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Lese-Erlebnis: Mit dem 1. Gebot in Afrika Mit Bamba unterwegs Die Zehn Gebote für Kinder heißt der Titel des kleinen Buches in meinen Händen, und ich bin gespannt. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Kinderbuch zu einem bestimmten Thema mich als Erwachsenen mehr interessiert als manches Sachbuch dazu. Außerdem: Was wurde für Erwachsene nicht alles schon zu den Zehn Geboten geschrieben? Zumindest im Westen Deutschlands sind die Zehn Gebote (10 Gebote) ein Thema, das mancher schon mehrmals in seiner Biografie abgehakt hat: in der Schule, im Firm- oder Konfirmandenunterricht oder vielleicht beim Fernseh-Quiz zur Auffrischung der Allgemeinbildung. Was ich dieses Mal in Händen halte, fällt aber aus dem gewohnten Rahmen heraus. Schon der Umschlag ist ungewöhnlich und ansprechend: Zehn dunkelhäutige Jungen, gezeichnet mit ausdrucksstarken Gesichtern und jeder in weißem Gewand, haben sich in einem Halbkreis aufgestellt und laden mich zum Lesen ein. Sofort denke ich an Afrika. Ein Bild von Katastrophenberichten und Bürgerkriegen kommt mir kurz in den Sinn. Dann erinnere ich mich an etwas, das vor einigen Wochen jemand erzählt hat: Als eine durch Prophetenmund gegebene Botschaft Gottes an die Menschen, keine Tiere mehr zu töten und kein Fleisch mehr zu essen (27.2.2001), über zahlreiche Rundfunkstationen in Afrika verbreitet wurde, sollen in einem afrikanischen Land einige Metzger anscheinend ihren Beruf aufgegeben haben und eine neue Existenz als Holzhändler gegründet haben. »Folge Mir nach«, sprach Jesus von Nazareth. Wenn der Bericht so stimmt, hätten die afrikanischen Metzger diesen Aufruf ohne Wenn und Aber beherzigt. Kann man sich ein solches Verhalten nun auch in Europa vorstellen? Und wenn vielleicht nicht gleich, so wenigstens nach einiger Zeit? Wenn z. B. eine innere Unruhe einsetzen würde, in die hinein das Gewissen sprechen könnte? Innere Unruhe und die Stimme der Herzens Innere Unruhe treibt überall Menschen um – in Europa wie in Afrika – und darin liegt eine große Chance für etwas Neues. Und so begegnet mir beim Lesen auch Bamba, der erste der afrikanischen Jungen, zunächst als unruhiger Wanderer: »Bamba hatte noch kein bestimmtes Ziel. Fragte man ihn, was er suchte, so vermochte er es nicht zu sagen. Er ging einmal hier- und einmal dorthin und wusste noch nicht, dass es seine Seele war, die ihn trieb«, heißt es auf den ersten Seiten des Buches. Es stellte sich als ein Glück für Bamba heraus, dass er seine innere Unruhe nicht mit Zerstreuung betäubte, sondern dass er nach einiger Zeit der Suche die Nähe Gottes zu ahnen begann. In dem Kinderbuch heißt es dazu: »Bamba blickte sich um. In dieser Morgenstunde berührte ihn die Herrlichkeit Gottes. Er schaute sie in allem, was ihn umgab, und Lobpreis drang aus ihm hervor. Diesem großen, mächtigen Geist, der das Leben, die Herrlichkeit in allem ist, wollte er näher kommen. Doch wie konnte das geschehen? Tief in Bambas Herzen weitete sich mehr und mehr die große Liebe zu Gott. Er ließ die Ströme des Herzens in seine Empfindungs- und Gemütswelt strömen. Er fühlte nun ganz deutlich, dass es gar nicht möglich sein würde, allein zu Gott zu kommen. Er wusste plötzlich – und dieses Wissen war für ihn Wahrheit: Zu Gott zu finden heißt, über seinen Nächsten Gott finden. Er wusste: Alle Menschen sind Kinder Gottes, und Er ist ihr ewiger Vater. Bamba erhob sich und setzte langsam seinen Weg fort. Er lernte sehr rasch, auf die Stimme seines Herzens zu achten und auf sie allein zu hören.« »Bamba hat mich angesteckt« So ist es, denke ich mir als Leser, und ich nehme die Worte freudig in mich auf. Der Gottsucher Bamba hat mich bereits angesteckt. Er war allein und musste wohl anfangs allein sein, doch er war dabei nicht einsam, denn er »lebte in Frieden und in Freundschaft mit den Tieren, mit den Blumen, den Steinen, mit dem Wasser, der Erde, der Sonne, dem Mond und den Sternen«. Und sein Weg würde ihn auch wieder zu den Menschen führen. Er träumte von einer Reise durch Afrika, auf der er weitere Jungen treffen würde, die ähnlich denken und fühlen wie er. »Seine Traumbilder zeigten ihm auch, dass sie eine Gemeinsamkeit hatten, eine gemeinsame Aufgabe, die sie hieß, durch die Welt zu ziehen, um jenen Menschen zu begegnen, die in ihrem Inneren ebenfalls auf der Suche nach Gott, dem ewigen Leben, waren und bereit waren, ein Leben nach Seinen Geboten zu beginnen.« Ein Junge – ein Gebot Nun ist mir klar, was mich auf den folgenden Seiten erwarten
würde. Jeder Junge steht für eines der Zehn Gebote und hat die Aufgabe, durch
sein Vorbild das Gebot unter die Menschen zu bringen. Was wird die Jungen dabei
erwarten, und wie
werden sie dies schaffen? So habe ich mich den Zehn Geboten noch nicht
genähert. Bambas Auftrag war, wie jetzt leicht zu erraten ist, das Lehren des
ersten Gebotes, und das afrikanische Kind bringt das Gebot auf den Punkt, wenn
es sagt: »Entweder man dient dem wahren Gott, oder man dient seinem Götzen.«
Klar, dass man dazu seinen »Götzen« kennen muss, kommt mir in den Sinn. Doch es
wäre etwas verdrießlich, die denkbaren Ersatz-Götter nun nach
europäisch-abendländischer Manier möglichst vollzählig aufzuzählen und nach
kirchlicher Unsitte vielleicht auch noch in einem »Beichtspiegel« abzufragen.
Bamba tat es glücklicherweise nicht. Er hatte schnell gelernt, was das
Wesentliche bei diesem Gebot ist. Entweder mit der Haltung zu leben: »Für mich!
Für mich! Für mich!« und »Ich, ich, ich, nur ich. Wie es dem Mitmenschen dabei
ergeht, ist einerlei«. Oder die Liebe zu erlernen, die aus einem vollen Herzen
geben kann.
Literatur:
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