Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 21/98

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Urchristentum vor 2000 Jahren

Wie lebten und dachten die ersten Christen?

Über die ersten Christen gibt es nur wenig schriftliche Zeugnisse. Und doch sind einige Briefe, Dokumente und Texte aus den ersten zwei Jahrhunderten erhalten, die einen tieferen Einblick vermitteln als das wenige, das in der Bibel zu finden ist.

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Die ersten Christen feierten das Abendmahl nicht als Sakrament mit Hostien. Es war ein feierliches Mahl im Bewusstsein der Gegenwart von Christus.

Eines dieser frühen Zeugnisse ist die so genannte Didache, auch Zwölf-Apostel-Lehre genannt. Es ist die älteste Gemeindeordnung, die in den Jahren 80 bis 120 n. Chr. entstand. Diese und andere Texte zeigen, dass das frühe Christentum sich in seiner Ethik und seinen Lebensäußerungen stark von dem unterschied, was im Rahmen der kirchlichen Konfessionen später, ab dem dritten Jahrhundert, daraus gemacht wurde.

Führung durch den Prophetischen Geist

Aus vielen Texten geht hervor, dass die Prophetische Rede zum Wesen des Urchristentums gehörte. So ermahnt die damalige Gemeindeordnung die Christen ausdrücklich, auf die falschen Propheten zu achten und gibt Hinweise, wie diese zu erkennen sind:

"Aber nicht jeder, der im Geist redet, ist Prophet, sondern nur dann, wenn er die Lebensart des Herrn hat. An der Lebenshaltung wird der falsche Prophet und der Prophet erkannt werden. ... Ferner ist jeder Prophet, der die Wahrheit lehrt, ein falscher Prophet, wenn er nicht tut, was er lehrt."

Unter der unmittelbaren Führung des Geistes blühten die Gemeinden auf. So konnte Minucius Felix in seinem "Dialog mit Oktavius" über das Verhältnis der Christen zu Gott schreiben:

"Überall ist Er uns ganz nahe; weit mehr als das: Er ist in uns ... All unsere Handlungen geschehen unter seinen Augen. Wir leben, ich möchte fast sagen: mit Ihm zusammen."

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Ein Weber am Webstuhl: Die ersten Christen verdienten ihren Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit. Pfarrer und Priester gab es bei ihnen nicht.

Auf der Grundlage dieser innigen Verbindung mit Gott und Christus in ihrem Inneren halten es die frühen Christen nicht für nötig, viele Worte um ihren Glauben zu machen. Im Jahre 177 schrieb Athenagoras in seiner "Schutzschrift für die Christen" über den Tatglauben:

"Bei uns könnt ihr ungebildete Leute, Handwerker und alte Mütterchen finden, die nicht imstande wären, die Nützlichkeit ihrer Lehre in Worten darzutun. Aber durch ihre Taten weisen sie die Nützlichkeit ihrer Grundsätze nach. Keine auswendig gelernten Worte sagen sie her. Aber gute Taten zeigen sie."

"Hört mich nicht! Hört Christus!"

Eine Frau mit der Gabe der prophetischen Rede war Maximilla. Sie trat offensichtlich der Neigung der Menschen entgegen, sich auf Menschen auszurichten. Sie sagte:

"Mich hört nicht! Hört Christus! Gesendet hat mich der Herr als entschiedene Anhängerin, als Verkünderin, als Deuterin dieser Not und Arbeit, dieses Bundes und dieser verheißungsvollen Botschaft. Gedrungen bin ich, mag ich wollen oder nicht, die Erkenntnis Gottes aufzunehmen."

Bete und Arbeite

Wollte sich jemand bei den ersten Christen niederlassen, so musste er seinen Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit verdienen, zum Beispiel als Handwerker:

"Versteht er aber kein Handwerk", so empfahl die Didache, "dann sorgt nach eurer Einsicht dafür, wie ihr’s erreichen könnt, dass nicht in eurer Mitte ein untätiger Christ lebt. Wenn er aber nicht danach tun will, so ist er einer, der mit seinem Christentum Geschäfte machen will, Vor solchen nehmt euch in acht."

Justinus, gestorben 165 in Rom, schrieb damals:

"Leute, deren Lebensführung in dem allen nicht so getroffen wird, wie Er es gelehrt hat, sollen nicht als Christen angesehen werden, auch dann nicht, wenn sie mit der Zunge die Lehre Christi bekennen."

Eberhard Arnold*, der in den zwanziger Jahren viele solcher alten Texte zusammentrug und auswertete, stellte fest: "Jeder sollte durch seine eigene Arbeit leben. Jeder sollte soviel erarbeiten, dass seine Liebe der Not anderer abhelfen konnte." Die urchristlichen Gemeinden waren also "Wirtschafts- und Arbeitsgemeinschaften."

Die Ethik in Ehe und Partnerschaft

Die hohe Ethik der ersten Christen zeigte sich auch an ihrer Einstellung zur Ehe und in ihrer Warnung vor dem Ausleben sexueller Begierde. Über den Zweck der Ehe schreibt Justin in seiner Apologie:

"Wir sind entweder von vornherein einzig zu dem Zweck, Kinder aufzuziehen, eine Ehe eingegangen, oder wir haben auf das Heiraten ganz verzichtet und bleiben völlig enthaltsam."

Bei Athenagoras findet sich diese Ethik durch ein interessantes Bild verdeutlicht. Es heißt dort:

"So hat jeder von uns nur ein Weib, das er ... geehelicht hat, und zwar zum Zwecke der Kinderzeugung. Der Landmann wartet, wenn er die Saat dem Schoße der Erde anvertraut hat, den Erntetag ab, ohne neue Saat auszustreuen."

Christus ruft die Sünder, nicht die Gerechten

In einem keuschen Leben sah man eine Möglichkeit, an innerer Kraft zu wachsen. So heißt es in einem Text des Tertullian:

"Sehr viele Männer und Frauen, die von Jugend auf Schüler Christi gewesen sind, bleiben für immer keusch, auch wenn sie sechzig oder siebzig Jahre alt werden. Ich traue mir zu, solche in jedem Stande von Menschen nachzuweisen, - ganz zu schweigen von der unzähligen Menge derer, die nach einem zügellosen Leben umgekehrt sind und diese Grundsätze angenommen haben. Denn nicht die Gerechten und Enthaltsamen hat Christus zur Gesinnungsänderung gerufen, sondern die Gottlosen, die Ausschweifenden und die Ungerechten."

Die ersten Christen pflegten bekanntlich die Gütergemeinschaft. Damit diese Ethik nicht missverstanden werde, steht in der Apologie des Tertullian der Satz: "Alles ist bei uns gemeinschaftlich, nur nicht die Frauen."

Kein Militärdienst

Das fünfte Gebot "Du sollst nicht töten!" war für die ersten Christen noch umfassend gültig. So lesen wir bei Origenes: "Wir ziehen nicht mit dem Kaiser ins Feld, auch nicht, wenn er es verlangt, aber wir kämpfen für ihn, indem wir ein eigenes Heer bilden, ein Heer der Gläubigkeit durch unsere Gebete an die Gottheit." Tertullian schriebt in der "Korona" zum selben Thema: "Nur ohne Schwert kann der Christ Krieg führen. Der Herr hat das Schwert abgeschafft."

Kein Töten von Tieren

Die ersten Christen bezogen das Verbot des Tötens auch auf das Töten von Tieren. Minucius Felix schreibt im "Dialog mit Octavius": "So sehr haben wir Scheu vor Menschenblut, dass wir nicht einmal das Blut essbarer Tiere unter unseren Speisen kennen."

Man kann also davon ausgehen, dass auch das Liebesmahl der Urchristen, das sie gemeinsam einnahmen, ein vegetarisches war. Mit einer ritualisierten Messfeier hatte dieses gemeinsame Mahl noch nichts zu tun, derartiges wurde frühestens am Ende des zweiten Jahrhunderts eingeführt, mit Altar und sonstigen Anleihen aus heidnischen Mysterienkulten. Ähnliches gilt für die Kindertaufe, die ebenfalls im frühen Christentum unbekannt war.

Die Überzeugung, dass die Seele des Menschen nicht von dieser Welt ist, zeigt sich ganz besonders in der Einstellung der Urchristen zum Tod. Bei Aristides lesen wir: "Und wenn einer von ihnen, der gut ist, aus dieser Welt hinübergeht, so freuen sie sich und danken Gott. Sie geben seiner Leiche das Geleit, als zöge er nur von einem Ort zum andern."

Immer wieder blitzt in solchen alten Texten etwas von der Weisheit auf, die das frühe Christentum durch die Lehren des Nazareners prägte. So lesen wir in einem alten Papyrus: "Wo einer allein ist, sage ich: Ich bin mit ihm. Erhebe den Stein: und dort wirst du mich finden. Spalte das Holz: und ich bin dort."

In unserer Zeit hat uns Christus durch Seine Prophetin vieles von Seinen ursprünglichen Lehren wieder mitgeteilt. Das Prophetische Wort der heutigen Zeit knüpft unmittelbar an die Zeit des Jesus von Nazareth an. So lesen wir in dem Buch "Die Großen Kosmischen Lehren des Jesus von Nazareth an Seine Apostel und Jünger, die es fassen konnten - das Leben der wahren gotterfüllten Menschen":

"Ich Bin alles in allem.
Schaue den Strauch an -
und du wirst Mich finden.

Hebe den Stein auf -
und du wirst Mich finden.

Blicke zu den Gestirnen -
und du nimmst Mich wahr.

Schaue tief in den
Menschen -
und du findest dich selbst
und somit Mich,
Christus,
das Selbst in dir.

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Betrachte das Tier -
und du findest Mich.

Spüre den Wind -
und du vernimmst Mich.

Betrachte den Wassertropfen -
und du betrachtest dich in Mir."


* Eberhard Arnold (Hrsg.), Am Anfang war die Liebe; Dokumente, Briefe & Texte der Urchristen, Wiesbaden 1986

Zu den Urchristen heute: Siehe http://www.neu-jerusalem.de/
Lesen Sie dazu auch: Wie Paulus die Lehre des Jesus von Nazareth verfälschte

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