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Fehlende Vorbilder und
ZukunftsperspektivenWas ärgert die Jugend?
Es ist, als ob
sich ein Abgrund auftäte: Immer mehr Jugendliche begehen in immer jüngerem Alter immer
grausamere Verbrechen. Dass sich 16- und 17jährige brutal prügeln,
wusste man; auch an
den Drogenhandel auf den Schulhöfen hatte man sich schon fast gewöhnt; aber
dass 11- bis
14jährige kaltblütig morden, vergewaltigen und sadistisch quälen, erpressen und rauben,
versetzt die Gesellschaft in nacktes Entsetzen. Was ist los mit der heutigen Jugend? Die
Kriminalstatistik zeigt, dass die Gewalttätigkeit bei den Jungen explosionsartig
angestiegen ist.

Jugendliche finden ihren eigenen Weg
Soziologen und Psychologen wissen längst, dass Jungsein heute besonders
schwierig ist. Dass es in der Phase zwischen Kindsein und Erwachsenwerden gärt und
brodelt, liegt in der Natur der menschlichen Entwicklung: Die Beziehungen zum Elternhaus,
die Kommunikation mit den Gleichaltrigen, die Erprobung der eigenen Fähigkeiten, die
ersten Vorstöße in die Welt der Erwachsenen - all das ist seit eh und je mit seelischen
Turbulenzen und Risiken, mit Glück und Schmerzen zugleich verbunden. Doch heute kommt
noch etwas anderes hinzu: Die Jungen sind nicht nur mit ihrer persönlichen Selbstfindung
beschäftigt, sondern sie ahnen die Sackgassen ihrer Zukunft.
Eine davon heißt Arbeitslosigkeit. Im Jahr 1998 sollen allein in
Deutschland wieder 250.000 Lehrstellen fehlen. Umfragen unter Jugendlichen ergeben,
dass
sie die Sorge um einen Arbeitsplatz bedrückt. Wer will den Jungen in dieser Situation
verübeln, dass das Schmieden von Zukunftsplänen nicht mehr zu ihrer
Lieblingsbeschäftigung zählt. Sie hat nachweisbar das Vertrauen in die politisch und
gesellschaftlich "Verantwortlichen" verloren. Wenn die Regierenden ihrem Volk
weismachen wollen, sie hätten doch noch "alles im Griff" - bei den Jugendlichen
ernten sie darauf nur ein müdes Lächeln. Die haben den Eindruck, dass sie von den
Älteren nicht ernst genommen werden, ja dass man sie verschaukelt.
Wenn die
Hoffnung auf Zukunft stirbt
Auch unser aller Umgang mit der Natur ärgert die
Jungen mehr als uns bewusst ist. Viele ängstigt die schleichende Umweltzerstörung, wie
man aus der Shell-Studie Jugend 97 erfährt. Wenn die Wälder sterben, die
Meere umkippen, die Sonne Hautkrebs verursacht und Epidemien weltweit zunehmen, wird die
Frage nach der Zukunft naturgemäß banger. Wenn die hochgemute Hoffnung auf die Zukunft,
die zu den Kraftquellen des Jungseins zählt, in zunehmender Resignation erstirbt, nimmt
es nicht Wunder, wenn sich in der jungen Generation Frustration und Aggression breit
machen.
Müssen sich die Jungen nicht um ihre Zukunft betrogen fühlen? Was haben
ihnen die Älteren in der ausweglosen Situation anzubieten? Wirtschaftlichen Erfolg - der
ihnen zwischen den Händen zerrinnt und bei der nachfolgenden Generation Existenzangst
auslöst. Eine hoch entwickelte Technik - mit deren Hilfe Tiere und bald auch Menschen
geklont werden. Eine Wissenschafts- und Informationsgesellschaft - der der Respekt vor der
Schöpfung abhanden gekommen ist. Und wenn ein Junger nach dem Sinn des Lebens fragen
sollte - was erfährt er dann von den Alten? Meist betretenes Schweigen oder wohlfeile
Sprüche über die Notwendigkeit ethischer Maßstäbe, meist verkündet von Leuten, die
selbst nicht danach leben. Es ist kein Zufall, dass nach den jüngsten Umfragen die
Kirchen zu jenen Institutionen gehören, denen die Jugend besonders wenig Vertrauen
entgegenbringt.
Die Saat der Gewalt
geht auf
Die Sehnsucht der Jugend nach Vorbildern geht weitgehend
ins Leere. In dieses Vakuum bricht übermächtig das Fernsehen ein. Kinder und Jugendliche
sitzen vielfach stundenlang vor der "Glotze". Und was sehen sie dort? Zum einen
das Wunderland der Werbung mit allen Dingen, die man haben muss - was bei der zunehmenden
Kluft zwischen Arm und Reich zu Neid führt. Zum anderen zu Brutalität, Mord und
Totschlag, Geilheit und Gefühllosigkeit ohne Grenzen - als Fortsetzungsserie auf 20
Kanälen zur Auswahl. Die Verbrechen Jugendlicher sind oft Nachahmungstaten, die
Gefühlskälte jugendlicher Vergewaltiger und Schläger spiegeln die "Tugenden"
ihrer Fernsehhelden wider: Töten ist cool, Gewalt bringt Erfolg. Noch schlimmer als im
Fernsehen geht es im Internet zu.
Die Saat der Gewalt geht auf wie ein Unkraut. Doch ist das Feld, auf dem
es wächst, hinlänglich beschrieben, wenn man auf Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung und
den Psychoterror der visuellen Medien verweist? Damit lässt sich vieles, doch nicht alles
erklären. Woher kommt bei 16- und 17jährigen die Bereitschaft, Ausländer zu hassen und
rechtsradikale Parolen zu schmettern, woher kommt der professionelle Umgang von 13- und
14jährigen mit Pistolen und Messern und die Bereitschaft, Gleichaltrige zu massakrieren
oder gar umzubringen? Kann man all das in einem 13 oder 16 Jahre währenden Leben gelernt
haben?
Woran können sich die
Jungen orientieren?
In einer materialistischen Welt hat man verlernt, Fragen zu
stellen, deren Antworten nicht im Laboratorium verifizierbar sind. Doch was wäre, wenn
das Leben weiterreichen würde, als es sich unsere Schulweisheit träumen
lässt? Wenn
beispielsweise zuträfe, dass Gefühle und Gedanken Energien sind, die die Psychosphäre
unseres Planeten, man könnte auch sagen: die Aura der Erde prägen. Muss sie nicht von
Negativität geschwängert sein - in einem Ausmaß, das auf die sensible Seele eines
Kindes wie Gift wirkt? Und was wäre, wenn zutreffen sollte, was zum Urwissen der
Menschheit gehört: Dass wir nicht zum ersten Mal hier sind, sondern schon öfter über
diese Erde gingen und so manches Unwesen dabei trieben. Eine unerfreuliche Neigung fiele
dann nicht einfach vom Himmel, sondern stammte aus unserem Vorleben. Dann ist es auch
nicht mehr ganz so leicht, die Schuld nur anderen zuzuschieben. Darin dürfte einer der
Gründe liegen, warum das "christliche Abendland" den Gedanken an die
Reinkarnation, der Jesus von Nazareth und Seinen Jüngern offensichtlich noch geläufig
war, erfolgreich verdrängt hat.
Jugend in der Freizeit: Wer
alles mit Maß und
Ziel erlebt, kann Erfahrung und innere Reife
erlangen
Würde man sich dieser Tiefendimension des menschlichen Daseins wenigstens
versuchsweise nähern, würde man das Heilmittel für die Leiden unserer Zeit nicht nur in
äußeren Therapien suchen. Die Hilflosigkeit der Diagnose der Jugendkriminalität
spiegelt sich in den Therapievorschlägen. Während die einen nach mehr Sozialpädagogen
rufen, wollen die anderen gar mehr Jugendgefängnisse bauen. Natürlich müssen mehr
Lehrstellen her. Selbstverständlich sollte die Jugend vor brutalen Medien besser
geschützt werden. Doch kann dies auf Dauer helfen, solange sich das zwischenmenschliche
Klima nicht von innen her ändert? Solange der Kampf aller gegen alle um den eigenen
Vorteil der Maßstab unseres Handelns ist; solange wir einander vor allem als Konkurrenten
und nicht als Nächste betrachten, die einander nicht nur bei Hochwasserkatastrophen
helfen, sondern sich auch im banalen Alltag zugetan sind; solange uns der Sinn des Lebens
verborgen bleibt, weil wir Gott aus den Augen verloren haben.
Solange die Älteren den Jungen dies nicht vorleben, woran können sich
diese orientieren? Solange wir uns bei den existentiellen, letztlich religiösen Fragen
unseres Daseins mit Formeln kirchlicher Dogmatik abspeisen lassen, gerät uns auch jener
Mann nicht mehr ins Blickfeld, der die rettende Ethik nicht nur gepredigt, sondern
vorgelebt hat: Jesus von Nazareth. Er hat die Menschen und hat uns in Seiner Bergpredigt
gelehrt: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem
andern zu." Wenn Seine Bergpredigt von Kirchenvertretern als Utopie denunziert
wird, ist vielen der Blick dafür verstellt, dass jemand zuerst den Balken im eigenen Auge
entfernen muss, bevor er dem Nächsten helfen kann, seinen Splitter zu entfernen. |
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