Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/98

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Wie Jugendliche die Zukunft sehen

Keine Panik auf der Titanic !?

Titanic - das modernste Schiff seiner Zeit, die luxuriöseste Ausstattung, der spektakulärste Untergang. Und weiter: die teuerste Filmproduktion, die höchsten Besucherzahlen, die meisten Oskars - genügend Gründe, sich über den Mythos Titanic einmal Gedanken zu machen. Genau das taten rund 30 junge Leute beim letzten Gespräch über Gott in den Würzburger Greisingsälen:

Erst einmal die Fakten: Die historische Titanic maß 269 m Länge, konnte über 2.000 Passagiere aufnehmen. Die Zahl der an Bord befindlichen Rettungsboote reichte jedoch nur für ca. 1.200. Denn allen war klar: die Titanic ist unsinkbar und weitere Rettungsboote hätten die bauliche Ästhetik gestört und die Flaniermöglichkeiten eingeschränkt. Und ums Flanieren, Dinieren, um´s Gesehenwerden und um’s Dabeigewesen sein ging es schließlich bei der ersten, teuren Überfahrt im Jahr 1912 - so teuer, dass viele sie mit dem Leben bezahlen mussten.

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Faszination Titanic: Was treibt die Menschen ins Kino?

Denn wie wir wissen: das Schiff rammte einen Eisberg und sank. 1517 Menschen ertranken. Ironie des Schicksals: An alles hatte man gedacht, an Tafelsilber, Austerngabeln und Kristallgläser. Die besten Speisen, der teuerste Brandy und eine Schiffskapelle waren an Bord - nur ein Fernglas, mit dem man den Eisberg frühzeitig hätte ausmachen können war vergessen worden. Auch an technischen Möglichkeiten für einen Notruf mangelte es nicht - nur wurde der Fernsprecher für private Nachrichten genutzt und war im entscheidenden Moment nicht verfügbar. Als die ersten Eiswarnungen die Titanic erreichten, wurden diese schlichtweg in den Wind geschlagen, schließlich galt es, einen Rekord aufzustellen und Schlagzeilen zu machen. Die gab es dann auch - allerdings anders, als vom Kapitän und den Schiffskonstrukteuren beabsichtigt.

Als dann irgendwann doch alle begriffen hatten, das das unsinkbare Schiff sinken würde, war es zu spät. Längst waren die Rettungsboote mit einigen Passagieren der ersten Klasse weggefahren - die meisten nur halb besetzt. Denn in ein solches Boot einzusteigen war anfangs als mangelndes Vertrauen in Technik und Fortschritt gewertet worden - und wer mag schon als rückständiger Angsthase gelten? Lieber angesichts der lebensgefährlichen Situation einen Brandy trinken, noch ein wenig feiern, noch ein wenig Arroganz zur Schau stellen ...

Die Titanic ist Realität

Die Titanic - eine Legende? Vergangenheit? Im Gespräch über Gott wurde uns Jugendlichen klar: Die Titanic ist Realität. Jetzt, hier und heute sitzen wir in einem Luxusdampfer sondergleichen, dem Weltenschiff mit seinen technischen Errungenschaften, dem medizinischen Fortschritt, den nie geahnten Möglichkeiten des Klonens, mit der Fähigkeit, Lebewesen zu manipulieren und Tiere als Ersatzteillager für Organe zu nutzen. Im Jahr 2010 ein Kurzurlaub auf dem Mars? Das Unmögliche ist möglich. Und feiern können wir auch - und wie! Unterhaltung ist ein lukrativer Wirtschaftszweig geworden, Vergnügen eine Ware, die ihren Preis hat. Kinofilme spielen Milliarden ein, und bei der Fußball-WM sitzt ganz Deutschland vor der Glotze. Etwas Wichtigeres gibt es dann nicht, und käme eine Eiswarnung - wir würden sie in den Wind schlagen wie damals am 14.4.1912. Dabei sind die "Löcher" im Rumpf des Weltenschiffs sichtbarer denn je: Wissenschaftler warnen vor der Klimakatastrophe. 2/3 des ursprünglichen Waldbestandes der Erde sind bereits verschwunden. Vor dem Ozonloch wird gewarnt: bitte nur mit Sonnenhut und -brille ins Freie gehen! Jedes Jahr ein neues Jahr der Katastrophen. Und die Wirtschaft? Ebenfalls löchrig: Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe, unsichere Renten, Börsencrashs in Asien. Und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft baut sich ebenfalls auf ... Löchrig auch die Gesellschaft im Inneren: Kriminalität, Missbrauch, Mobbing am Arbeitsplatz, jeder schaut auf seinen Vorteil, seine Familie, seinen Arbeitsplatz, sein Bankkonto. Jede 3. Ehe wird geschieden - "Wir können nicht mehr miteinander".

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Die Bordkapelle spielte beim Untergang das Lied "Näher mein Gott zu Dir"

Und die Politiker? Sie sprechen von Konjunktur, preisen die neuen Technologien, setzen auf den so genannten Fortschritt - ist ja alles gar nicht so schlimm: "Keine Panik auf der Titanic!" Und wer’s nicht glaubt, wer laut sagt, dass wir auf dem sinkenden Schiff längst nicht mehr alles im Griff haben, der wird als "Panikmacher", "Weltuntergangsapostel" oder "rückständiger Ökofuzzi" verlacht.

Was tun?

Was tun also? Einen Brandy trinken, weil eh’ schon alles zu spät ist? Hätten wir die "Löcher" im Weltenschiff vermeiden können? Gab es Eiswarnungen? Darüber gab es eine heiße Diskussion unter den Jugendlichen: Jesus von Nazareth gab mit seiner Lehre viele Eiswarnungen und Hilfen, wie wir die Welt zum Guten verändern können", sagte eine Jugendliche. "Es hätte nicht so weit kommen müssen, zumal Gott immer wieder Prophetinnen und Propheten auf die Erde geschickt hat, die aufgezeigt haben, wohin wir steuern, wenn wir so weiter machen. Sie haben uns dazu angehalten, die Gebote Gottes zu beachten und als Hilfe für unser Zusammenleben hier auf der Erde zu verstehen."

Fazit: Gott will nicht, dass wir untergehen. Die historische Titanic scheiterte nicht zuletzt am Egoismus und der Selbstsucht von Einzelnen, denn um vor der Weltöffentlichkeit glänzen zu können, wurden trotz Eiswarnungen die Kessel auf Volldampf geheizt. Und die vertrauensseligen Passagiere haben gepennt. Haben die Zeichen der Zeit nicht sehen wollen.

Nimm das Ruder in die Hand

Schlafen wir auch? Dämmern wir so in den Tag hinein oder schauen wir mit wachen Augen in die Welt und auf unser eigenes Leben? Wie sieht’s mit meinem Egoismus aus, mit meiner Selbstsucht? Ist mir der Nächste egal? "Nicht die Politiker und Wirtschaftsbosse allein sind schuld", sagte eine Besucherin. "Selbstverantwortlich sein, das ist wichtig. Ich fange einfach selber an, das Steuer herumzureißen in meinem Leben. Ich tue es, egal was die anderen machen." Was das für sie bedeutet?

"Ernst machen mit den Zehn Geboten und der Bergpredigt. Zuerst den Balken bei mir rausziehen, statt am anderen rumzunörgeln. Mich entschuldigen, wenn ich was falsch gemacht habe. Mein Leben in die Hand nehmen. Mir Fähigkeiten erarbeiten, mit denen ich etwas Sinnvolles tun kann, das auch anderen was nützt."

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Und dann? Wenn sich ein einzelner höhere ethisch moralische Ziele setzt, was soll sich dadurch schon groß verändern in der Welt? "Ich habe schon erlebt, dass es wie eine Kettenreaktion ist. Wenn ich mich anders verhalte - ehrlicher, zuverlässiger, hilfsbereiter, aufrichtiger, versöhnlicher - dann merkt das ja meine Nächster, der mit mir zu tun hat. Und denkt sich vielleicht "ups - ist ja plötzlich ein ganz anderes Zusammenleben mit der - angenehmer, mehr miteinander statt gegeneinander. Find’ ich gut, könnt’ ich auch mal ausprobieren ..." Also: Nimm das Ruder in die Hand, reiß das Steuer rum - dann gibt’s tatsächlich keinen Grund zur Panik auf der Titanic!

Und was denkst Du?

Die Jugend-Redaktion


 

 



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