Nach Aussagen des belgischen
Spitzenpolitikers Leon Saur ist die katholische Kirche in das
Völkermorden in Zentralafrika verwickelt. Die "fundamentalistische
Missionsideologie" des
katholischen Ordens Opus Dei zielt auf eine Unterstützung der überwiegend katholischen Hutus
(bzw. Hutu) gegen die "atheistischen" Tutsis
(bzw. Tutsi) ab (Publik forum). Das zu diesem
Zweck indoktrinierte Tutsi-Feindbild habe 1994 eine Welle der Vertreibung und blutigen
Verfolgungen ausgelöst. Der Vorstoß des belgischen Politikers, dem seitens des Opus Dei
allerdings widersprochen wird, bringt weiteres Licht in das Dunkel des bisher
schwärzesten Kapitels der römisch-katholischen Kirche in diesem Jahrzehnt.
Die unabhängige Menschenrechtsorganisation "African Rights"
(London) legte bereits im Frühjahr 1998 Fakten über den Völkermord von 1994 vor:
"Es gibt zwingende Beweise dafür, dass eine Reihe von Bischöfen, Priestern, Nonnen
und Mönchen den Völkermord geduldet haben oder aktiv daran beteiligt waren"
(gl, 15.5.1998).

Konkret nennt African Rights z. B. Pater Rutihunza, der ein Massaker an
behinderten Tutsi-Kindern und ihren Betreuern organisiert hat. Oder Pater Seromba, der
Soldaten dafür bezahlt hat, dass sie 2000 Tutsis mit Raupenfahrzeugen in einer
katholischen Kirche zermalmten. Der Pater, der die Tutsis zuvor in die Kirche lockte,
wurde mittlerweile zum Tode verurteilt. Auch Erzbischof Ntihinuyurwa und Bischof Misago
werden in dem Bericht als Kriegsverbrecher genannt.
Der Vatikan deckt bislang Angeklagte und ließ einige von ihnen nach Italien,
Frankreich, Belgien sowie andere afrikanische Länder evakuieren. Papst Johannes
Paul II. hat
sich nur einmal öffentlich in den Konflikt eingeschaltet: Er bat um Gnade für 22 wegen
Massakers und Völkermord an Tutsis zu Tode verurteilte römisch-katholische Hutus.
Zur Information: Ruanda ist ein zu 90 %
katholisches Land, die meisten Hutus (80-90 % der Bevölkerung) sind
römisch-katholisch, die Minderheit der Tutsis (ca. 10-15 %) gehört
überwiegend Naturreligionen an. Bei dem Völkermord im Jahr 1994 wurde
ein großer Teil von ihnen ausgerottet, ca. 1,7 Millionen Menschen
starben. Mit Hilfe ausländischer Unterstützung stellen überlebende
Tutsis derzeit die Regierung, die wiederum die Rebellen im Bürgerkrieg
in Kongo unterstützt. Die Kämpfe zwischen Hutus und Tutsis in Ruanda
sind 1998 wieder aufgeflammt, wobei auch der Tutsi-Armee Verbrechen
vorgeworfen werden. Das Evangelische Sonntagsblatt Bayern gibt zu:
"Bedauerlicherweise kam es zum Völkermord nicht deshalb, weil der christliche
Einfluss zu beschränkt war, sondern vielleicht, weil er zu groß war" (25.7.1997).