Kennen
Sie Ihr Unbewusstes?
Sind wir Herr im eigenen Haus oder werden wir gesteuert?
"Ghostwriter" Unterbewusstsein
Was wir bewusst erleben, ist nur ein Bruchteil
unseres seelischen Lebens. Unser Unterbewusstsein hat eine wesentlich größere
Speicherkapazität als unser Oberbewusstsein. Vor allem aber: Es wirkt auf unser Denken,
Fühlen und Verhalten ein - ohne dass wir es merken. Für den, der sein Leben in die Hand
nehmen will, ist es notwendig, diesen Bereich seiner Seele kennen zu lernen und
aufzuarbeiten. Wie ist das möglich?

Es fällt uns leichter, den Splitter im Auge
unseres Nächsten zu sehen, als den Balken im eigenen - weil der Balken in der Regel im
Unbewussten liegt.
"Nie war eine Gesellschaft so gut informiert über die
Abgründe der menschlichen Existenz wie die unsrige." So der Spiegel in einem
Artikel über die zunehmende Kriminalität, vor allem bei Jugendlichen, mit dem Titel
"Verroht unsere Gesellschaft?" Richtig ist: Über den Hergang der Verbrechen und
über Statistiken kann man täglich in den Zeitungen lesen. Aber über die "Abgründe
der menschlichen Existenz"? Es war Sigmund Freud, von dem sich die Aufgeklärten und
Klugen seiner Zeit beleidigt fühlten, weil er auf die Existenz des
Unbewussten hinwies.
Seine These, dass dieser dunkle Bereich der menschlichen Seele unser Verhalten mehr
steuert als uns bewusst ist, war für viele eine Provokation.
Es war nicht zuletzt der Ausbruch des ersten Weltkrieges,
in dem Kulturnationen wie Deutschland und Frankreich irrational und bestialisch
übereinander herfielen, wodurch er seine These bestätigt sah.
Was ist das
Unterbewusstsein?
Jesus von Nazareth nahm vor 2000 Jahren die
Tiefenpsychologie von heute vorweg. In seinem Gleichnis vom Balken und vom Splitter zeigte
uns der große Menschheitslehrer, dass wir lieber den Fehler im Auge unseres Nächsten
suchen (den Splitter), als den Fehler im eigenen Auge zu erkennen (unseren Balken). Warum?
Weil der Balken in der Regel im Unterbewusstsein liegt. In der geistigen Psychologie, wie
sie der Gottesgeist heute offenbart hat, hat die Lehre vom
Unterbewusstsein eine
Erweiterung und Tiefe erfahren, wie es sie bisher noch nicht gab.
Die Seele des Menschen ist Bewusstsein. Dabei sind drei
Bewusstseinsaspekte zu unterscheiden: Oberbewusstsein, Unterbewusstsein und das göttliche
Bewusstsein, das Geistbewusstsein. Das Oberbewusstsein ist das
Wachbewusstsein. Es
enthält Gedanken, Empfindungen und Gefühle, die uns ohne weiteres zugänglich sind und
über die wir die Kontrolle haben. Das Unterbewusstsein ist ein Speicher, der verschiedene
Inhalte hat: Was wir erlebt, aber nicht verarbeitet haben, ungelöste Konflikte, seelische
Verletzungen, unangenehme Gefühle wie Neid, Hass oder Ärger - aber auch Leidenschaften,
Größenphantasien und massive Wünsche und Erwartungen an den Nächsten, die wir unter
Umständen mit Streit und Kampf durchzusetzen versuchen. Kurz, unsere ganz persönliche
"Büchse der Pandora."
Die Inhalte des Unterbewusstseins sind zwar aus dem
Oberbewusstsein verschwunden. Das Fatale ist jedoch, dass sie dennoch unser Verhalten
beeinflussen. Hat das Unterbewusstsein ein bestimmtes Volumen an negativen Gedanken und
Gefühlen erreicht, dann ist der Speicher voll. Dann wird das
Unterbewusstsein autonom,
d.h. es verselbständigt sich. Es wirkt auf uns ein und steuert uns. Einer Gefahr, die man
kennt, kann man entgegentreten. Aber einer Beeinflussung, die im Untergrund agiert? Das
Verdrängte kehrt also wieder - allerdings getarnt als logische Erklärung oder verkleidet
als "selbstloses" Motiv, das doch nur das Beste will ... Es inspiriert uns aus
dem "Keller", wie ein Ghostwriter.
Wir bearbeitet man sein
Unterbewusstsein?
Wer sich selbst auf die Schliche kommen möchte, der sollte
sich nicht damit begnügen, zu erkennen, was so tagtäglich an Gedanken durch seinen Kopf
zieht. Denn: Gedanken können uns täuschen. Ein Beispiel: Ein Angestellter ist fest davon
überzeugt, dass seine Beziehung zu seinem Chef in Ordnung ist. Am Geburtstag des Chefs
fällt ihm die Aufgabe zu, eine kurze Ansprache zu halten. Er endet seine Rede mit dem
Satz: "Und nun darf ich alle Anwesenden bitten, ihr Glas zu erheben und mit mir auf
das Wohl unseres verehrten Chefs aufzustoßen."
Sigmund Freud, auf den dieses Beispiel zurückgeht, will
mit dem Versprecher auf die Existenz des Unbewussten hinweisen. Denn:
Oberbewusst will der
Redner dem Chef etwas Freundliches sagen. Sein Unterbewusstes spielt ihm jedoch einen
Streich. Es lässt einen Groll gegen den Chef vermuten. Nehmen wir an, der Mann sagt den
verdutzten Gästen: "Das war reiner Zufall." Oder: "Der Kollege Müller hat
gerade so blöd gelacht, das hat mich völlig irritiert und den Versprecher
produziert." Mit solchen und ähnlichen Worten betrügen wir uns selbst. Wir decken
zu, was unserer Fehlleistung oder unserem Fehlverhalten zugrunde liegt.
Nehmen wir an, der Mann, der auf seinen Chef
"aufstoßen" wollte, nimmt die Botschaft seiner Fehlleistung, d. h. seines
Versprechers, an. Er fragt sich: Warum ist mir das passiert? Wie stehe ich wirklich zu
meinem Chef? Worauf bin ich sauer? Wo fühle ich mich durch ihn ungerecht behandelt?
Den Anfang der Aufarbeitung unseres
Unterbewusstseins
machen wir in dem Augenblick, wo wir nicht mehr sagen: "Der andere ist schuld!",
sondern: "Ich bin es selbst! Ich selber bin schuld. Und ich möchte mich selbst und meinen
Anteil an der Situation erkennen!"
Solange wir das Unterbewusstsein nicht anschauen und
aufarbeiten, kommen wir nicht zu unserem göttlichen Bewusstsein, dem
Geistbewusstsein.
Denn das Unterbewusstsein liegt wie ein Filter zwischen dem
Oberbewusstsein und dem
Göttlichen in uns. Wenn aber unser Ego der Filter ist, dann kann im
Oberbewusstsein nur
wieder "Ego" ankommen, weil die Impulse aus dem Inneren entsprechend gefiltert,
d. h. gefärbt ins Oberbewusstsein gelangen.
So ist der Zugang zum Unterbewusstsein die
Selbstbeobachtung. Die wesentliche Frage, gewissermaßen der Schlüssel, ist die Frage
"Warum?": "Was spreche ich, und warum sage ich das?" Das
"Warum" führt uns zu unseren Gefühlen und Empfindungen. Dadurch heben wir
Inhalte des Unbewussten ins Oberbewusstsein und können sie anschauen - auch wenn das
peinlich ist oder wehtut. Dann heißt es, die Wurzel zu suchen: Welche Schwäche, welche
Fehlhaltung liegt meinen Gedanken und Gefühlen zugrunde? Was ich an Negativem erkannt
habe, bereinige ich mit Christus und nehme mir eine positive Gesetzmäßigkeit vor. Diese
sollte ich dann dem Oberbewusstsein mit Nachdruck, Klarheit und Entschiedenheit vorgeben;
denn sonst sagt das Unterbewusstsein womöglich: "Na, red du nur!" Jetzt
sind Konstanz, Stetigkeit und Durchhalten gefragt.
Unterbewusstsein und Gewissen
Wie kann ich nun erkennen, wann das
Unterbewusstsein mich
zu steuern versucht und wann ein Gedankenimpuls mich seelisch weiterbringt? Kommt ein
Gedanke aus der Seele, dann ist er begleitet vom Gewissen. Dahinter steht oft der
Schutzgeist, der uns sagt, dass wir das, was uns heute beschäftigt, heute bereinigen
sollen. Wenn der Gedanke aus dem Unterbewusstsein kommt, dann ist kein schlechtes Gewissen
dabei. Denn dort ist das Dominierende das Ich. Das Unterbewusstsein sagt vielleicht:
"Der andere ist schuld". Wir
müssten hingegen
sagen: "Das gehört bereinigt, das steht heute an". Wer wachsam ist, spürt
sofort: "Halt, hier errege ich mich! Hier ist das Unterbewusste am Werk. So will ich
nicht weiter denken. Das werde ich bereinigen." Das ist nur dann möglich, wenn wir
uns öfter hinterfragen, wenn wir uns selbst nicht jeden Gedanken durchgehen lassen.
"Ich fühle mich
ungerecht behandelt"
Wenn unser Ego sich angegriffen fühlt, dann mischt sich
unser Unterbewusstsein aus den immer wieder gedachten Gedanken und den immer wieder
gleichen Gefühlen ein "Potpourrie" zusammen, das auf die jeweilige Situation
abgestimmt ist.

Du plusterst dich ganz schön auf hier! Da
würde ich langsam mal was dagegen tun!
Ein Beispiel: Ich fühle mich ungerecht behandelt. Mein
Unterbewusstsein sagt: "Das lässt du dir nicht gefallen. Dem sag ich jetzt
ordentlich die Meinung." Und schon kommen Ideen dazu: diese oder jene Ausrede
("So hab ich noch nie gedacht"), den einen oder anderen Vorwurf
("Daran bist doch du schuld"), das Ganze gewürzt mit einer Prise Selbstmitleid
("Immer soll ich der Schuldige sein"). Das Unterbewusstsein schreibt das
Drehbuch für unser Verhalten, vor allem, wenn es um Rechtfertigung oder Verteidigung
gegen Kritik geht. Es setzt aus den vielen Programmen das zusammen, was wir gerade
brauchen. Wir selbst haben die Bestandteile eingegeben. Aus der Mischung dieser Argumente
kommt dann im Oberbewusstsein z. B. heraus: "Der soll mal bei sich nachschauen. Immer
nur spricht er von meinen Fehlern - er soll seine Fehler anschauen und nicht mir Vorwürfe
machen. Ich will den überhaupt nicht mehr sehen." Oder es sagt: "Schau doch den
mal an!" Und im Oberbewusstsein ist Abwertung. Hinter all diesen Manövern ist die
treibende Kraft das Unterbewusstsein.
So sollten wir uns immer die Fragestellen: Was steckt
dahinter? Wir sollten wachsam werden, damit wir allmählich erkennen, was wir eingegeben
haben. Wachsamkeit ist insbesondere geboten bei Aussagen wie: "Du hast mich
beleidigt! Ich fühle mich ungerecht behandelt!"
Der Weise (oder wer ein solcher werden will) sagt jedoch:
"Du hast mich beleidigt, und das war gut; denn ich konnte mich erkennen. Ich habe
mich gefragt: Was hat mich denn so beleidigt? Welche Entsprechung ist getroffen?" Und
das bereinige ich bei mir.
Die "Verrohung unserer Gesellschaft" wird dann
abnehmen, wenn sich der einzelne über die "Abgründe" seiner eigenen Existenz
informiert. Es sind die Inhalte unseres Unterbewussten. Die Aufgabe besteht darin, sie
schrittweise zu erkennen und zu bereinigen - so wie Jesus, der Christus, es uns gelehrt
und vorgelebt hat.
Nur mit Disziplin
"Wer diese Arbeit an sich selbst eine zeitlang
durchhält, der wird merken, dass sich große positive Veränderungen in ihm vollziehen
und das weitere Disziplinieren im Hinterfragen und Sich-Ändern keine Arbeit mehr ist. Es
geht dann wie von selbst, weil dann der Geist Gottes die Herrschaft über das Fleisch, den
Menschen, gewinnt."
(Aus: Der Prophet Nr. 11,
Verlag Das Wort
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html)
Schale und Inhalt
Oberbewusstsein und Unterbewusstsein könnte man mit einer
Nuss vergleichen. Die Schale heißt beispielsweise "Das Verhalten meines Kollegen ist
unmöglich! Das trage ich nicht mit." Machen wir die Nuss auf, dann ist darin ein
Kern, der beispielsweise heißt: "Ich habe etwas gegen den Kollegen, weil der mich
vor allen anderen bloßgestellt hat." Es liegt eine Feindseligkeit gegen meinen
Nächsten zugrunde. Der Inhalt der Nuss gibt uns Auskunft über uns selbst.
Wenn wir jetzt dem anderen Schuld zuweisen - auch wenn er
einen Anteil am Geschehen hat - so kommen wir nicht auf die Inhalte unserer Gedanken, die
der Schlüssel zum Unterbewusstsein sind. Je schneller wir aber unsere Nüsse
"knacken", um so leichter ist es.
Unterbewusstsein und
Körperreaktion
Wir können Aspekte unseres
Unterbewusstsein auch dadurch
erfassen, dass wir auf unsere Körperreaktionen achten: Ein Moment des Zuckens im Körper,
eine kurze Regung des Körpers, wenn wir z. B. die Beine überkreuzen oder die Hände
bewegen. Dabei werden Energien freigesetzt. Denen liegen Gefühle zugrunde. Denn unser
Körper ist ein Gedankenkörper, der nur über Gefühle und Empfindungen wahrnehmen kann.
Die feinen Körperbewegungen zeigen, dass sich Regungen, d. h. Schwingungen aufbauen, die
zu Gedanken werden. Diese feinen Reaktionen, die Gefühlen und Empfindungen entsprechen,
können ein Schlüssel zu unserem Unterbewusstsein sein. Denn: Der Körper wird zum Teil
vom Unterbewusstsein gesteuert, nicht nur vom Oberbewusstsein.
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