Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/97

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Ist Gott erfahrbar?

Der Fisch fragt nicht,
 wo das Wasser ist

Gottesbeweise sind nicht mehr als Wahrscheinlichkeiten. Wie verhält es sich aber mit einer Gotteserfahrung? "Das ist doch etwas ganz Seltenes, was nur einer unter zehntausend erfährt."

Fischschwarm

"Ihr lebt im Wasser, aber ihr wisst es nicht."


Diese Auffassung vertrat kürzlich ein Teilnehmer in einer Gesprächsrunde. So wie er denken viele: Gott, wenn es Ihn denn gibt, ist fern von uns, irgendwo hinter den Wolken. Doch welche Rolle spielt Er dann in meinem täglichen Leben? Wo ist Er, wenn ich Ihn brauche?

Das Bild mit den Wolken ist gar nicht so verkehrt - es kann uns auf eine richtige Spur bringen. Keiner käme doch bei dichter Bewölkung auf die Idee, zu sagen: "Die Sonne ist weg! Wo ist sie bloß? Ich kann sie nicht erfahren!"

Auch wenn die Wolken noch so dicht sind - es dringt dennoch Licht hindurch. So versorgt uns Gott mit Seiner Leben spendenden Kraft - auch dann, wenn wir Ihn (noch) nicht unmittelbar erfahren. Er hat uns den Planeten Erde gegeben und erhält das Leben auf ihm, soweit wir Menschen es nicht mutwillig zerstören.

Ab und zu dringt ein Sonnenstrahl durch die Wolken - ein Erlebnis in der Natur oder eine Begegnung mit einem Menschen, die uns innerlich anrührt. Wir spüren dann plötzlich, dass das Leben doch einen Sinn hat, dass wir nicht alleine sind, dass uns geholfen wird. Doch ist das schon alles?

Bleiben wir in diesem Bild. Woraus bestehen denn die "Wolken", die uns den Blick auf die Sonne, auf Gott, verstellen? Es sind die Umwölkungen unserer Ichbezogenheit, unserer Gleichgültigkeit oder Feindschaft, die wir selbst vor unserem Inneren aufgetürmt haben. Wie bekommen wir sie da wieder weg? Dazu ist Wind nötig, innere Bewegung: Die Sehnsucht nach der Sonne drängt uns dazu, uns zu ändern, mit unserem Bruder, unserer Schwester, Frieden zu schließen.

Weinbergschnecke
Nach innen finden heißt: nicht nur nach außen fühlen

Dadurch löst sich Wolke um Wolke auf - die Sonnenstrahlen werden häufiger. Wer jetzt allerdings ungeduldig auf den vollen Sonnenschein wartet, der nimmt vielleicht die feinen Strahlen nicht wahr, die ihn ermutigen wollen. Es kann eine feine Regung sein, wenn wir unseren Nächsten um Verzeihung gebeten haben, oder wenn wir erspürt haben, was wir für ihn tun können. Es ist eine Antwort von innen - kein lautes Auf-die-Schulter-Klopfen, mit dem wir uns eventuell über den anderen stellen würden; mehr eine sacht strömende Dankbarkeit, eine Erleichterung.

Kann man das denn schon eine "Gotteserfahrung" nennen? Ja. Durch die Wachsamkeit im Tag, durch die Bereinigung unserer Fehler werden wir sicherer und ruhiger. Wir denken öfter am Tag daran, Gott um Hilfe zu bitten oder uns an Christus zu wenden. Wir bitten Ihn morgens um eine Lösung für ein Problem, z. B. einen schwierigen Brief, der zu schreiben ist. Am Nachmittag sagt jemand etwas zu uns - und wir merken: Darin ist ein Hinweis für mich. Ich bedanke mich bei Christus. Auch wieder eine Gotteserfahrung.

Jeder Tag ist reich

Bewusst leben heißt nicht, großartige Erfahrungen zu machen. Es heißt, den strömenden Geist in uns, das innere Licht, immer öfter anzurufen. Jeder Tag besteht aus Tausenden von Situationen. Er kann reich sein an Erfahrungen mit unserer Ichbezogenheit - aber auch reich an Gotteserfahrung. Es hängt von uns ab, wie wir den Tag nützen.

In der Botschaft aus dem All Das ist Mein Wort (siehe www.das-wort.com) wird der Mensch, der nach Gott fragt, mit einem Fisch verglichen, der nach dem Wasser sucht. Sind wir nicht oft wie der Fisch der das Wasser sucht? Wir fühlen uns einsam, obwohl uns Gott ganz nahe ist - z. B. in Gestalt unserer Nächsten. Lassen wir den Wassertropfen neben uns, unseren Nächsten, links liegen, dann fühlen wir uns auch von Gott entfernt.

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Oder nehmen wir die Schnecke: Sie kann auch nicht immer nur ihre Fühler nach außen richten. Um sich neu zu orientieren, muss sie die Fühler immer wieder nach innen ziehen, um zu erspüren, was in ihr ist. Genauso sollten wir unser äußeres Leben immer wieder von innen her betrachten und es der Bergpredigt und den Zehn Geboten gegenüberstellen. Dann finden wir allmählich nach innen.

Denn wer Gott und Seine Hilfe in allem sucht, der wird Ihn finden.


 


 


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