Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 6/99

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Ich Ich Ich - Die Spinne im Netz (5)

Von der Raupe zum Schmetterling

"Das Netz der Spinne ist ihre Welt", lesen wir in dem Buch Ich Ich Ich Die Spinne im Netz. Das Entsprechungsgesetz und das Gesetz der Projektion. "Wie eine Spinne spinnen wir Menschen unser Netz, das Netz unserer Entsprechungen, unserer Programme. Darin leben wir, es ist unsere Ich-Welt, darin sind wir gefangen."

Raupe
Zwischen dem Kriech-Bewusstsein der Raupe ...

So fremd ist uns also die Spinne nicht. Auch wir Menschen sehen oft nicht über das hinaus, was wir selbst aus uns gemacht haben - mit unserem Fühlen, Denken, Sprechen und Handeln. Wir verstehen dann unseren Nächsten nicht, weil wir aus seinen Worten nur das heraushören, was wir selbst noch sind. Wir reden dann auch nur von uns selbst, auch wenn wir glauben, andere Menschen zu beschreiben.

Man könnte dieses Spinnennetz auch mit dem Kokon einer Raupe vergleichen: Solange wir uns im Kokon unserer eigenen Entsprechungen befinden, können wir die Welt um uns herum gar nicht so wahrnehmen, wie sie ist - der Kokon versperrt uns die Sicht! Erst wenn wir uns aus diesem Kokon herausgearbeitet haben, können wir andere erfühlen und erspüren.

Und wie kommen wir aus dem Kokon heraus? Auch dieses Bild sehen wir in der Natur: Die Raupe hat das Programm, auf der Erde oder an einem Grashalm entlang zu kriechen. Dann spinnt sie sich ein und lebt einige Zeit in ihrem Kokon. Doch in ihrem Bewusstsein ist etwas, das sie weiter drängt. Ein Aspekt der Entwicklung wird aktiv. Sie löst nicht nur ihren Kokon auf, sondern sie legt auch das Raupenbewusstsein ab und wächst in das Bewusstsein eines Falters hinein, der frei umherfliegen kann.

Am Beginn der Entwicklung steht also der Entschluss: Ich will nicht mehr Raupe bleiben! Übertragen auf unser Leben heißt das: Wir schauen nicht nur auf unseren Nächsten und sagen: "Du bist schuld an meinem Raupenschicksal". Wir werden statt dessen unseren Anteil suchen: Wo sind die Fäden, mit denen wir uns eingesponnen haben? Diese Fäden werden wir dann mit der Hilfe des Inneren Lichtes, das auch die Raupe hat, lösen. Und so wird der Kokon immer durchlässiger. Plötzlich sehen wir weiter. Der Kokon löst sich auf, indem wir unser Negatives mit der Hilfe Christi bereinigen.

Schmetterling
... und dem frei fliegenden Bewusstsein des Schmetterlings liegen die Umwandlungsprozesse des Inneren

Wir entwickeln auf diese Weise höhere Werte, positive Charakter-Eigenschaften. Wir beginnen, in unseren Mitmenschen das Gute zu bejahen. Das heißt nicht, dass wir dann an den Fehlern unseres Nächsten vorbeisehen. Wir können mit unserem Nächsten auch über das weniger Gute sprechen, weil wir selbst ähnliche Fehler erkannt und überwunden haben. Wir haben Verständnis.

Solange wir uns jedoch damit abfinden, eine Raupe zu sein, spinnen wir immer weitere Fäden. Wir wollen zum Beispiel, dass unser Nächster unsere Meinung oder unsere Vorstellung übernimmt und sich so verhält, wie wir es wünschen. Meine Meinung ist ein Teil meines Kokons, meiner Fäden. Macht sich mein Nächster diese Meinung zu eigen, um mir zu gefallen oder um von mir in Ruhe gelassen zu werden, dann spinnt er gleichsam einen Faden von mir in seinen Kokon ein. Umgekehrt bin ich mit beteiligt daran, dass er gegen seine Überzeugung denkt und handelt und dadurch möglicherweise seinem Leben eine andere Richtung gibt, die ihn in Schwierigkeiten bringt. Unsere Kokons sind also miteinander verwoben. Um so mehr Fäden gibt es später aufzulösen.

Solange wir nur auf diesen Kokon blicken und sagen: "Das ist meine Welt, da komme ich eben nicht heraus", so lange bleiben wir im Kokon. Auch der Löwenzahnsame würde unter dem Asphalt bleiben, wenn er sich mit seinem "Schicksal" abfinden würde. Aber er spürt in sich die Anlage, durch den Asphalt hindurch zu brechen und die Sonne zu sehen.

Auch wir tragen solche Anlagen in uns: Güte, Sanftmut, Liebe, Freiheit, Kraft und vieles mehr. Um sie zu entwickeln, brauchen wir Durchhaltevermögen. Denn auch der Löwenzahnsame sagt nicht: "Wenn ich morgen mein Ziel nicht erreicht habe, wenn ich morgen nicht durch den Asphalt hindurch gestoßen bin, dann lasse ich es sein." Er hat das Ziel in sich, ein Löwenzahn zu werden und kein Same zu bleiben. Auch wir sollten bedenken, dass wir unser Charakterbild über Jahre und Jahrzehnte, ja sogar, wenn wir die Reinkarnation mit einbeziehen, über Inkarnationen aufgebaut haben. Nun müssen wir zunächst die Fäden erkennen, die wir gesponnen haben. Wir finden sie mit der ehrlichen Frage: Was fühlen wir? Wie denken wir? Wie reden wir? Und wie handeln wir? Dann können wir uns entscheiden, ob wir so weiterleben wollen wie bisher oder nicht. Im Buch Ich Ich Ich - die Spinne im Netz lesen wir: "Wer Gott in seinen Charaktereigenschaften, in seiner ganzen Denkwelt die Ehre gibt, in dem erwacht die Gottes- und Nächstenleibe. Solche Menschen stehen auf dem Boden der Tatsachen. Sie sind standfest, klar, aufrecht und aufrichtig. Es sind jene Menschen, die fähig sind, in schwierigen Situationen Antworten und Lösungen zu finden und alles zum Guten zu wenden."
 

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Literatur:
Ich Ich Ich. Die Spinne im Netz. Das Entsprechungsgesetz und das Gesetz der Projektion, 288 S., gebunden, Verlag Das Wort, 09391/504135, 12,90 € + Versand; auch in Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch und Slowenisch erhältlich. Siehe auch
http://www.das-wort.com/deutsch/mensch-und-kosmos/ich-ich-ich---die-spinne-im-netz.php


 






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