Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/97

abstand.gif (36 Byte)

Kennen Sie Ihr Unbewusstes?
Sind wir Herr im eigenen Haus oder werden wir gesteuert?

"Ghostwriter" Unterbewusstsein

Was wir bewusst erleben, ist nur ein Bruchteil unseres seelischen Lebens. Unser Unterbewusstsein hat eine wesentlich größere Speicherkapazität als unser Oberbewusstsein. Vor allem aber: Es wirkt auf unser Denken, Fühlen und Verhalten ein - ohne dass wir es merken. Für den, der sein Leben in die Hand nehmen will, ist es notwendig, diesen Bereich seiner Seele kennen zu lernen und aufzuarbeiten. Wie ist das möglich?

Es fällt uns leichter, den Splitter im Auge unseres Nächsten zu sehen, als den Balken im eigenen - weil der Balken in der Regel im Unbewussten liegt.

"Nie war eine Gesellschaft so gut informiert über die Abgründe der menschlichen Existenz wie die unsrige." So der Spiegel in einem Artikel über die zunehmende Kriminalität, vor allem bei Jugendlichen, mit dem Titel "Verroht unsere Gesellschaft?" Richtig ist: Über den Hergang der Verbrechen und über Statistiken kann man täglich in den Zeitungen lesen. Aber über die "Abgründe der menschlichen Existenz"? Es war Sigmund Freud, von dem sich die Aufgeklärten und Klugen seiner Zeit beleidigt fühlten, weil er auf die Existenz des Unbewussten hinwies. Seine These, dass dieser dunkle Bereich der menschlichen Seele unser Verhalten mehr steuert als uns bewusst ist, war für viele eine Provokation.

Es war nicht zuletzt der Ausbruch des ersten Weltkrieges, in dem Kulturnationen wie Deutschland und Frankreich irrational und bestialisch übereinander herfielen, wodurch er seine These bestätigt sah.

Was ist das Unterbewusstsein?

Jesus von Nazareth nahm vor 2000 Jahren die Tiefenpsychologie von heute vorweg. In seinem Gleichnis vom Balken und vom Splitter zeigte uns der große Menschheitslehrer, dass wir lieber den Fehler im Auge unseres Nächsten suchen (den Splitter), als den Fehler im eigenen Auge zu erkennen (unseren Balken). Warum? Weil der Balken in der Regel im Unterbewusstsein liegt. In der geistigen Psychologie, wie sie der Gottesgeist heute offenbart hat, hat die Lehre vom Unterbewusstsein eine Erweiterung und Tiefe erfahren, wie es sie bisher noch nicht gab.

Die Seele des Menschen ist Bewusstsein. Dabei sind drei Bewusstseinsaspekte zu unterscheiden: Oberbewusstsein, Unterbewusstsein und das göttliche Bewusstsein, das Geistbewusstsein. Das Oberbewusstsein ist das Wachbewusstsein. Es enthält Gedanken, Empfindungen und Gefühle, die uns ohne weiteres zugänglich sind und über die wir die Kontrolle haben. Das Unterbewusstsein ist ein Speicher, der verschiedene Inhalte hat: Was wir erlebt, aber nicht verarbeitet haben, ungelöste Konflikte, seelische Verletzungen, unangenehme Gefühle wie Neid, Hass oder Ärger - aber auch Leidenschaften, Größenphantasien und massive Wünsche und Erwartungen an den Nächsten, die wir unter Umständen mit Streit und Kampf durchzusetzen versuchen. Kurz, unsere ganz persönliche "Büchse der Pandora."

Die Inhalte des Unterbewusstseins sind zwar aus dem Oberbewusstsein verschwunden. Das Fatale ist jedoch, dass sie dennoch unser Verhalten beeinflussen. Hat das Unterbewusstsein ein bestimmtes Volumen an negativen Gedanken und Gefühlen erreicht, dann ist der Speicher voll. Dann wird das Unterbewusstsein autonom, d.h. es verselbständigt sich. Es wirkt auf uns ein und steuert uns. Einer Gefahr, die man kennt, kann man entgegentreten. Aber einer Beeinflussung, die im Untergrund agiert? Das Verdrängte kehrt also wieder - allerdings getarnt als logische Erklärung oder verkleidet als "selbstloses" Motiv, das doch nur das Beste will ... Es inspiriert uns aus dem "Keller", wie ein Ghostwriter.

Wir bearbeitet man sein Unterbewusstsein?

Wer sich selbst auf die Schliche kommen möchte, der sollte sich nicht damit begnügen, zu erkennen, was so tagtäglich an Gedanken durch seinen Kopf zieht. Denn: Gedanken können uns täuschen. Ein Beispiel: Ein Angestellter ist fest davon überzeugt, dass seine Beziehung zu seinem Chef in Ordnung ist. Am Geburtstag des Chefs fällt ihm die Aufgabe zu, eine kurze Ansprache zu halten. Er endet seine Rede mit dem Satz: "Und nun darf ich alle Anwesenden bitten, ihr Glas zu erheben und mit mir auf das Wohl unseres verehrten Chefs aufzustoßen."

Sigmund Freud, auf den dieses Beispiel zurückgeht, will mit dem Versprecher auf die Existenz des Unbewussten hinweisen. Denn: Oberbewusst will der Redner dem Chef etwas Freundliches sagen. Sein Unterbewusstes spielt ihm jedoch einen Streich. Es lässt einen Groll gegen den Chef vermuten. Nehmen wir an, der Mann sagt den verdutzten Gästen: "Das war reiner Zufall." Oder: "Der Kollege Müller hat gerade so blöd gelacht, das hat mich völlig irritiert und den Versprecher produziert." Mit solchen und ähnlichen Worten betrügen wir uns selbst. Wir decken zu, was unserer Fehlleistung oder unserem Fehlverhalten zugrunde liegt.

Nehmen wir an, der Mann, der auf seinen Chef "aufstoßen" wollte, nimmt die Botschaft seiner Fehlleistung, d. h. seines Versprechers, an. Er fragt sich: Warum ist mir das passiert? Wie stehe ich wirklich zu meinem Chef? Worauf bin ich sauer? Wo fühle ich mich durch ihn ungerecht behandelt?

Den Anfang der Aufarbeitung unseres Unterbewusstseins machen wir in dem Augenblick, wo wir nicht mehr sagen: "Der andere ist schuld!", sondern: "Ich bin es selbst! Ich selber bin schuld. Und ich möchte mich selbst und meinen Anteil an der Situation erkennen!"

Solange wir das Unterbewusstsein nicht anschauen und aufarbeiten, kommen wir nicht zu unserem göttlichen Bewusstsein, dem Geistbewusstsein. Denn das Unterbewusstsein liegt wie ein Filter zwischen dem Oberbewusstsein und dem Göttlichen in uns. Wenn aber unser Ego der Filter ist, dann kann im Oberbewusstsein nur wieder "Ego" ankommen, weil die Impulse aus dem Inneren entsprechend gefiltert, d. h. gefärbt ins Oberbewusstsein gelangen.

So ist der Zugang zum Unterbewusstsein die Selbstbeobachtung. Die wesentliche Frage, gewissermaßen der Schlüssel, ist die Frage "Warum?": "Was spreche ich, und warum sage ich das?" Das "Warum" führt uns zu unseren Gefühlen und Empfindungen. Dadurch heben wir Inhalte des Unbewussten ins Oberbewusstsein und können sie anschauen - auch wenn das peinlich ist oder wehtut. Dann heißt es, die Wurzel zu suchen: Welche Schwäche, welche Fehlhaltung liegt meinen Gedanken und Gefühlen zugrunde? Was ich an Negativem erkannt habe, bereinige ich mit Christus und nehme mir eine positive Gesetzmäßigkeit vor. Diese sollte ich dann dem Oberbewusstsein mit Nachdruck, Klarheit und Entschiedenheit vorgeben; denn sonst sagt das Unterbewusstsein womöglich: "Na, red’ du nur!" Jetzt sind Konstanz, Stetigkeit und Durchhalten gefragt.

Unterbewusstsein und Gewissen

Wie kann ich nun erkennen, wann das Unterbewusstsein mich zu steuern versucht und wann ein Gedankenimpuls mich seelisch weiterbringt? Kommt ein Gedanke aus der Seele, dann ist er begleitet vom Gewissen. Dahinter steht oft der Schutzgeist, der uns sagt, dass wir das, was uns heute beschäftigt, heute bereinigen sollen. Wenn der Gedanke aus dem Unterbewusstsein kommt, dann ist kein schlechtes Gewissen dabei. Denn dort ist das Dominierende das Ich. Das Unterbewusstsein sagt vielleicht:

"Der andere ist schuld". Wir müssten hingegen sagen: "Das gehört bereinigt, das steht heute an". Wer wachsam ist, spürt sofort: "Halt, hier errege ich mich! Hier ist das Unterbewusste am Werk. So will ich nicht weiter denken. Das werde ich bereinigen." Das ist nur dann möglich, wenn wir uns öfter hinterfragen, wenn wir uns selbst nicht jeden Gedanken durchgehen lassen.

"Ich fühle mich ungerecht behandelt"

Wenn unser Ego sich angegriffen fühlt, dann mischt sich unser Unterbewusstsein aus den immer wieder gedachten Gedanken und den immer wieder gleichen Gefühlen ein "Potpourrie" zusammen, das auf die jeweilige Situation abgestimmt ist.

Comic
Du plusterst dich ganz schön auf hier! Da würde ich langsam mal was dagegen tun!

Ein Beispiel: Ich fühle mich ungerecht behandelt. Mein Unterbewusstsein sagt: "Das lässt du dir nicht gefallen. Dem sag ich jetzt ordentlich die Meinung." Und schon kommen Ideen dazu: diese oder jene Ausrede ("So hab’ ich noch nie gedacht"), den einen oder anderen Vorwurf ("Daran bist doch du schuld"), das Ganze gewürzt mit einer Prise Selbstmitleid ("Immer soll ich der Schuldige sein"). Das Unterbewusstsein schreibt das Drehbuch für unser Verhalten, vor allem, wenn es um Rechtfertigung oder Verteidigung gegen Kritik geht. Es setzt aus den vielen Programmen das zusammen, was wir gerade brauchen. Wir selbst haben die Bestandteile eingegeben. Aus der Mischung dieser Argumente kommt dann im Oberbewusstsein z. B. heraus: "Der soll mal bei sich nachschauen. Immer nur spricht er von meinen Fehlern - er soll seine Fehler anschauen und nicht mir Vorwürfe machen. Ich will den überhaupt nicht mehr sehen." Oder es sagt: "Schau doch den mal an!" Und im Oberbewusstsein ist Abwertung. Hinter all diesen Manövern ist die treibende Kraft das Unterbewusstsein.

So sollten wir uns immer die Fragestellen: Was steckt dahinter? Wir sollten wachsam werden, damit wir allmählich erkennen, was wir eingegeben haben. Wachsamkeit ist insbesondere geboten bei Aussagen wie: "Du hast mich beleidigt! Ich fühle mich ungerecht behandelt!"

Der Weise (oder wer ein solcher werden will) sagt jedoch: "Du hast mich beleidigt, und das war gut; denn ich konnte mich erkennen. Ich habe mich gefragt: Was hat mich denn so beleidigt? Welche Entsprechung ist getroffen?" Und das bereinige ich bei mir.

Die "Verrohung unserer Gesellschaft" wird dann abnehmen, wenn sich der einzelne über die "Abgründe" seiner eigenen Existenz informiert. Es sind die Inhalte unseres Unterbewussten. Die Aufgabe besteht darin, sie schrittweise zu erkennen und zu bereinigen - so wie Jesus, der Christus, es uns gelehrt und vorgelebt hat.


Nur mit Disziplin

"Wer diese Arbeit an sich selbst eine zeitlang durchhält, der wird merken, dass sich große positive Veränderungen in ihm vollziehen und das weitere Disziplinieren im Hinterfragen und Sich-Ändern keine Arbeit mehr ist. Es geht dann wie von selbst, weil dann der Geist Gottes die Herrschaft über das Fleisch, den Menschen, gewinnt."

(Aus: Der Prophet Nr. 11, Verlag Das Wort
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html
)


Schale und Inhalt

Oberbewusstsein und Unterbewusstsein könnte man mit einer Nuss vergleichen. Die Schale heißt beispielsweise "Das Verhalten meines Kollegen ist unmöglich! Das trage ich nicht mit." Machen wir die Nuss auf, dann ist darin ein Kern, der beispielsweise heißt: "Ich habe etwas gegen den Kollegen, weil der mich vor allen anderen bloßgestellt hat." Es liegt eine Feindseligkeit gegen meinen Nächsten zugrunde. Der Inhalt der Nuss gibt uns Auskunft über uns selbst.

Wenn wir jetzt dem anderen Schuld zuweisen - auch wenn er einen Anteil am Geschehen hat - so kommen wir nicht auf die Inhalte unserer Gedanken, die der Schlüssel zum Unterbewusstsein sind. Je schneller wir aber unsere Nüsse "knacken", um so leichter ist es.

Unterbewusstsein und Körperreaktion

Wir können Aspekte unseres Unterbewusstsein auch dadurch erfassen, dass wir auf unsere Körperreaktionen achten: Ein Moment des Zuckens im Körper, eine kurze Regung des Körpers, wenn wir z. B. die Beine überkreuzen oder die Hände bewegen. Dabei werden Energien freigesetzt. Denen liegen Gefühle zugrunde. Denn unser Körper ist ein Gedankenkörper, der nur über Gefühle und Empfindungen wahrnehmen kann. Die feinen Körperbewegungen zeigen, dass sich Regungen, d. h. Schwingungen aufbauen, die zu Gedanken werden. Diese feinen Reaktionen, die Gefühlen und Empfindungen entsprechen, können ein Schlüssel zu unserem Unterbewusstsein sein. Denn: Der Körper wird zum Teil vom Unterbewusstsein gesteuert, nicht nur vom Oberbewusstsein.

Inhalt Ausgabe 17/97
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns

Wenn z. B. unsere Worte und Empfindungen nicht übereinstimmen, dann können körperliche Phänomene wie Unruhe oder unkontrollierte Bewegungen dies anzeigen. Wenn jemand sagt: "Meine Gedanken sind positiv" - und ist doch unruhig und nervös, so kann das ein Hinweis darauf sein, dass im Unbewussten etwas vorliegt. Denn ein wirklich positiver Gedanke macht uns harmonisch und ausgewogen. Sind wir trotz scheinbar positiver Gedanken unruhig oder gereizt, dann haben wir womöglich auf die Inhalte des Unbewussten einen Deckel gelegt, der z. B. heißt: "Ich bin gut. Ich bin liebevoll. Ich muss Liebe ausstrahlen." Die seelische und körperliche Unruhe zeigt uns jedoch, dass das Ganze nicht stimmen kann.


 



Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Deutschland
Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210
http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de/index.html


Links:

Main-Post und Pressefreiheit

Die-Neue-Zeit-TV auf Astra Digital
Stuttgart 21: Die Unterwanderung der Demokratie
Hintergründe zu Papst und Vatikan