Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 15/98

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In jeder Situation ist uns Gott nahe

Bewahre die innere Ruhe

Viele Menschen sind geprägt vom Bild eines fernen Gottes. Mancher glaubt, er müsse gewissermaßen in den Himmel hineinbeten, um irgendwann Gott zu erreichen. Doch Gott ist ein naher Gott. Er ist erreichbar in uns selbst.

"Bewahre in jeder Situation die innere Ruhe" heißt, uns bewusst zu machen, dass Gott jedem von uns nahe ist - in dem Augenblick, wo wir dieses Bewusstsein in unserem Inneren bewahren: Gott ist uns ganz nahe, Gott ist unser Gesprächspartner, Gott, die Liebe, Gott, unser Vater, kennt uns; Er weiß auch um unsere Sorgen und Nöte. Wenn wir uns bewusst machen, dass wir mit Ihm sprechen dürfen, dass Er uns liebt und uns niemals straft, dass alles, was an Negativem auf uns zukommt, Sorgen, Nöte und Schicksalsschläge unsere eigenen Eingaben sind, die auf uns zurückkommen - dann kann uns Gott helfen.

Gott ist immer gleich bleibend. Er ist in uns die helfende Kraft, die tragende Liebe. Er ist der Vater, mit dem man sprechen kann. Er offenbart sich in den vielen Situationen, die auf uns zukommen. Auch im täglichen Geschehen spricht Er zu uns.

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»Ruhe in dir - du bist«

Oftmals ist es jedoch so, dass wir in Wallung geraten, wenn eine unangenehme Situation auf uns zukommt. Wir sagen dann etwa: "Ich habe recht! Ich will die Situation so lösen, wie ich es für richtig halte." In dieser Haltung können wir Gottes Impulse nicht aufnehmen. Bringt uns eine unangenehme Situation in Wallung, dann sind wir am Negativen beteiligt. Zwar ist auch mein Nächster, der mit in diese Situation verwickelt ist, daran beteiligt. Wenn wir jedoch sagen: "Ich löse die Situation so, wie ich will!" oder: "Die anderen sollen die Situation lösen!", dann sind wir eigenwillig und unruhig. Dann lassen wir Gott nicht wirken.

Damit Gott uns in der Situation Antwort geben kann, dass Er für uns die Situation lösen kann, bedarf es zunächst einmal des Glaubens an Ihn. Die Frage ist: Glauben wir an den nahen Gott? Glauben wir, dass Sein Geist in uns wohnt - als Kraft, als Licht, als innere Stärke? Glauben wir, dass Er uns aus jeder Situation zu helfen vermag? Glauben wir, dass Er uns hilft - nicht nur, indem Er sagt, wie wir es tun sollen, sondern dass Er in der Situation allen helfen möchte, die daran beteiligt sind - weil Er gerecht ist?

Wenn unser Glaube groß genug ist, dann beginnen wir zu vertrauen. Wenn jetzt unser Gemüt in Wallung gerät, können wir sagen: "Herr, Du bist die Stille! Ich weiß, ich bin an der Situation beteiligt, ich bin an dieser Situation mit schuld. Ich bereinige meinen Anteil. Doch Du hilfst uns allen, diese Situation in Deinem Geist zu lösen."

Können wir das vertrauensvoll in uns hineinsprechen, dann werden wir ruhiger. Die Aufwallung des Gemüts geht zurück. Unsere Sinne wenden sich nach innen. Der Gehörsinn wird ruhig und in der Ruhe ganz wachsam, und wir hören, was unser Nächster sagt. Aus dem, was er sagt, hören wir eventuell einen Aspekt der Lösung heraus. Es ist Gottes Antwort durch unseren Nächsten. Wir hören plötzlich aus dem Gespräch Aspekte heraus, die uns betreffen und wodurch wir erkennen: Das ist unser Anteil, unsere Schuld an dieser Situation. Wir fühlen dann, wie sich die Lösung aufbaut - für uns persönlich und für die Situation.

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In jeder Situation die Ruhe zu bewahren heißt also, uns zuerst einmal zu fragen: Glauben wir? Vertrauen wir uns Ihm an, oder wollen wir, dass Er es so löst, wie wir es wollen? Wer kennt uns besser? Kennt uns unser Nächster? Nicht einmal wir kennen uns bis zur Wurzel des Problems. Gott aber kennt uns. Und wenn uns bewusst wird, dass Er uns für unser Fehlverhalten nicht bestraft, sondern uns helfen möchte, unseren Anteil zu erkennen und zu bereinigen, dann schöpfen wir Vertrauen in dem Bewusstsein: Nur auf Ihn ist wirklich Verlass - auf Ihn in uns.


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