Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 12/97

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Religion - ein übersehener Heilfaktor

Welcher Glaube macht gesund?

Der Einfluss von Überzeugungen auf die
seelische und körperliche Gesundheit

Die Wirkung religiöser Überzeugungen auf die seelische und körperliche Gesundheit ist von Medizin und Psychologie lange Zeit vernachlässigt worden. Dass bestimmte Formen kirchlichen Glaubens für neurotische oder gar psychotische Zustandsbilder mitverantwortlich sein können, ist bekannt. Neuere Untersuchungen, meist aus den USA, belegen nun, dass sich Glaube und Spiritualität günstig auf Gesundheit und Heilung auswirken.

Die Ergebnisse dieser Studien besagen in etwa: Wer an einen liebenden Gott oder an eine gute Macht glaubt, bewältigt Konflikte, Krisen und Stress leichter. Er ist weniger anfällig für psychosomatische Krankheiten, entwickelt mehr Vertrauen in den Heilungsprozess und fördert ihn durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Er pflegt einen gesünderen Lebensstil und kann Sterben und Tod besser annehmen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch der amerikanische Arzt Herbert Benson. In 30jähriger ärztlicher Praxis und durch Auswertung einer Vielzahl empirischer Untersuchungen konnte er nachweisen, dass die persönliche religiöse Überzeugung und der Glaube an die Gesundung nachweisbare Effekte haben. In seinem Buch: Heilung durch Glauben - Selbstheilung in der Medizin schreibt er:

"Der Glaube an eine medizinische Heilungsmethode ist der beste Garant für den therapeutischen Erfolg, aber der Glaube an eine unbesiegbare und allwissende Macht trägt eine noch größere Heilkraft in sich."

Auch der Psychologie-Professor Kenneth Pargament ging der Frage nach, welche Auswirkung religiöser Glaube auf die Gesundheit habe. Er untersuchte eine große Zahl religiöser Menschen und kam zu dem Schluss, dass es vom Typus der Religion abhängt, ob der Glaube sich positiv oder eher negativ auf die Gesundheit auswirkt (Psychologie Heute Nr. 6/97).

Menschen, die Angst haben, von einem strengen Gott bestraft zu werden bis hin zur Verdammung in einer ewigen Hölle, neigen mehr zu seelischen Störungen als Nichtreligiöse. Der Glaube an einen liebenden, gütigen Gott und ein entsprechendes Klima in der Glaubensgemeinschaft wirken sich hingegen auf das seelische und körperliche Wohlbefinden positiv aus.

In seinem Buch Heilung durch Glauben geht Benson vom sog. Placebo-Effekt aus. Unter Placebo (wörtlich "ich werde wohl tun") versteht man in der medizinischen Forschung ein Leerpräparat.

Soll beispielsweise die Wirkung eines Medikaments untersucht werden, so erhält die eine Gruppe von Versuchspersonen das wirkliche Medikament, die andere lediglich ein äußerlich gleich aussehendes. Auf diese Weise will man Erwartungseffekte bei den Versuchspersonen kontrollieren. Was in der Forschung als Störvariable angesehen wird, machte Benson nun zum Forschungsgegenstand: Die Überzeugung, den Glauben, die Heilungserwartung, die der Patient mit der jeweiligen Behandlung verbindet.

Placebo- und Nocebo-Effekt

Ein Beispiel, das Benson gibt: "Eine Studie am Cook County Hospital in Chicago ergab 1975, dass 30 Prozent der Patienten mit Gelenkrheumatismus von Placebos profitierten. Die Linderung ihrer Beschwerden hielt für mindestens drei Monate an. Dieses Ergebnis wurde durch eine 1995 in Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie bestätigt. 40 Prozent der Patienten erlebten einen mindestens fünfzigprozentigen Rückgang der Gelenkschwellungen." Bensons Schluss: "Die Einstellung eines Menschen kann beträchtliche Heilkräfte in ihm mobilisieren."

Ist die Einstellung negativ, sind also Angst und Zweifel wirksam, dann kann es zu einem Nocebo-Effekt (nocebo = ich werde schaden) kommen. Benson nennt als Beispiel den Voodoo-Tod. "Medizinmänner bei den australischen Ureinwohnern sind dafür bekannt, dass sie ‘mit einem Knochen auf jemanden zeigen’ und den Betroffenen damit verwünschen. Durch dieses Ritual gerät das Opfer angeblich in eine derartige geistige Verwirrung, dass Krankheit und Tod die Folge sind." Es sei "eine fatale Macht der Einbildung, die die Betroffenen in Angst und Schrecken versetze."

"Erinnertes Wohlbefinden" und "Entspannungsreaktion"

Überzeugung und Zweifel, Zuversicht und Angst können also unsere Gesundheit beeinflussen. Benson entwickelte eine Methode, um diesen Zusammenhang für die Heilung zu nutzen. Sie besteht aus "erinnertem Wohlbefinden" und der "Entspannungsreaktion". "Erinnertes Wohlbefinden" ist nichts anderes als die Nutzung des Placebo-Effektes.

Der Patient soll sich positive Sätze zusprechen, die aus seiner Kindheit oder aus seinem Leben stammen, z. B.: "Ich schaffe es; ich bin ganz ruhig; ich werde gesund und stark; ich gebe stets mein Bestes; Dein Wille geschehe". Darüber hinaus soll der Patient täglich zweimal eine Entspannungsübung nach eigener Wahl machen, 10 bis 20 Minuten lang. Günstig sei es, die positiven Sätze nach der Aktivierung der Entspannungsreaktion anzuwenden.

Der Glaubensfaktor

Benson berichtet nun, dass 80 % seiner Patienten als Wort oder Satz ein Gebet wählten, z. B. "Der Herr ist mein Hirte" oder "Sei getröstet, meine Seele". 25 % berichteten, dass sie sich bei dieser Übung "spiritueller" fühlten. Benson fand heraus, dass die Entspannungsreaktion und das erinnerte Wohlbefinden am stärksten bei solchen Personen wirkte, die an Gott oder an eine ewige, das Leben transzendierende Kraft glauben.

Personen, die über erhöhte Spiritualität als Folge ihrer Entspannungsübung berichteten, beschrieben zwei Aspekte dieser Erfahrung: zum einen die Anwesenheit einer transzendenten Kraft und zum anderen ein Gefühl der Nähe zu eben dieser Macht. Diejenigen, die diese Anwesenheit spürten, erzielten die größten gesundheitlichen Verbesserungen. Benson vermutet, dass diese Kraft den Selbstheilungskräften zugeschrieben werden kann.

Sein Resümee: Religiosität fördert in der Regel einen gesunden Lebenswandel und geht durchweg mit einer besseren Gesundheit einher.

Benson scheint so begeistert von seiner Idee zu sein, dass er die negativen Folgen einer "autoritären" Religion überhaupt nicht in Betracht zieht. Zwar stellt auch er fest: "Die Geschichte ist mit dem Blut von Religionskriegen getränkt. Gegen alle gesundheitlichen Vorzüge, die wir dem Glauben zuschreiben, könnte man anführen, dass der Glaube an Gott so oft als Rechtfertigung für Barbarei und Völkermord diente." Er zitiert Karen Armstrong, die der Ansicht ist, "dass unsere übermäßige Vermenschlichung Gottes ... dafür verantwortlich" sei.

Das ist richtig: Der "grausame" Gott ist eine Schöpfung des Menschen, der sich einen Gott schuf nach seinem Bilde. Es ist der autoritäre Gott, dem sich der sündige Mensch willkürlich ausgeliefert fühlt. Benson lässt jedoch aufgrund seiner (positiven) Forschungsergebnisse diesen Aspekt beiseite. Begriffe wie "Gottesvergiftung" oder "ekklesiogene Neurose" kommen bei ihm nicht vor. Auch Strafe, Rache, ewige Verdammnis oder Hölle nicht.

"Gehe hin und sündige fortan nicht mehr"

Um die Heilkraft des Glaubens zu belegen, bezieht sich Benson auch auf Jesus von Nazareth. Er zitiert das Wort Jesu an die Frau, die zwölf Jahre unter Blutfluss litt und allein dadurch, dass sie den Saum Seines Mantels berührte, geheilt wurde: "Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin in Frieden." Zu dem Aussätzigen, der geheilt worden war, habe Jesus gesagt: "Steh’ auf und gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen."

Kreuz
Krankheit ist ein seelisch-körperliches Geschehen - und auch Gesundheit hängt mit unserer inneren Einstellung zusammen.

So scheint die Bibel die Position Bensons bezüglich der Heilkraft des Glaubens zu bestätigen. Doch Jesus hat nicht nur auf den Glauben, sondern zugleich auf die Notwendigkeit der Verwirklichung hingewiesen: "Nicht jeder, der zu Mir sagt ‘Herr, Herr’, wird in das Himmelreich eingehen, sondern der, der den Willen Meines Vaters tut" (Mt 7, 21).

Und weiter: "Wer diese Meine Worte hört und sie tut, gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute" (Mt 8, 24). An anderer Stelle wird der Zusammenhang zwischen Krankheit und Sünde deutlich. Nach der Heilung eines Mannes, der schon achtunddreißig Jahre an seiner Krankheit litt, sagte Jesus zu diesem: "Du bist nun gesund geworden - sündige fortan nicht mehr, damit dir nicht etwas Ärgeres widerfahre" (Joh 5, 13).

Nur der aktive Glaube behebt die Ursachen

Nicht nur Benson, sondern auch andere Psychologen kennen offensichtlich den Tatglauben, die Verwirklichung der Glaubensgebote, nicht. Sie wissen nicht, dass nur das Tun, d. h. der aktive Glaube, auf dem Weg über die Bereinigung unserer Fehlhaltungen zu Heilung und Gesundheit führen kann.

So resümiert z. B. H. Ernst in Psychologie Heute: "Die Zwischenbilanz der neueren Forschung über Religiosität und Gesundheit lässt sich so zusammenfassen: Die wohltuende Wirkung beruht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Kombination von sozialer Unterstützung, Lebenssinn, dem Gefühl, mit einer höheren Macht verbunden zu sein und Stress reduzierenden Gebets- und Meditationspraktiken".

Die Bejahung des Positiven in sich selbst, tägliche Entspannungsübungen und Meditation sowie der Glaube an eine höhere Macht sind sicher wichtige Aspekte der Heilung. "Gehe hin und sündige fortan nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfahre" besagt jedoch auch: Es geht nicht nur um das Wieder-Erringen körperlicher Gesundheit.

Denn: Die Krankheit enthält eine Information, wie ich mein Leben ändern sollte, um gesund zu bleiben oder nicht noch kränker zu werden. Für Christen heißt dies, das eigene Leben auf Gott ausrichten und Seine Gebote im Alltag mehr und mehr halten. Denn Heilung und Gesundheit haben mit einer fundamentalen Ordnung im Inneren des Menschen zu tun, die der erringt, der die Zehn Gebote und die Lehren der Bergpredigt erfüllt.

Diese enthält auch das Gebot: Liebe Gott, deinen Herrn, über alles und deinen Nächsten wie dich selbst. Jeder kann sich fragen: Welche Änderung in meinem Leben verlangt dieses Gebot von mir?

 


Autoritäre oder humanistische Religion

In seinem Buch Psychoanalyse und Religion unterscheidet Erich Fromm zwischen autoritärer und humanistischer Religion. Die autoritäre Religion verlangt nach Fromm die Anerkennung einer unsichtbaren höheren Macht, die über das Schicksal des Menschen bestimmt. Sie erhebt Anspruch auf Gehorsam, Verehrung und Anbetung.

In der humanistischen Religion ist Gott das Bild des höheren Selbst im Menschen. Aufgabe und Ziel des Gläubigen ist die Verwirklichung dieses höheren Selbst. Der Sünde wird mit Liebe und Verständnis begegnet statt mit Zorn, Verachtung und Selbsthass. Fromm zählt auch die Mystik dazu. Nicht Furcht und Unterwerfung, sondern Liebe und Bejahung der eigenen Kräfte sind die Grundlage der mystischen Erfahrung. Als Beispiele für humanistische Religionen nennt er Frühbuddhismus, Taoismus, die Lehren Jesajas, Sokrates, Spinozas und Jesus von Nazareth.

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Was sich im Unbewussten eines Menschen abspielt, der von einer autoritären Religion geprägt ist, beschreibt Fromm wie folgt: Gott ist außerhalb des Menschen. Alles Gute und Vollkommene schreibt er Gott zu. "Er projiziert das Beste, was er hat, auf Gott und schwächt sich auf diese Weise selbst. Nunmehr ist alle Liebe, alle Weisheit und alle Gerechtigkeit bei Gott, und der Mensch ist dieser Eigenschaften beraubt, leer und arm." Alle seine Kräfte hat er Gott übertragen.

Sie sind von ihm losgelöst, und in diesem Prozess ist er sich selbst entfremdet. Und nicht nur das: Er ist sogar schlecht, weil er die wertvollen Eigenschaften auf den fernen Gott projiziert hat. "Er wird ein Wesen ohne Glauben an seine Mitmenschen oder an sich selbst, ohne Erfahrung seiner eigenen Liebekraft und seines eigenen Vernunftvermögens." Er fühlt sich sündig.
 

AKTUELLE ÜBERTRAGUNG im Palmensaal der Sophia-Universität, Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld; Donnerstag, den 15. Dezember 2011, 19.30 Uhr - DAS URLICHT FÜR ALLE MENSCHEN - Entwickle die Selbstheilungskräfte in dir; Eintritt frei; Informationstelefon: 09391/504138


 

 



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