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Bienen in Gefahr, doch: Ohne sie kein Überleben
Flugkünstler sichern Sie sind die exaktesten Baumeister der Welt, sie navigieren nach einer inneren Landkarte, führen detaillierte Sonnenstandsberechnungen durch, unterscheiden Hunderte von Düften und leisten Großartiges für unseren Planeten: »Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben«. Dieses Zitat über ein Insekt, das wir oft schlicht nur als Honiglieferant betrachten, wird Albert Einstein zugeschrieben. Die Aufgabe der Bienen auf unserem Planeten ist aber keineswegs, für höher entwickelte Säugetiere Naschereien zu produzieren, sondern sie übernehmen die Bestäubung von Abermillionen von Blüten - an Obstbäumen, in Gemüsegärten, auf Wiesen, Feldern und in Wäldern. »Ohne Bienen keine Bestäubung, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen«, lautet ganz schlicht die Einsteinsche Bienenformel. Die Gefahr ist real. Denn derzeit beobachtet man ein Bienensterben.
Sechs Berufe in 30 Tagen Um diese Aufgabe, die den Fortbestand allen Lebens sichert, zuverlässig durchführen zu können, haben sich die Bienen so perfekt und harmonisch organisiert, wie man es unter Menschen noch nirgends vorgefunden hat: »Das Faszinierende an den Bienen ist ihr Wesen selbst«, erklärt der langjährige Imker Hermann Glas. »Faszinierend deshalb, weil alles 100%ig funktioniert. Die Biene kommt auf die Welt und sie weiß vom ersten Tag an, was zu tun ist. Die Aufgabe ist in ihr drin.« Dabei geht es längst nicht nur um das Bestäuben von Blüten - im Laufe Ihres kurzen Lebens (30 bis 70 Tage) führt die Biene sechs verschiedene Berufe aus: Nach dem Schlüpfen reinigt sie während ihrer ersten vier Lebenstage als Putzbiene die Wabenzellen und den Stock, denn in ungeputzte Waben legt die Königin keine neuen Eier. Vom 5. bis 11. Tag ist sie Amme und füttert die Larven. Danach ist sie 3 Tage lang als Lagerarbeiterin tätig: Sie verstaut den Nektar in den Zellen und belüftet den Bienenstock, indem sie ganz schnell mit ihren Flügeln schlägt. Am 14. Lebenstag schließlich wird sie zur Baubiene und konstruiert Wabenzellen - sechseckig, eine wie die andere. Am 18. Tag wechselt die Biene zu den Wehrbienen und hält am Eingang zum Stock Eindringlinge wie Wespen, Hornissen und Schmetterlinge fern. Dann erst, an ihrem 22. Lebenstag wird die Biene zur Sammlerin. Sie fliegt von Blüte zu Blüte, um Nektar, Pollen und Propolis (eine Art Baumharz) zu ernten, Nahrung für den Bienenstock. »Bienen sind hochintelligente Wesen. Diese Findigkeit, diese Ordnung - so etwas bekommen wir Menschen nicht zustande«, schwärmt der Imker Hermann Glas, der an die 40 Völker betreut. Für ihn sind Bienen keine Einzelwesen, sondern eine Einheit: »Ein Bienenvolk ist wie ein Wesen, es hat so etwas wie eine Kollektivseele.« So sprechen auch ganz alte Imker niemals von »den Bienen«, sondern immer von »dem Bien«. Und der ist dreigeschlechtlich: Da gibt es die Königin, die sich mit dem wertvollen Gelee Royale füttern lässt und während ihres 3-4 jährigen Lebens als Eierlegerin an die zwei Millionen Eier in die Wabenzellen legt - um die Sonnenwende bis zu 2.000 Eier täglich; es gibt die weiblichen Arbeitsbienen, die den Stock bauen, ihn in Ordnung halten, Nektar sammeln und die Larven füttern, und die männlichen Drohnen, von denen es im Bienenstock nur einige Hundert gibt. Die Drohnen spielen im Bienenvolk eher die tragische Rolle. Etwas plumper und haariger als die Arbeitsbienen werden sie im Stock nur als mögliche Befruchter der Königin geduldet. Sie können sich nicht allein ernähren und werden von den Arbeitsbienen versorgt. Auch zur Verteidigung können sie nicht beitragen - ihnen fehlt der Stechapparat. Ihre Aufgabe ist schlicht, im Frühjahr/Sommer zum Hochzeitsflug anzutreten und die Königin zu besamen - was nur wenigen gelingt und den sofortigen Tod nach sich zieht. Ob die Biene als Drohne, Arbeiterin oder Königin ihr Dasein verbringt, entscheidet nicht etwa die genetische Bestimmung, sondern schlicht die Behandlung des Eies: Für die Königinnenlarven etwa werden speziell geformte, größere »Königinnenwiegen« gebaut. Die Larven werden mit einem besonderen Saft, dem Gelee Royale, gefüttert, den die Jungbienen in ihren Drüsen produzieren. Die Larven von zukünftigen Arbeitsbienen hingegen erhalten ab dem 6.-7. Tag eine Mischung aus Pollen, Honig und Wasser als Nahrung. Die Drohnen wiederum erhalten dasselbe Futter, nur stammen sie aus unbefruchteten Eiern. Und wer nun regelt die Aufteilung in Königin, Arbeitsbiene und Drohne? Wohl wiederum »der Bien«, die Seele des Bienenvolkes. Diese registriert auch, wenn das Volk zu groß wird. Dann wird die Königin auf Diät gesetzt, so dass sie weniger Eier legt, schlanker wird und somit flugfähig. Nun teilt sich das Volk, es »schwärmt«: Die alte Königin verlässt mit einem Teil ihres Hofstaates den Bienenstock und sucht sich eine neue Bleibe. Für königlichen Nachwuchs ist längst gesorgt - eine junge Königin wurde in einer neuen Königinnenwiege herangezogen. Die übernimmt nach ihrem Hochzeitsflug fortan das Eierlegen und sorgt durch ihren Duftstoff für Harmonie im Stock. Neuronen und das Bewusstsein der Bienen Ist es bloßer Instinkt, der das Leben im Bien steuert? Haben Bienen ein Bewusstsein? Denken sie? Diesen Fragen widmen sich derzeit Forscher aller Nationen. Der Biologe James L. Gould von der Princeton-Universität stieß bei seinen Studien auf einen Fall, mit dem niemand, nicht einmal er selbst, gerechnet hatte: Gould richtete für seine Bienen eine mobile Futterstation ein und versetzte sie jeden Tag um das gleiche Stück. Wie zu erwarten, spürten die Sammlerinnen
jedes Mal den neuen Standort auf. Aber was dann geschah, ging über alles hinaus, was man
Sinnvollerweise erwarten durfte: Nach ein paar Tagen »wussten« die Bienen, wo die Futterstation heute stehen würde, und drehten dort bereits ungeduldig ihre Runden, als Gould mit dem Futter eintraf. Hatten die Bienen das Prinzip seines Versuchs durchschaut? Eine vernünftige Erklärung konnte Gould dafür nicht finden. Der Überlebenskampf der Bienen Wie auch immer man zu dieser Frage stehen mag, ob man Bienen Instinkt, Bewusstsein oder eine Gemeinschaftsseele zuerkennt: Wer in die Abläufe und Gesetze eines Bienenvolks eintaucht, ist fasziniert, empfindet Achtung, empfindet Ehrfurcht vor diesen Wesen, von denen im Grunde unser Überleben abhängt. Umso unverständlicher ist, wie wenig für Ihren Erhalt und Ihren Schutz getan wird. Egoistisch wie sonst auch hat der Mensch die Biene zum Honigproduzenten degradiert - nicht ohne Folgen: Der Zuchtehrgeiz der Imker schafft Monsterkreuzungen, die man nur schwer in den Griff bekommt, wie das Beispiel der »Killerbienen« in Brasilien gelehrt hat. Ehrgeizige Züchter hatten 1956 eine neue Bienenrasse mit besonders hoher Ertragsrate geschaffen. Der Nebeneffekt: Sie entwickelte gleichzeitig aggressives Verhalten. 600 Menschen starben an den Folgen eines Killerbienen-Überfalls. Literatur:
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