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Ausgabe 12/98

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Vom Glauben an die Technik und vom Glauben an Gott
    Schicksalsfahrt im InterCity

Unfälle und Katastrophen, die Menschenleben kosten, sind uns vertraut. Doch einige gehen uns mehr unter die Haut als andere: Wenn wöchentlich z. B. auf Deutschlands Straßen ca. 200 Menschen bei Verkehrsunfällen sterben, registrieren wir das kaum mehr; aber wenn 101 Menschen bei einem Eisenbahnunglück zu Tode kommen, überwältigen uns Fassungslosigkeit und Entsetzen über das furchtbare Geschehen.

An den Blutzoll auf den Autobahnen und dessen schreckliche Bilder haben wir uns offensichtlich gewöhnt. Der Massentod im "sicheren" InterCity trifft uns hingegen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der Tod schlug völlig unerwartet und besonders grausam zu. Dabei sind die Bilder eines abgestürzten Jumbo Jets nicht weniger schlimm als die Bilder aus Eschede. Aber an die Katastrophen der Luftfahrt haben wir uns eben auch schon gewöhnt.

In der Hochtechnologie sucht der Mensch
Sicherheit - doch er findet sie nur in Gott

Vielleicht kommt noch etwas anderes hinzu: Die Reisenden des Unglückszugs verbindet eine geheimnisvolle Schicksalsgemeinschaft. Wer in München, Würzburg oder Hannover in bestimmte Waggons des eleganten und Geborgenheit vermittelnden Zuges einstieg, tat einen Schritt in den Tod, der ihn mit 100 seiner Mitreisenden auf schreckliche Weise verbindet. Es bedurfte wahrhaft vieler "Zufälle", um dieses Zusammentreffen und die Dramatik des weiteren Ablaufs zustande zu bringen. Der Bruch des Radreifens ausgerechnet vor einer Brücke ist zwar das spektakulärste Glied in der Ursachenkette, die zum Tod von 95 Menschen führte; aber deren Terminkalender war nicht weniger ursächlich. Sie fuhren eben gerade an diesem Tag zu einem Geschäftstermin in Hannover oder zu einem Urlaub an der Nordsee. Andere wollten mit demselben Zug fahren und mussten die Reise verschieben. Was ist eigentlich Ärgernis erregender: Wenn hinter all dem blinder Zufall waltet oder wenn es doch Zusammenhänge gäbe, die wir bloß nicht sehen?

Bei der Hauptursache, dem Bruch des Waggonrads, wollen wir uns ja auch nicht mit dem Begriff Zufall begnügen. War es Materialermüdung, schlechte Verarbeitung oder unzulängliche Überprüfung? So oder ähnlich lauten die Fragen, mit denen man die technischen Details zu Tage fördern will. Doch die Erfahrungen des naturwissenschaftlich-technischen Zeitalters zeigen, dass dessen Risiken niemals völlig zu beherrschen sind - vom Haarriss eines Reaktorsicherheitsbehälters über den vereisten Flügel eines Hochleistungsjets bis hin zu einem ordinären Radbruch, den es auch schon im Postkutschenzeitalter gab, aber eben mit weit weniger dramatischen Folgen. Wer den Gedanken ausspricht, dass die moderne Technik den Menschen längst überfordert, wird von fortschrittsgläubigen Zeitgenossen als Hinterwäldler verspottet. Ein Rad, eine der geistreichsten Erfindungen der Menschheit, wurde in Eschede zum Symbol dieser Entfremdung zwischen dem Menschen und der von ihm entwickelten Technologie.

Grenzenlose Mobilität?

Vermutlich liegt hier eine noch tiefer gehende Unordnung zugrunde. Ist es wirklich selbstverständlich, dass die Mobilität des Menschen immer grenzenloser wird, dass er immer schneller immer weiter entfernte Ziele erreicht, wozu er wiederum immer mehr Energie verbraucht (ein InterCity verfügt über 13.000 PS!), die er wiederum mit einer immer komplizierteren und immer risikoreicheren Technik produziert? Tschernobyl und Harrisburgh, Sandoz und Seveso sind Synonyme für die Selbstüberforderung unserer Zivilisation - neben den Ortsnamen unzähliger Flugzeugkatastrophen. Wir schwelgen in unseren Errungenschaften und wiegen uns in Sicherheit, während wir am Abgrund wandeln. Insofern wundert es nicht, dass der Untergang der Titanic am Anfang des Jahrhunderts an dessen Ende zum Faszinosum wird. Das "unsinkbare Schiff" war das Symbol des Glaubens an die Sicherheit der modernen Technik; und es wurde zum Fanal für deren Unsicherheit. Der Supergau des Schienenverkehrs trifft uns psychologisch an derselben Stelle. Steckt hinter dem Geschwindigkeitsrausch und der Jagd nach immer neuen Fortschritten, die uns eine unmenschliche Maschinenmedizin und neben der Atomspaltung die nicht weniger gefährliche Genmanipulation bescherte, nicht letztlich purer Größenwahn, den man als Fortschritt feiert?

Dieser Wahn scheint eine Ureigenschaft des Menschen zu sein. War er es nicht auch, der den "Sündenfall" einleitete, der sich freilich nicht im "Paradies" abspielte, sondern in der geistigen Welt? Ursprünglich reine Wesen wollten sein wie Gott, verschatteten dadurch ihr göttliches Sein und leiteten das Fallgeschehen ein, das schließlich zur Verdichtung bis hin zur Materie führte. An die Stelle der Energiepotentiale der geistigen Welt trat eine an die Materie gebundene Energiegewinnung. Ihre grobstofflich-technischen Errungenschaften bleiben im Vergleich zu den feinstofflich-geistigen Energiequellen ein steinzeitliches Unterfangen, das inzwischen dabei ist, die Ökosphäre der Erde zu zerstören.

Blinde Zufälle?

Wer soviel Unordnung anrichtet, trägt diese Unordnung auch in seiner Seele. Wir alle sind dafür verantwortlich, denn jeder hat seinen Beitrag dazu geleistet - im Äußeren wie im Inneren. Letzteres verdrängen wir gerne: Auch Gedanken sind Energie; noch mehr unsere Worte; erst recht unsere Taten und die Gesinnung, mit der wir sie vollführen. Wenn wir an Gott glauben, dann können wir Ihm nicht unterstellen, dass Er für die Unordnung, für die Katastrophen und Unglücksfälle, die sich auf dieser Erde ereignen, verantwortlich ist. Seine Naturgesetze sind bekanntlich von bestechender Einfachheit und Harmonie. Gott ist der Schöpfer des Kosmos und nicht des Chaos. Die Frage, warum es immer wieder soviel Unglück und Katastrophen auf der Erde gibt, trifft deshalb nicht Ihn, sondern uns. Jesus von Nazareth lehrte uns das Gesetz von Saat und Ernte, das wir in der Physik als das Gesetz von Ursache und Wirkung ohne weiteres anerkennen. Warum weigern wir uns, es auch in moralisch-geistiger Hinsicht zu akzeptieren - sowohl für unsere Zivilisation insgesamt als auch für das Leben des Einzelnen? So gesehen sind wir nicht der Spielball blinden Zufalls oder die Opfer eines zürnenden Gottes, sondern die Schmiede unseres eigenen Schicksals, das an unsichtbaren Fäden hängt, die wir selbst gesponnen haben.

Lässt uns Gott im Stich?

So gesehen mag es auch kein Zufall sein, wer in einen entgleisenden Zug oder ein abstürzendes Flugzeug steigt. Niemand weiß, welchen Stellenwert der sich entwickelnde "Schicksalsschlag" für die Seele des Betroffenen hat, ob es um die Abtragung einer alten Seelenschuld geht oder vielleicht um den Wendepunkt auf einem über Inkarnationen währenden Leidensweg. Wer nur den zerfetzten Leib eines Verunglückten sieht, blickt wohl zu kurz. Das soll weder das Entsetzen und die Trauer über solche Katastrophen verringern, noch gar das unsägliche Leid der hiervon Betroffenen verharmlosen. Aber die Frage "Warum lässt Gott das zu?", die bei solchen Gelegenheiten so gern gestellt wird (merkwürdigerweise vor allem von Pastoren), ist dann falsch gestellt, wenn damit unterschwellig Gott die Schuld zugeschoben wird. Es geht nicht darum, dass uns Gott etwas antut, sondern darum, was wir uns selbst antun, welche Wege und Irrwege wir in diesem oder früheren Leben gingen. Vielleicht war die Seele des Toten, den wir beklagen, seinem Herrgott schon wieder sehr nahe, vielleicht war sie gerade dabei, sich von ihm zu entfernen.

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Flusslandschaft.JPG (14549 Byte)Welche Station auf seinem Lebensweg ein Sterbender jeweils erreicht hat, entzieht sich dem Urteil seiner Mitmenschen. Doch eines wissen wir: Gott ist uns näher als unsere Arme und Beine; Er ist das Leben in uns, das uns auch bei unserem Leibestod nicht verlässt. Der Tod beendet nur einen Abschnitt unseres Daseins, der im Angesicht der Ewigkeit nur eine Episode ist - schmerzhaft vielleicht und heilsam zugleich, ein Schritt zurück in die ewige Heimat oder eine vertane Chance, die einen neuen Anlauf erfordert. Gott ist immer dabei und führt uns, soweit wir dies zulassen, denn Er achtet die Freiheit Seiner Geschöpfe. (cs)


 



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