Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 22/97

abstand.gif (36 Byte)
Steht unsere Zivilisation vor den Ende? (2)

"Dieses Raubsystem führt
zum Ruin der Felder
"

Justus von Liebig (1859)

Jedes Jahr wird auf unserem Planeten ein Gebiet von der Größe der Schweiz zur Wüste. Sieben Prozent sind bereits Wüste, und ein Drittel der Erdoberfläche sind Trockengebiete, die zur Wüste werden können, wenn der Mensch versucht, sie nutzbar zu machen.

Frau bei der Ernte

Wir haben es in der Hand, wie lange unsere Erde fruchtbar bleibt.

Der Vormarsch der Wüste ist keineswegs ein reines Naturereignis. Dies könnte man höchstens für Teile Nordafrikas sagen, wo die Sahara sich seit Jahrtausenden weiter ausbreitet. Doch auch in Nordamerika und Europa geht jedes Jahr fruchtbarer Boden verloren - durch Überdüngung, durch zu schwere Maschinen, durch Abtragung aufgrund von Wind oder Wasser. Wie lange wird die Mutter Erde die Menschen noch ernähren können?

Ein großer Naturwissenschaftler warnte schon vor über hundert Jahren davor, dass bisher noch jede große Zivilisation zugrunde ging, die den Mutterboden ausbeutete, ohne ihm eine Gegenleistung zurückzugeben. Justus von Liebig (1803-1873), der gemeinhin als "Vater des modernen Landbaus" gilt, verglich in seinen Studien die Entwicklung des römischen Reiches und des alten Griechenland mit der Entwicklung der Bodenfruchtbarkeit, die er im vorigen Jahrhundert in Mitteleuropa feststellen konnte.

Bis heute beruft man sich auf Liebig, wenn man die chemische Düngung rechtfertigen will, die dem Boden in Form von Stickstoff, Phosphor, Kali und Kalk die Elemente zuführt, die er angeblich zu verstärktem Pflanzenwachstum braucht. Liebig war tatsächlich der erste, der die Wirkung dieser Stoffe auf Getreide- und Gemüsepflanzen erforschte.

Was jedoch kaum bekannt ist: Liebig entwickelte sich später zu einem entschiedenen Verfechter des organischen Landbaus und warnte davor, den Boden wie eine isolierte chemische Versuchsanordnung zu betrachten und zu meinen, wenn viel auf ihm wachse, dann sei er gesund und fruchtbar. Er sagte voraus, dass diese scheinbare Fruchtbarkeit nicht von Dauer sein könne, weil sie das eigentliche Leben im Boden außer acht lasse.

Zuviel Chemie ist Gift

Organische Dünger helfen dem Bodenleben besser und nachhaltiger als künstlich hergestellte. "In anderen Fällen", so schrieb Liebig, "wirkt Knochenmehl besser auf die nachfolgenden Früchte als das Kalksuperphosphat, und Asche besser, als wenn man dem Felde die in der Asche enthaltene gleiche Menge Kali gibt.

Portrait von Liebig

Justus von Liebig (1803-1873)

Mit dem Kalidünger muss man sehr sparsam sein; der kleinste Überschuss wirkt wie ein wahres Gift." Künstliche Dünger können zwar die Pflanzen kurzfristig zu vermehrtem Wachstum antreiben, doch dies kann nicht von Dauer sein: "Das Ammoniak als Dünger für sich, wenn der Boden an Mineralbestandteilen Mangel hat, ist dem Branntwein gleich, den der Arme genießt, um seine verwendbare Arbeitskraft in einer gegebenen Zeit zu steigern, und seine Wirkung hat wie dieser eine entsprechende Erschöpfung zur Folge." Liebig kommt immer wieder auf das "unwandelbare Naturgesetz" zurück, "dass dem Felde an Bodenbestandteilen wieder erstattet werden muss, was er (der Landwirt) demselben in der Ernte genommen hat."

Wird dieses Gesetz missachtet, indem man den Boden aus kurzfristigem Profitdenken heraus ausbeutet, so ist Unfruchtbarkeit des Bodens die langfristige Folge - und dann führen Völker Kriege, um neuen Boden zu erobern.

"Ein jedes Blatt der Weltgeschichte zeigt die schauderhafte Wirkung dieses furchtbaren Gesetzes in den Strömen von Blut, womit der Mensch die Erde tränken musste, welche er nicht fruchtbar zu erhalten verstand." Oder, an anderer Stelle: "Alle Länder und Gegenden der Erde, in welchen der Mensch nicht Sorge trug, seinen Feldern die Bedingungen seiner Ernten zu erhalten, sehen wir von der Periode ihrer dichtesten Bevölkerung an nach und nach der Unfruchtbarkeit und Verödung verfallen."

So geschah es zum Beispiel mit den Böden des römischen Reiches, über die der Schriftsteller Columella in seiner Vorrede zu seinen zwölf Büchern vom Ackerbau schrieb: "Die Großen des Staates pflegen bald über die unbeständige Witterung zu klagen, welche schon seit geraumer Zeit den Früchten nachteilig gewesen ist. Andere meinen, der Boden sei durch allzu große Fruchtbarkeit der vorigen Zeiten erschöpft oder kraftlos geworden.

Aber kein Vernünftiger würde sich überreden lassen, die Erde sei, wie wir Menschen, veraltet; die Unfruchtbarkeit rührt vielmehr von unserm Verfahren her, weil wir den Ackerbau der unvernünftigen Willkür ungeschickter Knechte überlassen."

Über das Feldbausystem, das er selbst mit beeinflusste, später jedoch zu korrigieren versuchte, urteilt Liebig keineswegs besser. Er ist der Ansicht, "dass das seit einem halben Jahrhundert herrschende System des Feldbaues ein Raubsystem gewesen ist, welches, wenn es beibehalten wird, in einer berechenbaren Zeit den Ruin der Felder, die Verarmung ihrer Kinder und ihrer Nachkommen unabwendbar nach sich ziehen wird."

Diese Worte schrieb Justus von Liebig 1859. Die konventionelle Landwirtschaft, die sich noch immer - fälschlicherweise! - auf ihn beruft, hat die Methoden der künstlichen Düngung nicht korrigiert, sondern ausgebaut und durch die Insekten- und Pilzgifte des "modernen" Landbaus erweitert.

Nach wie vor ist sie der Ansicht, dass es auf diese Weise dem Boden und den Pflanzen gut gehe. Doch die Alarmsignale häufen sich: In der Schweiz sei mittlerweile "jeder dritte Quadratmeter der natürlich gewachsenen Böden zerstört oder akut bedroht", meldete die Zürichsee-Zeitung. Und die Süddeutsche Zeitung schrieb: "Der Boden verliert seine Kraft - Auch in Deutschland schreitet die Zerstörung der Flächen rapide fort."

Zu den "hausgemachten" Belastungen durch die Landwirtschaft kommen noch die Belastungen durch die allgemeine Verschmutzung der Luft und durch die wachsenden Flächenansprüche von Verkehr, Siedlung und Wohnen. "Mittlerweile ist der Boden als Pufferzone gesättigt und kann die Pestizid- und Nährstofffracht nicht mehr speichern", war zu lesen. Die Gifte landen im Grundwasser. Nur: Der Boden hat eben nicht nur die Funktion einer "Pufferzone", er soll außerdem noch Menschen ernähren!

Einen Ausweg sah Liebig schon vor mehr als 100 Jahren in der chinesischen und japanischen Landwirtschaft, die damals mit natürlichem Kompost arbeitete, mit "Rasen, Stroh, Gras, Torf, Unkraut, mit Erde gemischt ..." Man verwendete seit alters her in diesen Ländern bestimmte Pflanzen zur Gründüngung und verdünnte auch tierische und menschliche Fäkalien, um sie dann auf den Feldern auszubringen.

Inhalt Ausgabe 22/97
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns

Letzteres allerdings wird heute mehr und mehr problematisch, weil weder Mensch noch Tier heute gesund sind und weil sich in der Jauche Krankheitserreger einnisten können, die durch die rücksichtslose Tierhaltung unserer Tage förmlich gezüchtet werden. Ansonsten jedoch wurden die Verfahren, die den Chinesen eine jahrtausendelange Hochkultur bescherten, tatsächlich zum Vorbild eines ökologisch orientierten Landbaus, wie er sich heute als Alternative anbietet. Doch: Wie lange haben wir noch Zeit? Wie lange trägt die Mutter Erde noch ihre Kinder, die von ihr nur nehmen, aber kaum etwas zurückgeben wollen?

Alle Zitate aus: Justus von Liebig, Es ist ja dies die Spitze meines Lebens - Naturgesetze im Landbau, herausgegeben von der Stiftung Ökologischer Landbau, Bad Dürkheim, ISBN 3-926104-23-6


 

 

Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Deutschland
Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210
http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de/index.html


Links:

Main-Post und Pressefreiheit

Die-Neue-Zeit-TV auf Astra Digital
Stuttgart 21: Die Unterwanderung der Demokratie
Hintergründe zu Papst und Vatikan