Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/98

abstand.gif (36 Byte)
Fehlende Vorbilder und Zukunftsperspektiven

Was ärgert die Jugend?

Es ist, als ob sich ein Abgrund auftäte: Immer mehr Jugendliche begehen in immer jüngerem Alter immer grausamere Verbrechen. Dass sich 16- und 17jährige brutal prügeln, wusste man; auch an den Drogenhandel auf den Schulhöfen hatte man sich schon fast gewöhnt; aber dass 11- bis 14jährige kaltblütig morden, vergewaltigen und sadistisch quälen, erpressen und rauben, versetzt die Gesellschaft in nacktes Entsetzen. Was ist los mit der heutigen Jugend? Die Kriminalstatistik zeigt, dass die Gewalttätigkeit bei den Jungen explosionsartig angestiegen ist.

wpe2.jpg (17712 Byte)
Jugendliche finden ihren eigenen Weg

Soziologen und Psychologen wissen längst, dass Jungsein heute besonders schwierig ist. Dass es in der Phase zwischen Kindsein und Erwachsenwerden gärt und brodelt, liegt in der Natur der menschlichen Entwicklung: Die Beziehungen zum Elternhaus, die Kommunikation mit den Gleichaltrigen, die Erprobung der eigenen Fähigkeiten, die ersten Vorstöße in die Welt der Erwachsenen - all das ist seit eh und je mit seelischen Turbulenzen und Risiken, mit Glück und Schmerzen zugleich verbunden. Doch heute kommt noch etwas anderes hinzu: Die Jungen sind nicht nur mit ihrer persönlichen Selbstfindung beschäftigt, sondern sie ahnen die Sackgassen ihrer Zukunft.

Eine davon heißt Arbeitslosigkeit. Im Jahr 1998 sollen allein in Deutschland wieder 250.000 Lehrstellen fehlen. Umfragen unter Jugendlichen ergeben, dass sie die Sorge um einen Arbeitsplatz bedrückt. Wer will den Jungen in dieser Situation verübeln, dass das Schmieden von Zukunftsplänen nicht mehr zu ihrer Lieblingsbeschäftigung zählt. Sie hat nachweisbar das Vertrauen in die politisch und gesellschaftlich "Verantwortlichen" verloren. Wenn die Regierenden ihrem Volk weismachen wollen, sie hätten doch noch "alles im Griff" - bei den Jugendlichen ernten sie darauf nur ein müdes Lächeln. Die haben den Eindruck, dass sie von den Älteren nicht ernst genommen werden, ja dass man sie verschaukelt.

Wenn die Hoffnung auf Zukunft stirbt

Auch unser aller Umgang mit der Natur ärgert die Jungen mehr als uns bewusst ist. Viele ängstigt die schleichende Umweltzerstörung, wie man aus der Shell-Studie Jugend’ 97 erfährt. Wenn die Wälder sterben, die Meere umkippen, die Sonne Hautkrebs verursacht und Epidemien weltweit zunehmen, wird die Frage nach der Zukunft naturgemäß banger. Wenn die hochgemute Hoffnung auf die Zukunft, die zu den Kraftquellen des Jungseins zählt, in zunehmender Resignation erstirbt, nimmt es nicht Wunder, wenn sich in der jungen Generation Frustration und Aggression breit machen.

Müssen sich die Jungen nicht um ihre Zukunft betrogen fühlen? Was haben ihnen die Älteren in der ausweglosen Situation anzubieten? Wirtschaftlichen Erfolg - der ihnen zwischen den Händen zerrinnt und bei der nachfolgenden Generation Existenzangst auslöst. Eine hoch entwickelte Technik - mit deren Hilfe Tiere und bald auch Menschen geklont werden. Eine Wissenschafts- und Informationsgesellschaft - der der Respekt vor der Schöpfung abhanden gekommen ist. Und wenn ein Junger nach dem Sinn des Lebens fragen sollte - was erfährt er dann von den Alten? Meist betretenes Schweigen oder wohlfeile Sprüche über die Notwendigkeit ethischer Maßstäbe, meist verkündet von Leuten, die selbst nicht danach leben. Es ist kein Zufall, dass nach den jüngsten Umfragen die Kirchen zu jenen Institutionen gehören, denen die Jugend besonders wenig Vertrauen entgegenbringt.

Die Saat der Gewalt geht auf

Die Sehnsucht der Jugend nach Vorbildern geht weitgehend ins Leere. In dieses Vakuum bricht übermächtig das Fernsehen ein. Kinder und Jugendliche sitzen vielfach stundenlang vor der "Glotze". Und was sehen sie dort? Zum einen das Wunderland der Werbung mit allen Dingen, die man haben muss - was bei der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich zu Neid führt. Zum anderen zu Brutalität, Mord und Totschlag, Geilheit und Gefühllosigkeit ohne Grenzen - als Fortsetzungsserie auf 20 Kanälen zur Auswahl. Die Verbrechen Jugendlicher sind oft Nachahmungstaten, die Gefühlskälte jugendlicher Vergewaltiger und Schläger spiegeln die "Tugenden" ihrer Fernsehhelden wider: Töten ist cool, Gewalt bringt Erfolg. Noch schlimmer als im Fernsehen geht es im Internet zu.

Die Saat der Gewalt geht auf wie ein Unkraut. Doch ist das Feld, auf dem es wächst, hinlänglich beschrieben, wenn man auf Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung und den Psychoterror der visuellen Medien verweist? Damit lässt sich vieles, doch nicht alles erklären. Woher kommt bei 16- und 17jährigen die Bereitschaft, Ausländer zu hassen und rechtsradikale Parolen zu schmettern, woher kommt der professionelle Umgang von 13- und 14jährigen mit Pistolen und Messern und die Bereitschaft, Gleichaltrige zu massakrieren oder gar umzubringen? Kann man all das in einem 13 oder 16 Jahre währenden Leben gelernt haben?

Woran können sich die Jungen orientieren?

In einer materialistischen Welt hat man verlernt, Fragen zu stellen, deren Antworten nicht im Laboratorium verifizierbar sind. Doch was wäre, wenn das Leben weiterreichen würde, als es sich unsere Schulweisheit träumen lässt? Wenn beispielsweise zuträfe, dass Gefühle und Gedanken Energien sind, die die Psychosphäre unseres Planeten, man könnte auch sagen: die Aura der Erde prägen. Muss sie nicht von Negativität geschwängert sein - in einem Ausmaß, das auf die sensible Seele eines Kindes wie Gift wirkt? Und was wäre, wenn zutreffen sollte, was zum Urwissen der Menschheit gehört: Dass wir nicht zum ersten Mal hier sind, sondern schon öfter über diese Erde gingen und so manches Unwesen dabei trieben. Eine unerfreuliche Neigung fiele dann nicht einfach vom Himmel, sondern stammte aus unserem Vorleben. Dann ist es auch nicht mehr ganz so leicht, die Schuld nur anderen zuzuschieben. Darin dürfte einer der Gründe liegen, warum das "christliche Abendland" den Gedanken an die Reinkarnation, der Jesus von Nazareth und Seinen Jüngern offensichtlich noch geläufig war, erfolgreich verdrängt hat.

wpe3.jpg (12349 Byte)

Jugend in der Freizeit: Wer alles mit Maß und
Ziel erlebt, kann Erfahrung und innere Reife
erlangen

Würde man sich dieser Tiefendimension des menschlichen Daseins wenigstens versuchsweise nähern, würde man das Heilmittel für die Leiden unserer Zeit nicht nur in äußeren Therapien suchen. Die Hilflosigkeit der Diagnose der Jugendkriminalität spiegelt sich in den Therapievorschlägen. Während die einen nach mehr Sozialpädagogen rufen, wollen die anderen gar mehr Jugendgefängnisse bauen. Natürlich müssen mehr Lehrstellen her. Selbstverständlich sollte die Jugend vor brutalen Medien besser geschützt werden. Doch kann dies auf Dauer helfen, solange sich das zwischenmenschliche Klima nicht von innen her ändert? Solange der Kampf aller gegen alle um den eigenen Vorteil der Maßstab unseres Handelns ist; solange wir einander vor allem als Konkurrenten und nicht als Nächste betrachten, die einander nicht nur bei Hochwasserkatastrophen helfen, sondern sich auch im banalen Alltag zugetan sind; solange uns der Sinn des Lebens verborgen bleibt, weil wir Gott aus den Augen verloren haben.

Solange die Älteren den Jungen dies nicht vorleben, woran können sich diese orientieren? Solange wir uns bei den existentiellen, letztlich religiösen Fragen unseres Daseins mit Formeln kirchlicher Dogmatik abspeisen lassen, gerät uns auch jener Mann nicht mehr ins Blickfeld, der die rettende Ethik nicht nur gepredigt, sondern vorgelebt hat: Jesus von Nazareth. Er hat die Menschen und hat uns in Seiner Bergpredigt gelehrt: "Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu." Wenn Seine Bergpredigt von Kirchenvertretern als Utopie denunziert wird, ist vielen der Blick dafür verstellt, dass jemand zuerst den Balken im eigenen Auge entfernen muss, bevor er dem Nächsten helfen kann, seinen Splitter zu entfernen.

Inhalt Ausgabe 8/98
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns

Ein Vorbild für Jugendliche und Erwachsene kann Jesus von Nazareth sein, der junge spontane, dynamische Mann, "der mit Seinen Aposteln auf den staubigen Straßen umherzog und die Frohbotschaft der Liebe Seines Vaters verkündete" (aus: Der Prophet Nr.10; siehe
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html)
, "... der in jedem Tier, in jeder Pflanze Gottes Walten sah, der Seine Apostel, Jüngerinnen und Jünger in den feinsten Gesetzen des Alls unterwies, der unter dem Baum saß und sie belehrte, der auf dem Felde stand und Tausenden die Frohbotschaft des Lebens verkündete, die Bergpredigt." (Dieter Potzel)


 

 



Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Deutschland
Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210
http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de/index.html


Links:

Main-Post und Pressefreiheit

Die-Neue-Zeit-TV auf Astra Digital
Stuttgart 21: Die Unterwanderung der Demokratie
Hintergründe zu Papst und Vatikan