
Was brauchen die Tiere im
Winter?
Wenn es im Winter sehr kalt ist, drehen viele Menschen die Heizungen höher oder ziehen sich wärmer an. Die Tiere können das nicht. Wenn wir in den Wohlstandsländern Hunger haben, essen wir. Die Tiere im Winter finden jedoch keine Nahrung und auch kein Wasser zum Trinken mehr, wenn alles zugeschneit und zugefroren ist.
Aus diesem Grund sind »Revierinhaber« in manchen deutschen Bundesländern per Gesetz dazu verpflichtet, in solchen »Notzeiten« das Wild zu »hegen«, das heißt zu füttern. Einer von ihnen ist Reinhard, der sich bei der Fütterung der Rehe danach richtet, was und wie viel von den Tieren angenommen wird. Dass Rehe mancherorts zum Verdruss von Waldbesitzern junge Bäume »verbeißen«, erklärt Reinhard mit fehlenden Alternativen: »Rehe sind Feinschmecker und lieben vor allem Frisches. Durch die industrialisierte Landwirtschaft wurden diese Nahrungsquellen jedoch vergiftet oder teilweise ausgerottet.«
Vom »Verbiss« waren auch von ihm betreute Obstbäume betroffen, die von Hasen angeknabbert wurden – für Reinhard ein Zeichen für die großen Not der Tiere. Doch es gab eine gute Lösung für beide Seiten: Nachdem er den Obstbaumschnitt nicht mehr fortschaffte, sondern einfach neben den Bäumen liegen ließ, blieben die Bäume heil. Die Hasen waren offenbar mit dem Schnitt vollauf zufrieden.
Leider sind Menschen vielfach nicht bereit, mit den Tieren (und mit anderen Menschen) zu teilen und sie machen es ihnen immer schwerer zu überleben. Oft wird der Tod von Tieren gezielt mit einkalkuliert. Denn ein erfrorenes Tier verursacht keine »Schäden« mehr in der Land- und Forstwirtschaft und muss nicht mehr extra gejagt und erschossen werden. Der mit Abstand schlimmste »Schädling« ist jedoch der Mensch selbst. Er hat das ökologische Gleichgewicht in der Natur teilweise so massiv zerstört, dass die Tiere ihr Immunsystem nicht mehr ausreichend aufbauen können. So fehlen ihnen z. B. Mineralstoffe, die sie gerade im Winter dringend bräuchten, um sich vor der Kälte zu schützen. Umso dankbarer sind sie, wenn man an sie denkt.
»Die Rehe sind scheu«, erklärt Reinhard. »Sie misstrauen den Menschen.« Doch aus einiger Entfernung beobachten sie genau, was der Mensch tut. So z. B., wenn er wieder hinausfährt, um die Futterstellen aufzufüllen. Er fährt übrigens immer mit demselben Auto und hat dieselbe Kleidung an, damit die Tiere ihn allmählich kennen lernen und die Erfahrung machen können, dass er es gut mit ihnen meint. Als er einmal nahe an einigen Rehen vorbeifuhr ohne anzuhalten, sind sie gar nicht geflohen.
Warum ihm das Wohl der Tiere so wichtig ist? Reinhard geht von den Menschen aus: »Was sind unsere Bedürfnisse? Wenn wir z. B. eine Woche nichts zu essen oder zu trinken bekommen, ging`s uns auch nicht so gut. Ähnlich ist es bei den Tieren.«
Wie viel Durst Tiere auch im Winter haben, beobachtet Reinhard daran, dass sie sich oft mangels Alternativen um eine Pfütze oder um eine Schale mit Wasser tummeln.
Dass jeder Mensch Tieren im Winter helfen kann, erleben viele beim Füttern von Vögeln. Man gibt den Tieren etwas Nahrung und bei Frost frisches Wasser und man bekommt auch unmittelbar etwas zurück. Das Beobachten dieser liebenswerten Geschöpfe erfreut nämlich den Menschen und lässt ihn ein wenig ahnen von der Einheit allen Lebens - wenn er möchte.
Link:
http://www.gabriele-stiftung.de
Journal
Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 2/02 |