Ist Gott erfahrbar?Der Fisch fragt
nicht,
wo das Wasser ist
Gottesbeweise sind nicht mehr als Wahrscheinlichkeiten. Wie verhält es
sich aber mit einer Gotteserfahrung? "Das ist doch etwas ganz
Seltenes, was nur einer unter zehntausend erfährt."

"Ihr lebt im Wasser, aber
ihr wisst es nicht."
Diese Auffassung vertrat kürzlich ein Teilnehmer in einer Gesprächsrunde. So wie er
denken viele: Gott, wenn es Ihn denn gibt, ist fern von uns, irgendwo hinter den Wolken.
Doch welche Rolle spielt Er dann in meinem täglichen Leben? Wo ist Er, wenn ich Ihn
brauche?
Das Bild mit den Wolken ist gar nicht so verkehrt - es kann
uns auf eine richtige Spur bringen. Keiner käme doch bei dichter Bewölkung auf die Idee,
zu sagen: "Die Sonne ist weg! Wo ist sie bloß? Ich kann sie nicht erfahren!"
Auch wenn die Wolken noch so dicht sind - es dringt dennoch
Licht hindurch. So versorgt uns Gott mit Seiner Leben spendenden Kraft - auch dann, wenn
wir Ihn (noch) nicht unmittelbar erfahren. Er hat uns den Planeten Erde gegeben und
erhält das Leben auf ihm, soweit wir Menschen es nicht mutwillig zerstören.
Ab und zu dringt ein Sonnenstrahl durch die Wolken - ein
Erlebnis in der Natur oder eine Begegnung mit einem Menschen, die uns innerlich anrührt.
Wir spüren dann plötzlich, dass das Leben doch einen Sinn hat, dass wir nicht alleine
sind, dass uns geholfen wird. Doch ist das schon alles?
Bleiben wir in diesem Bild. Woraus bestehen denn die
"Wolken", die uns den Blick auf die Sonne, auf Gott, verstellen? Es sind die
Umwölkungen unserer Ichbezogenheit, unserer Gleichgültigkeit oder Feindschaft, die wir
selbst vor unserem Inneren aufgetürmt haben. Wie bekommen wir sie da wieder weg? Dazu ist
Wind nötig, innere Bewegung: Die Sehnsucht nach der Sonne drängt uns dazu, uns zu
ändern, mit unserem Bruder, unserer Schwester, Frieden zu schließen.

Nach innen finden heißt: nicht nur nach außen
fühlen
Dadurch löst sich Wolke um Wolke auf - die Sonnenstrahlen
werden häufiger. Wer jetzt allerdings ungeduldig auf den vollen Sonnenschein wartet, der
nimmt vielleicht die feinen Strahlen nicht wahr, die ihn ermutigen wollen. Es kann eine
feine Regung sein, wenn wir unseren Nächsten um Verzeihung gebeten haben, oder wenn wir
erspürt haben, was wir für ihn tun können. Es ist eine Antwort von innen - kein lautes
Auf-die-Schulter-Klopfen, mit dem wir uns eventuell über den anderen stellen würden;
mehr eine sacht strömende Dankbarkeit, eine Erleichterung.
Kann man das denn schon eine "Gotteserfahrung"
nennen? Ja. Durch die Wachsamkeit im Tag, durch die Bereinigung unserer Fehler werden wir
sicherer und ruhiger. Wir denken öfter am Tag daran, Gott um Hilfe zu bitten oder uns an
Christus zu wenden. Wir bitten Ihn morgens um eine Lösung für ein Problem, z. B. einen
schwierigen Brief, der zu schreiben ist. Am Nachmittag sagt jemand etwas zu uns - und wir
merken: Darin ist ein Hinweis für mich. Ich bedanke mich bei Christus. Auch wieder eine
Gotteserfahrung.
Jeder Tag ist reich
Bewusst leben heißt nicht, großartige Erfahrungen zu
machen. Es heißt, den strömenden Geist in uns, das innere Licht, immer öfter anzurufen.
Jeder Tag besteht aus Tausenden von Situationen. Er kann reich sein an Erfahrungen mit
unserer Ichbezogenheit - aber auch reich an Gotteserfahrung. Es hängt von uns ab, wie wir
den Tag nützen.
In der Botschaft aus dem All Das ist Mein
Wort (siehe www.das-wort.com) wird der
Mensch, der nach Gott fragt, mit einem Fisch verglichen, der nach dem Wasser sucht. Sind wir nicht oft wie der Fisch der das Wasser sucht? Wir fühlen
uns einsam, obwohl uns Gott ganz nahe ist - z. B. in Gestalt unserer Nächsten. Lassen wir
den Wassertropfen neben uns, unseren Nächsten, links liegen, dann fühlen wir uns auch
von Gott entfernt.
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