Warum heilen Pflanzen?

Brennnessel, Baldrian, Pfefferminze - Heilkräuter genießen das Vertrauen der Bevölkerung wie kaum ein Fabrikat aus der pharmazeutischen Versuchsküche. Seit jeher nutzen Heilkundige aller Völker die Heilkraft von Pflanzen, Blüten und Wurzeln - doch woher hat das Pflanzenreich diese Kräfte und mixt die Arznei?

Salbei gegen Husten, Ringelblume bei Entzündungen und Baldrian zum Einschlafen. »Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen«, sagt der Volksmund und übertreibt damit nicht. Rund 12.000 Heilpflanzen sind weltweit bekannt, und die Kräuter aus dem Garten der Natur genießen das Vertrauen der Bevölkerung wie kaum ein Fabrikat aus dem Hause Pharma. Zwar versuchen die Krankenkassen, die Naturheilmedizin mehr und mehr einzuschränken - vor allem in den letzten zwei Jahren wurde einer Unmenge pflanzlicher Präparate die Zulassung entzogen bzw. sie wurden erst gar nicht zugelassen - doch das Vertrauen bleibt ungebrochen: Laut einer Umfrage ziehen zwei Drittel der Deutschen natürliche Heilmittel den synthetischen vor. Sich bei Magendrücken einen Kamillen- oder Fencheltee zu kochen ist für viele Menschen die natürlichste Sache der Welt - doch hat es der geplagte Kranke genau genommen nicht mit einem Wunder zu tun? Die Natur scheint auf den Menschen mit seinen verschiedensten Unpässlichkeiten und Krankheiten optimal vorbereitet zu sein. Wiesen und Wälder sind voll von Blättern, Blüten, Wurzeln, die Linderung und Heilung bewirken können. Was hat es mit dieser erdballumfassenden Arzneimittelfabrik auf sich? Warum eigentlich haben Pflanzen die Fähigkeit zu heilen?
Die Naturwissenschaft hat dafür eine simple Erklärung parat: Es seien eben die pharmakologisch definierten Arzneistoffe in den Pflanzen, die Beschwerden lindern, wie etwa die Hypericine im Johanniskraut oder die Valepotriate im Baldrian. Die pharmazeutische Chemie spricht von der Pflanze als »verunreinigte Chemikalie« und sieht es als die Aufgabe der Pharmaindustrie, die »Verunreinigung«, also alles, was die Pflanze sonst noch ausmacht, zu entsorgen und den einzelnen Wirkstoff zu gewinnen. Nur leider geht die Rechnung »Pflanze minus Verunreinigung gleich Arznei« nicht ganz auf: Man versuchte beispielsweise, aus Pflanzen einzelne Chemikalien herauszulösen und sie im Labor neu zusammenzubauen. Doch auch wenn die chemischen Formeln völlig identisch waren: Ein einziges Molekül, das spiegelbildlich zum Pflanzenoriginal angeordnet war, reichte aus, um den Stoff völlig wirkungslos oder sogar giftig zu machen. Eine rechte Pleite erlitt die Pharmaindustrie auch, als sie die beruhigende Wirkung des Johanniskrauts zu Geld machen wollte: Man isolierte den darin enthaltenen Wirkstoff Hypericin und versuchte damit dieselbe Wirkung zu erzielen - doch kamen die Ergebnisse an die heilsame Wirkung eines schlichten Extraktes aus getrockneten ganzen Johanniskrautblüten bei weitem nicht heran ... Ähnlich verhielt es sich mit Baldrian, aus dem die wirksamen Valepotriate extrahiert wurden. Fest steht: Pflanzen wirken in ihrer Gesamtheit, in ihrer naturgegebenen Komposition. Ätherische Öle beispielsweise bestehen aus ca. 50 - 150 Stoffen und wirken als diese spezielle Gesamtkomposition. Doch warum? 
Ist man der Heilkraft von Pflanzen auf der Spur, kommt man an Paracelsus nicht vorbei. Der Arzt und Philosoph, der Anfang des 16. Jahrhunderts wirkte, wies darauf hin, dass die Pflanzen »durch äußere Zeichen ihre im Schoße der Natur verborgenen Heileigenschaften und Tugenden andeuten«. Aus Form, Farbe, den Bewegungen und weiteren Pflanzeneigenschaften leitete er in seiner »Signaturen-Lehre« die Heilwirkung der Pflanze ab. Frappierende Zusammenhänge sind hier zum Beispiel, dass Pflanzen mit nierenförmigen Blättern in der Regel harntreibend wirken. Oder dass die so genannte Lungenflechte mit ihrer lungenähnlichen Gestalt bei Lungenkrankheiten eingesetzt werden kann. Auch der Standort einer Pflanze kann laut Paracelsus Hinweise geben: »Wo das Übel ist, wächst auch das Heilmittel dagegen«. Zum Beispiel wachsen Pflanzen, die den Körper reinigen und entgiften, wie die Brennnessel, an jenen Stellen, wo wir unsere Abfälle deponieren. »Es ist eine Tugend der Nessel, mit dem Müll in unserem Körper fertig zu werden«, sagt Paracelsus. 

Tiere heilen sich selbst

Doch auch wenn sich mit Paracelsus ein Zusammenhang erkennen lässt, welche Pflanze nun ausgerechnet gegen welche Krankheit wirkt, bleibt die Frage offen, wie diese verblüffende Übereinstimmung zustande kommt und wer in der Apotheke der Natur die Zutaten so genial zusammenmixt.
Eines ist klar: Der Apotheker, der die Natur so reich mit Heilmitteln ausgestattet hat, muss ein Freund der Tiere sein, denn die Tiere wissen offenbar genau - ohne Paracelsus je gelesen zu haben -, mit welcher Pflanze sie ihre Leiden lindern können: Der arktische Zodiakbär beispielsweise zerkaut Blätter der Pflanze Ligusticum, spuckt den Sud in die Pfoten, verreibt ihn in seinem von Parasiten durchsetzten Fell - und wird die Parasiten nach mehrtägiger Prozedur los. Oder: Schimpansen mit Durchfall saugen einige Tage lang das Mark einer bitteren und als giftig bekannten Waldpflanze aus und werden gesund. Andere falten bestimmte Blätter und würgen sie unzerkaut herunter - werden die Blätter wieder ausgeschieden, hängen daran Knötchenwürmer, die dem Tier zu schaffen gemacht hatten. Andere Blätter werden nicht zerkaut oder geschluckt, sondern einfach im Mund herumgerollt - wie Menschen, die ein Medikament lutschen, das über die Mundschleimhaut aufgenommen werden muss. Gibbons wiederum schmieren zerkauten Pflanzenbrei auf ihre Wunden. Hirsche und Bären in Nordamerika reiben ihre Wunden an bestimmten Baumarten, deren Harz eine desinfizierende Wirkung nachgesagt wird. Bisons, Elefanten, Bären essen hin und wieder von einer Baumart, von deren enthaltenem Alkaloid man mittlerweile weiß, dass es gegen Amöben wirksam ist. Der Hornwurm kaut Tabakblätter, wenn eine Infektion sich ankündigt. Und europäische Stare bespicken ihr Nest mit einer erlesenen Kollektion von pharmakologisch aktiven Pflanzen, deren Wirkspektrum sich gegen Bakterien, Insekten und Milben richtet - so haben die Jungvögel eine größere Lebenserwartung. Viele Naturvölker haben von den Tieren gelernt und sich durch Beobachtung ein reiches Wissen über die Heilpflanzen angeeignet. In Tansania erzählt man sich die Geschichte eines Medizinmannes, der ein von Durchfall geplagtes Stachelschwein dabei beobachtet haben soll, wie es die Wurzeln einer giftigen Pflanze ausgegraben und gegessen hat. Der Mann grub einige der Wurzeln aus und verabreichte sie in winzigen Mengen den Dorfbewohnern, die an einer ruhrähnlichen Erkrankung litten. Die Wurzel half und ist im Westen Tansanias bis heute ein bewährtes Medikament. 

Heilung aus der »Apotheke Gottes«

Tiere haben offenbar einen sehr viel unmittelbareren Zugang zu den Heilpflanzen dieser Erde. Doch was hat das mit der eingangs gestellten Frage zu tun, wer oder was den Pflanzen diese Heilkräfte verleiht?
Die großen Kräuterkenner der Vergangenheit - Hildegard von Bingen, Sebastian Kneipp oder Maria Treben - sprachen von den Heilpflanzen als der »Apotheke Gottes«. Auch den Physiker und Mathematiker Albert Einstein haben die Naturgesetze in ihrer genialen Einfachheit zu der Erkenntnis geführt, dass es eine ordnende Kraft hinter allem geben müsse, Gott. Ob man diese Kraft nun »Geist«, die »Schöpferkraft«, »Gott« oder einfach »das Leben in allem Sein« nennt - das Phänomen der heilenden Pflanzen zeigt einmal mehr, dass dieses ordnende Prinzip Pflanzen, Tiere und Menschen verbindet und ihnen so die Fähigkeit verleiht, einander zu helfen und zu dienen. Diese einende Kraft scheint auch keine Geheimnisse zu kennen, sondern offenbart über Farben, Formen und Eigenschaften nicht nur Paracelsus sondern jedem einfühlsamen Beobachter, auf welche Weise die Pflanze helfen kann. Dass allerdings die Tiere dem Menschen in der Pflanzenkunde offenbar weit überlegen sind, zeigt einmal mehr, dass sich der Mensch aus der Einheit der Natur weitgehend ausgeklinkt hat. Ja er ist sogar permanent dabei, diese Einheit zu zerstören: Die Tiere, die dem Menschen auf seinem Lebensweg zur Seite gestellt sind, werden in Versuchsanstalten, Massentierställen und Schlachthöfen Opfer menschlicher Barbarei. Die Regenwälder, in denen unzählige Heilpflanzen beheimatet sind, werden rigoros abgeholzt - Knapp Tausend Quadratkilometer pro Tag! Durch Gifte auf den Äckern, durch schädliche Chemikalien schädigt der Mensch die Böden, die Luft, die Gewässer und auch die Pflanzenwelt. Das geht soweit, dass sie ihre nährenden und heilenden Kräfte zu verlieren drohen bzw. schon eingebüßt hat. Leinsamen beispielsweise ist ein »Cadmium-Sammler« und reichert auf unseren meist sehr belasteten Böden Unmengen an Cadmium an - und wird als Heilpflanze dadurch wertlos. Mittlerweile ist für Leinsamen, der in Apotheken verkauft wird, ein Cadmium-Test Pflicht, um sicher zu gehen, dass die Medizin dem Patienten nicht mehr schadet als nützt...
Wen wundert solches? Der Mensch hat sich in einen Teufelskreis begeben: Durch egoistisches, ausbeuterisches Verhalten begibt er sich aus der Einheit, aus der göttlichen Ordnung und Harmonie. Er quält dabei nicht nur Tiere und Natur, sondern macht auch seinen Artgenossen in der Familie, in der Freizeit oder am Arbeitsplatz das Leben schwer - durch gehässige Gedanken, Worte und Handlungen. Die Disharmonie wirkt mit der Zeit auf seine Organe, und er erkrankt. Statt nun sein Verhalten zu hinterfragen, greift der Mensch nach Medikamenten, z. B. nach Heilpflanzen. Er erwartet, dass diese Lebensform, die in der Einheit mit Gott steht, ihm in seiner Unpässlichkeit oder Krankheit hilft. 
Viele Menschen machen jedoch die Erfahrung, dass Medikamente, auch Naturheilmittel, zwar im Augenblick Linderung bringen oder die Krankheitssymptome beseitigen, doch dass dauerhafte Gesundung eine Gesundung des Denkens erfordert. Wer so lebt, dass er keiner Lebensform - sei es Menschen, Tieren oder Pflanzen - Schaden zufügt, der kann sicher sein, dass die ordnende, die göttliche Kraft, die auch in jedem Menschen ist, ihm hilft, gesund zu bleiben oder zu werden. Bei diesem Gesundungsprozess, der mit einer Veränderung des Verhaltens einhergeht, sind dann die vielen Heilpflanzen aus der Apotheke Gottes gerne behilflich.
Warum also heilen Pflanzen? Weil sie sich in der Einheit Gottes befinden, im Prinzip des gegenseitigen Helfens und Dienens. Und wie heilen Pflanzen am nachhaltigsten? Indem der Mensch in seinen Gedanken und seinem Verhalten dieses göttliche Prinzip ebenfalls anstrebt. (S. Dziallas)


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 7/02

 


Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Deutschland
Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210
http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de

Einige aktuelle Themen
:
Im Blickpunkt: Die Main-Post - http://www.das-weisse-pferd.com/2009/mainpost_holtzbrinck_universelles-leben.html

Die Neue Zeit-TV auf Astra Digital - http://www.das-weisse-pferd.com/2009/die_neue_zeit.html
Die Kirche soll sich nicht mehr "christlich" nennen - http://www.christus-oder-kirche.de

Die verschwiegenen Leiden von Organspender und Organempfänger - http://www.theologe.de/theologe17.htm