Von Liebe sprechen ist leicht, doch sie zu leben ist schwerer:
Liebe ist das Urprinzip
allen Seins
Jeder Mensch
sehnt sich nach Liebe, und viele sprechen von der Liebe. Letztlich ist
es ein Ausdruck der Sehnsucht nach unserem wahren göttlichen Wesen, das
selbstlose Liebe ist. Wann aber vermögen wir wirklich selbstlos zu
lieben?
Das Wort Liebe wird in zweifacher Bedeutung
verwendet.
Zum einen meint es die menschliche Liebe oder
Eigenliebe. Es ist die selbstsüchtige Liebe, die begehrt und haben
möchte. Sie sagt: "Liebst du mich, dann lieb’ ich dich. Liebst du mich
nicht, dann liebe ich dich auch nicht". Es ist die Ich-Liebe, die
umgepolte göttliche Liebe. Denn die Verführung des Gegenspielers Gottes
lautet: "Die Eigenliebe bringt dir Wohlbehagen und Glück. Je mehr
Menschen dich lieben, um so glücklicher wirst du" (Der Dämonenstaat,
Verlag Das Wort, S. 67,
http://www.das-wort.com).
Die göttliche Liebe ist die selbstlose, die
unpersönliche Liebe. Sie ist eine ruhige, sich hingebende Zuwendung, ein
tiefes Verstehen für den Nächsten. Sie ist tolerant und wohlwollend und
gibt, ohne zu erwarten. Die göttliche Liebe, die Herzensliebe, ist
letztlich unser wahres Wesen. Die selbstlose Liebe ist begleitet von
einer stillen, inneren Freude.
Lieben wir, auch
wenn ...?
Wie weit wir schon selbstlos zu lieben
vermögen, können wir an folgenden Fragen erkennen: Lieben wir unseren
Nächsten, wenn er gegen uns ist? Versöhnen wir uns mit unserem Nächsten,
wenn er unversöhnlich bleibt? Glauben wir an Gott, wenn es uns nicht gut
geht, wenn Krankheit, Not, Schicksal uns treffen?
So mancher Mensch klagt über die Lieblosigkeit seiner
Mitmenschen, indem er sagt: "Ich bin liebevoll - und warum sind es die
anderen nicht?" Oder er belehrt seinen Nächsten: "Lebe die Liebe!" Doch
folgt er damit Jesus von Nazareth nach, der uns gebot: "Liebet einander,
wie Ich euch geliebt habe"?
In einer Schulungsveranstaltung des Inneren Weges*
fragte ein Teilnehmer Gabriele, die Botschafterin Gottes für unsere
Zeit, ob die Liebe dadurch
kommt, dass man sagt: "Ich bin liebevoll".
Sie antwortete sinngemäß:
Wenn das so einfach wäre, dann wäre es um die Welt anders bestellt.
Liebe ist das Ur-Prinzip allen Seins, und die Frage ist: Sind wir schon
im Urprinzip des Seins - der Liebe?
Dann spannte Gabriele einen weiten Bogen:
Viele von uns kennen den Aufbau des materiellen Atoms. Das Atom hat
einen Kern, und um den Kern bewegen sich Protonen, Neutronen, Elektronen
usw. Das geistige Atom als Träger des reinen Seins hat einen ähnlichen
Aufbau. Der Urkern ist die Kraft der Liebe. Um diesen Urkern strömen
zwei weitere geistige Kräfte, die "Sanftmut" und die "Güte", auch
"Barmherzigkeit" und "Geduld" genannt. Diese drei Urprinzipien - die
Liebe in der Mitte, um sie herum Geduld und Barmherzigkeit - sind die
Kindschaftseigenschaften. Wollen wir wieder zu diesem Ur-Kern - unserem
inneren Wesen, unserem Erbe als Kind Gottes zurück, dann müssen wir
zuvor die vier Wesenheitskräfte erschließen. Denn diese sind
schöpferisch. Die Wesenheitskräfte, die sich um die
Kindschaftseigenschaften im geistigen Atom bewegen, werden "Ernst",
"Weisheit", "Wille" und "Ordnung" genannt. Diese vier Kräfte strömen in
elliptischen Bahnen um den Ur-Kern. Da alles in allem enthalten ist,
sind es sieben mal sieben Grundkräfte, die um den Ur-Kern des geistigen
Atoms strömen.

Der Atem Gottes durchstrahlt alles
Will ich nun zur Liebe finden, genügt es da zu sagen:
"Herr, ich will von der Liebe reden"? Ja - dann, wenn ich zur Liebe
geworden bin! Doch um zur Liebe zu werden, müssen wir unser göttliches
Erbe wieder erschließen, müssen in die Mitte hinein, in das Ur-Sein, in
den Kern des geistigen Atoms, in den Kern des Himmels - in das
Heiligtum.
Und wie geht der Weg? Er geht über die Ellipsen
von außen nach innen: Schaffe Ordnung in deinem Leben! Schaffe
Ordnung in deinen Gedanken, in deinen Worten und in deinen Handlungen.
Wenn du weitgehend Ordnung geschafft hast, dann frage dich: Tust du
den Willen Gottes? Was ist noch dein Eigenwille und was ist Gottes
Wille? Den Willen Gottes findest du in den Zehn Geboten und in der
Bergpredigt. Indem du ihn schrittweise erfüllst, gelangst du vom
Wissen zur Weisheit. Weisheit ist gelebtes göttliches Wissen, ist
die Tat. Die rechte Tat ist zugleich das Gemeinwohl: Einer - das
Urprinzip Gott - für alle, und der weise Gewordene für Gott und für
alle.
Dann reift der Wanderer allmählich in die
Ernsthaftigkeit hinein,
in der Frage, in der Bewusstheit: "Herr, ich tue Deinen Willen. Deine
Weisheit beflügelt mich. Deine Tat ist mein eigen". So erfüllst er
ernsthaft das göttliche Erbe. Ernsthaftigkeit bedeutet, dass er das Wort
Gottes nicht nur hört, sondern das Wort spricht, das Wort Gottes denkt
und in allem für Gott und seinen Nächsten ist.
Er vermag sich dann selbst zu beherrschen: Er vermag,
sich im wahren Selbst zu bewegen, im wahren Selbst zu leben und das
Gesetz der Liebe anzuwenden. Dann geht er - bildlich gesprochen - durch
das "Rosentor". Er geht ein in die Kindschaft Gottes, hinein in die
Güte und Sanftmut und ist in der Liebe angekommen - zu Hause. Es strömt
durch ihn die Liebe, die Sanftmut und Güte. Es strömen durch ihn
Ernst, Weisheit, Wille und Ordnung. Diese vier Grundelemente sind
Schöpfungskräfte. Damit schöpft und wirkt das Geistwesen im ewigen Sein.
Damit gestaltet es das, was Gott in die Himmel hineinatmet. Damit lehrt
es die Kinder, die aus den geistigen Entwicklungsebenen herausreifen.
Damit bringt das Geistwesen des reinen Seins die Unendlichkeit, die
geschaffenen Planeten in die Form und in den Lauf des Seins. Denn Gott
atmet aus, und die Geistwesen formen, schaffen, gestalten, bringen alles
in Ordnung, was Gott ausatmet, so zum Beispiel die Gestirne. Atmet Gott
aus, dann entstehen auch wieder weitere Geistkinder. Sie entwickeln sich
heraus aus der Vollendung der Naturwesen und werden von vollendeten
Geistwesen durch alle Himmelsebenen geleitet, um die Anwendung des
allumfassenden Lebens, des Gesetzes Gottes, zu lernen. So ist jedes
vollendete Geistwesen das Gesetz Gottes. Das Gesetz Gottes ist der
Aufbau, die Struktur des reinen Geistwesens, das Sein des Wesens. Das
Geistwesen ist formgewordene Liebe, formgewordene Sanftmut und Güte,
formgewordener Ernst, Weisheit, Wille und Ordnung - ein einziges Sein:
das Geistwesen im Licht in Gott.
Eingetaucht in den Ur-Strom
Wer die Liebe lehrt, muss hineingefunden
haben in die Liebe, muss in der Quelle sein. Seine Seele muss
eingetaucht sein in den großen Ur-Strom, die Liebe. Dann ist ein Kanal
gelegt vom Oberbewusstsein des Menschen durch die Seele zum Ur-Sein, zum
Ur-Grund der Seele, wo die Liebe strömt. |
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