Friedensreich aktuell

Ernte auch für Tiere
»Wer der Natur gibt, der empfängt auch«

Mit der Gabriele-Stiftung arbeiten auch einige Bauernhöfe zusammen, auf denen nach den Grundsätzen des friedfertigen Landbaus gearbeitet wird. Wie verlief in diesem Jahr die Ernte? Das Friedensreich fragte bei einem der Landwirte, nach:

Das Friedensreich: Wie ist es euch bei der Ernte ergangen, konntet ihr alles gut in die Scheunen bringen?

Landwirt: Wir haben dieses Jahr frühzeitig mit der Ernte begonnen und bereits Anfang August waren alle unsere Roggen-, Weizen- und Dinkelfelder abgeerntet. Es ist alles sehr zügig verlaufen und es war auch vom Ertrag her eine gute Ernte.

Das Friedensreich: Wir hatten ja einen feuchten Sommer mit zahlreichen Unwettern. Hat das auch euch beeinträchtigt?

Landwirt: Die ausgiebigen Regenfälle haben eine gleichmäßige und rechtzeitige Reifung des Getreides bewirkt. Von größeren Unwettern und Schäden, wie sie im Norden und Süden Deutschlands auftraten, sind wir bewahrt geblieben.

Das Friedensreich: Ein Zufall?

Landwirt: Nun, wir leben in einem Gebiet, das vergleichsweise arm an Niederschlägen ist. Aber auffällig ist es dennoch. Vielleicht hat es zum Teil auch damit zu tun, dass wir bestrebt sind, uns innerlich mit den Elementen zu verbinden und dass wir immer wieder auch dafür beten, es möge das Wetter kommen, das für die Pflanzen und für die gesamte Natur das beste ist. Wir sind überzeugt, dass wir da eine ganze Menge Hilfe von »unsichtbarer« Seite bekommen haben, für die wir sehr dankbar sind. Diese Hilfe verpflichtet uns auch, verantwortlich mit dem umzugehen, was wir ernten konnten.

Das Friedensreich: Sind nicht auch die so genannten »Unkräuter« bei Regen besser gewachsen? Als friedfertige Landwirte setzt ihr ja keinerlei Chemie ein ...

Landwirt: Wir sagen »Beikräuter«, denn sie erfüllen durchaus auch ihren Zweck; sie haben in diesem Jahr sehr gut den Boden bedeckt, die Feuchtigkeit im Boden gehalten, haben aber das Getreide nicht überwuchert.

Das Friedensreich: Ihr habt ja die Angewohnheit, einen nicht unerheblichen Teil der Ernte stehen zu lassen, damit auch die Tiere des Waldes und des Feldes etwas zu essen finden. Kann man sich das heutzutage noch leisten? Entsteht da nicht ein zu großer Verlust?

Landwirt: Erstens sehen wir das nicht als Verlust, weil die Tiere genauso ein Recht auf Nahrung und Leben haben wie wir Menschen. Und zweitens waren die Erträge gerade bei Weizen und Dinkel, also bei den Sorten, die wir für die Tiere teilweise stehen lassen, besonders hoch. Es ist offenbar so, dass die Natur selbst für einen gerechten Ausgleich sorgt und demjenigen mehr gibt, der sich um sie kümmert.

Das Friedensreich: Und wie haben die Tiere reagiert?

Landwirt: Hasen und Rehe nehmen solche Streifen rasch an. Es ist ja auch kein Wunder: Wer jemals gesehen hat, wie Hasen am Tag nach der Ernte orientierungslos über ein völlig abgeräumtes Großraum-Feld hoppeln, weil plötzlich kein Getreidefeld mehr da ist, in dem sie etwas zu essen und auch Unterschlupf finden, der kann vielleicht erahnen, was sie dabei empfinden. Deshalb wurden und werden von der Gabriele-Stiftung auch wieder Hecken und Feldgehölze angelegt, wie sie früher in der Landschaft üblich waren.

Das Friedensreich: Und was sind jetzt die nächsten Arbeiten bei euch?

Landwirt: Jetzt wird das Saatgut gereinigt und für die Aussaat vorbereitet, die je nach Wetter bereits Anfang September erfolgen wird. All jene Felder, die - wie alle unsere Felder nach drei Jahren - gerade ihr Brachjahr hatten, werden abgemäht und schonend umgebrochen, damit auch hier die Aussaat erfolgen kann.
(M. Holzbauer)


Siehe auch
: http://www.gabriele-stiftung.de/de/gabriele-stiftung-friedfertiger-landbau.html


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 9/02

 


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