Von der Kirche in die
PsychiatrieKrankmachende Lehren
der Kirche
Vorsicht - kirchlicher Glaube könnte Ihre
Gesundheit gefährden. Zu dieser Warnung sieht sich Dr. Wendell Watters nach über
25jähriger psychiatrischer Praxis veranlasst. Watters ist emeritierter Professor für
Psychiatrie an der McMasters Universität in Hamilton, Ontario/Kanada.

Bisher wenig erforscht: Die Zusammenhänge
zwischen
falschem Gottesbild und
Krankheit
In seinem Buch "Deadly Doctrine. Health, Illness and
Christian God-Talk" erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Lehre der Kirche: "Ich
habe versucht zu zeigen, welche Rolle einige der verheerenden Lehren der Kirchen bei der
Entstehung von schizophrenen und depressiven Erkrankungen spielen können." Das
kirchliche Glaubensystem sei mit einer Suchtkrankheit vergleichbar.
Seine These untermauert er mit Erfahrungen aus seiner
jahrzehntelangen psychiatrischen Praxis. Für ihn steht fest: Die Ursachen vieler
menschlicher Krankheiten liegen nicht zuletzt "in den tief indoktrinierten Ideen der
Kirche, die auf Männer und Frauen, Generation für Generation, einwirken."
Kirchlich ist nicht christlich
Da Watters die christliche Lehre nur aus der kirchlichen
Institution kennt (katholisch, lutherisch, anglikanisch), glaubt er, es sei zugleich die
Lehre des Jesus von Nazareth. Nun haben aber die kirchlichen Institutionen die Botschaft
Jesu nicht nur verfälscht, sondern zum Teil pervertiert. Und deshalb wird nachfolgend von
kirchlich gesprochen wo Watters von "christlich" spricht.
Watters Forschungsmethode ist die Kasuistik, die
Erkenntnisse aus der Analyse von Einzelfällen gewinnt. Er hat keine Gruppenuntersuchung
durchgeführt, in der Fallzahlen, psychiatrische Zustandsbilder und Prozentsätze
ekklesiogener, d. h. kirchlich bedingter Verursachung das Ergebnis sind. Offensichtlich
gibt es solche Untersuchungen überhaupt nicht. Warum diese Forschungslücke, wo es doch
bei Psychiatrie-Patienten von Sündenängsten, Höllenängsten und religiösen
Wahnvorstellungen nur so wimmelt?
"Aus einer streng
katholischen Familie"
Hier ist Watters Feststellung hochinteressant,
dass in der
Psychiatrie die Frage nach der Religion und ihrem Einfluss auf das Krankheitsbild
überhaupt nicht gestellt wird. Die Fallberichte der Psychiater enthielten zwar Angaben
wie, dass der Vater aus einer streng katholischen Familie stamme. Doch "die
Möglichkeit, dass die Erfahrung des Patienten mit Religion bei der Erzeugung der Symptome
eine Rolle gespielt haben könnte, wird nie erwogen." Watters glaubt,
dass dies mit
inneren Konflikten bei den Psychiatern selbst zu tun habe, und er fordert für die
psychiatrische Untersuchung auch eine "religiöse Zustandsuntersuchung".
Fragen sollten sein: Was für ein Gottesbild hat der
Patient - gütig, wohlwollend oder eifersüchtig und grausam? Glaubt er,
dass es Sünde
sei, sich selbst zu achten und zu lieben? Glaubt er, dass man sich schuldig fühlen
müsse, um Gott näher zu kommen?
Zu geringe Selbstachtung
Ein gemeinsamer Zug von psychiatrischen Patienten und
vieler chronisch kranker Patienten sei eine zu geringe Selbstachtung. Das
Kirchenchristentum leite die Menschen dazu, sich selbst gering zu achten. Watters verweist
vor allem auf das Buch "Nachfolge Christi" von Thomas von Kempen, das nach der
Bibel am häufigsten gedruckte und gelesene Buch der kirchlichen Lehre.
Kempen vermischt darin mystisches Wissen mit der Hörigkeit
gegenüber der kirchlichen Hierarchie und leitet den Gläubigen zur fanatischen
Selbstkasteiung an. An mindestens 37 Stellen warne Thomas den Gläubigen ausdrücklich
davor, von sich selbst gut zu denken: "Sei heftig wütend gegen dich selbst, .. zeige
dich selbst so ergeben und so ganz klein, dass alle über dich hinweg gehen können und
dich wie den Schlamm auf den Straßen niedertreten." Oder: "Ruhe wirst du
nur in der schlichten Unterwerfung unter die Leitung eines Oberen finden."
Gehirnwäsche
Watters dazu: "... auf sich selbst rasend wütend zu
sein, sich selbst als krank, unrein, blind, arm
und bedürftig ... zu bezeichnen, als eine Strategie, um eine ferne Gottheit zur
Gunst zu verlocken, sind kaum verträglich mit der Entwicklung einer gesunden
Selbstachtung." Dies könne, wie in einem Gebet des Thomas von Aquin, zu einem
regelrechten Selbstekel führen. Leute mit einer derartig geringen Selbstachtung redeten
dann oft vollmundig darüber, wie sie andere "lieben", während sie sich selbst
hassen. Es sei jedoch unmöglich zu lieben bzw. die Liebe eines anderen zu spüren,
geschweige denn zu akzeptieren, wenn man sein eigenes wahres inneres Wesen nicht liebe.
Watters schreibt: "In unserer Gesellschaft ist die
Stelle, die am meisten für die Stimulierung und Manipulation menschlicher Schuld
verantwortlich ist, die Kirche." Der Kirchenchrist werde einer Gehirnwäsche
unterzogen, die ihn glauben machen sollte, dass er schlecht zur Welt gekommen sei und
dass
es sinnlos sei, Vollkommenheit anzustreben.
Nach Watters ist die Abhängigkeit von einem krankmachenden
religiösen Glaubenssystem vergleichbar mit der Abhängigkeit von Tabak oder Alkohol.
Aufgabe des Arztes sei, den Patienten auf die krankmachenden Aspekte seines
Glaubenssystems hinzuweisen.
Ohne eigene Motivation des Patienten sei eine Therapie
allerdings nicht möglich.
Inneres statt äußeres
Christentum
Das äußere Christentum führt die Menschen nach außen
in den Zustand des geistigen Schlafes, während das Innere Christentum den Weg nach Innen
weist zur Gottes- und Nächstenliebe und den stufenweisen Weg aufzeigt, damit der Mensch
aus dem Dämmerschlaf des Egos herausfindet, also im Geiste der Freiheit erwacht. |