Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

 Ausgabe 21/99

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Die Bekämpfung unbequemer Lehren (Teil 1): Das Alte Testament (AT)

Dem "Lügengriffel der Schreiber" auf der Spur

Wie konnte Mose über seine eigene Beerdigung berichten? (5. Mose 34) Wie ist es möglich, dass der Gott der Liebe, der Vater aller Menschen und Seelen, "rücksichtslos Eroberungsfeldzüge befiehlt und zu Mord- und Totschlag, Plünderung und Vergewaltigung aufruft"? (1)

Dass Er verkündet: "Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen, und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen, von Köpfen streitbarer Feinde"? (5. Mose 32, 42) Wie kann es Gottes Wille sein, dass schon auf geringe "Vergehen" die Todesstrafe steht: Ehebruch, Ungehorsam gegenüber den Eltern oder Priestern, Wahrsagen, Geisterbeschwörung, Homosexualität - so wurde es angeblich von Mose angeordnet.
(2) Offenbar fordert dieser grausame Gott nicht nur Tier-, sondern sogar Menschenopfer: die Erstgeborenen jeder Familie, die dann mit Abgaben an den Tempel ausgelöst werden konnten bzw. mussten (2. Mose 13).

Wie kann das alles stimmen? Diese Frage bewegte Menschen, seit es die Schriften des Alten Testamentes gibt. Origenes, der große Theologe des 3. Jahrhunderts (184-253), hatte mit einer textkritischen Methode bereits verschiedene Einschübe und Veränderungen im ursprünglichen Text erkannt und kenntlich gemacht. Doch die Kirche verurteilte ihn im 6. Jahrhundert als Ketzer - und seine Werke gingen zum großen Teil verloren. Erst im 18. Jahrhundert, in der freieren Luft der Aufklärung, machten sich kritische Geister wieder an die Arbeit. Dem Hildesheimer Pfarrer Bernhard Witter fiel 1711 auf, dass Gott in einem Teil der Schriften als "El", in einem anderen Teil als "Jahwe" (Ich Bin, der Ich Bin) bezeichnet wird. Daraus schloss er, dass es zwei unterschiedliche Quellen für die Texte gegeben haben muss.

Lügengriffel der Schreiber
Was der Griffel der Schriftsteller wohl alles an der Wahrheit verdreht hat?

Heute geht die Forschung von vier Hauptsträngen der Überlieferung aus, die sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. Der älteste Strang wird als "Jahwist" bezeichnet. Dieser Jahwist scheint in der Zeit des Königs Salomo (965-926 v. Chr.) gelebt zu haben, denn er beschreibt viele Vorgänge an dessen Hof. Der Jahwist "schildert, wie Jahwe durch zurückhaltendes Eingreifen den auf der Suche nach verloren gegangener Seligkeit immer wieder strauchelnden und vom rechten Weg abkommenden Menschen" wieder zu Gott zurückführt. (3) Der Alttestamentler Gerhard von Rad bezeichnet "die künstlerische Meisterschaft dieses Erzählers als eine der größten Leistungen der Geistesgeschichte aller Zeiten". "Dieses Erzählen strömt ein überwältigendes Vertrauen in die Nähe Jahwes aus, in die Unmittelbarkeit seines Waltens und die Möglichkeit, von dem allen aufs einfachste in der neuen religiösen Sprache zu reden." (4)

Wegen dieser einfachen Sprache und der Bescheidenheit des Schreibers hält die Wissenschaft etwas Nahe liegendes nicht für möglich: Dass der Jahwist König Salomo selbst war. Dies behauptet der Schweizer Historiker Robert Sträuli in seinem Buch Salomo - die Königsquelle (5). Schon bald sei jedoch die klare Linie der Treue zu den Geboten Jahwes wieder verlassen worden. Die Jahwetreuen gerieten im Volk der Israeliten immer mehr in die Minderheit.

Von Anfang an hatte es unter den Israeliten unterschiedliche Strömungen gegeben. Auch in den einzelnen Menschen rangen, wie in jedem von uns, verschiedene Bestrebungen und Gene miteinander. Abram, später Abraham genannt, stammte aus einer Familie, die Sklavenhandel betrieb. Er selbst distanzierte sich davon - doch seine Urenkel, die Söhne des Jakob, verkauften ihren Stiefbruder Josef in die Sklaverei nach Ägypten. Als Josef dort zu Macht und Ansehen aufstieg, ließ er selbst Menschen versklaven, die im zweiten Hungerjahr nichts mehr zu essen hatten (1. Mose 47, 18). Ähnlich war es mit anderen Charakterzügen - Gewalt, Vielweiberei, oder die Vorstellung, einen heidnischen Gott durch blutige Schlachtopfer besänftigen zu müssen. Am Berg Sinai tanzten die Israeliten um das goldene Kalb fremder Götter.

Tieropfer sind Gott ein Gräuel

Die Propheten Jahwes hatten in Seinem Namen Blut- und Brandopfer immer abgelehnt. "Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer?" sprach Gott durch Jesaja. "Satt habe Ich die Brandopfer von Widdern und das Fett der Mastkälber, das Blut der Stiere und Lämmer und Böcke mag Ich nicht ... Bringt nicht mehr unnütze Gaben - ein Gräuelopfer ist es Mir! ... Hört auf, Böses zu tun, lernt Gutes zu tun!" (Jes. 1, 11-17) Die Religion Jahwes war also eine Innere Religion, bei der es auf Selbsterkenntnis und gute Taten ankam, nicht auf äußere Rituale. In der assyrischen und babylonischen Gefangenschaft, in die die Israeliten verschleppt wurden, verstärkte sich jedoch die Neigung zu heidnischen Bräuchen. Der Jude Esra war in der Kanzlei des persischen Königs beschäftigt, der Babylon erobert hatte (539 v. Chr.). Esra erhielt vom Perserkönig Kyros die Erlaubnis und den Auftrag, in Jerusalem den Tempel wieder aufzubauen, den die Babylonier zerstört hatten. Es sollte ein Tempel sein, in dem Schlacht- und Brandopfer dargebracht werden. Zuvor war es wohl Esra, der möglicherweise auf Geheiß des Perserkönigs die Schriften der Israeliten "überarbeitet" hat - man spricht auch von einer so genannten "Priesterschrift". Viele der für uns heute unverständlichen "Gesetze" der Bücher Mose stammen wahrscheinlich von Esra. Er brachte an vielen Stellen babylonische Rituale und Bräuche in die Texte hinein, die in ihrer Gesamtheit ein Kultsystem einer äußeren Religion ergeben, deren Durchführung von einer Priesterkaste streng kontrolliert wird. Außerdem wurde die Stellung der Frau stark verschlechtert.

Die Finsternis darf sich am Licht messen

Wer von den Israeliten unter diesen Umständen nicht in die alte Heimat zurückkehren wollte, wurde mit dem Tod durch Pfählung bestraft (Esra 6, 11). Später bezahlten auch Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth ihren Protest gegen die Herrschaft der Priesterkaste mit dem Leben. Die Samariter, die sich weigerten, die Rituale und Vorschriften des Zweiten Tempels anzuerkennen, wurden seit dieser Zeit verachtet und ausgestoßen.

Dass wichtige Teile der Schriften der Bibel verfälscht waren, war den Hebräern lange Zeit noch bewusst. Die großen Gottespropheten wiesen sie immer wieder darauf hin. So steht bei Jeremia zu lesen: "Wie könnt ihr sagen: Weise sind wir, und das Gesetz des Herrn ist bei uns? Ja! Aber der Lügengriffel der Schreiber hat es zur Lüge gemacht" (Jeremia 8, 8).

Wenn Gott durch Seine Wortträger und durch erleuchtete Menschen Seine Botschaft auf die Erde bringt, so darf sich die Finsternis an diesem Licht messen. Es gelingt ihr um so eher, je weniger die wahren Gesetze Gottes von den Menschen im Alltag befolgt werden. Dies war nicht nur im Alten Testament so - auch das frühe Christentum wurde auf ähnliche Weise verfälscht. Und mithilfe des angeblichen Rachegottes des Alten Testamentes rechtfertigten die Kirchen über Jahrhunderte hinweg Kriege und Grausamkeiten. Das falsche Bild des strafenden Gottes, das ungezählte Generationen von Kirchenchristen bis heute in Angst und Neurosen gefangen hielt und hält, ist noch immer in Kraft - denn beide Kirchen halten die gesamte Bibel für von Gott inspiriert. Laut katholischem Katechismus wird das Alte Testament sogar im Neuen "vollendet" (Lehrsatz Nr. 140). Ist damit die Steigerung an Kriegen und Katastrophen gemeint, die im 20. Jahrhundert durch Menschen verübt wurden, die sich Christen nennen?

(1) Christian Sailer, Der Feldzug der Schlange und das Wirken der Taube, Verlag DAS WORT 1998, S. 97
(2) 3. Mose 20, 10;  21, 18;  5. Mose 17, 12;  3. Mose 20, 27;  20, 11-17
(3) Robert Sträuli, "Die Textgeschichte der Bibel", in: Museion 2000, 5/1997
(4) zit. ebenda
(5) ABZ-Verlag Zürich, 1989

 

Christus heute: "Ich Bin gekommen,
die Opfer und Blutfeste abzuschaffen
"

"Ich Bin gekommen, die Opfer und Blutfeste abzuschaffen heißt": Ich Bin gekommen, euch das Evangelium, das Gesetz der Liebe, zu lehren und es euch vorzuleben, damit ihr erkennt, dass nur jener Mensch im Inneren reich an geistiger Kraft ist, der die Gesetze Gottes hält. ... Menschen mit inneren Werten sind auch mit der Tier- und Pflanzenwelt und nicht gegen die Schöpfungen Gottes. Wer gegen seinen Nächsten ist, wird gegen ihn kämpfen und ihn töten. Und wer gegen seinen Nächsten ist, der wird auch nicht für anderes Leben sein - weder für das der Tiere noch das der Pflanzen und Steine. ... Gott, dem Ewigen, sind auch Tieropfer ein Gräuel. Er will nicht, dass Ihm Tiere geopfert oder geweiht werden. Gott hat allen Formen des Seins das Leben gegeben, also auch den Tieren. Wozu sollen sie Ihm geopfert werden, wenn doch Er, das Leben, selbst in ihnen wohnt?

Wenn der Mensch jedoch sein menschliches Ich, seine Leidenschaften und Begierden Mir, dem Christus, opfern und ein gottgewolltes, also gottgeweihtes Leben anstreben und führen würde, so würde dies zur Einheit aller Lebensformen beitragen.

Aus: Das ist Mein Wort, Alpha und Omega. Das Evangelium Jesu. Die Christusoffenbarung, welche die Welt nicht kennt, S. 215 f. (http://www.das-wort.com/deutsch/gottesprophetie-aktuell/das-ist-mein-wort---alpha-und-omega.php)


Wie die Brandopfer
gerechtfertigt wurden

Zur Rechtfertigung des heidnischen Tieropferbrauches, der die Menschen abstumpft und verrohen lässt, wurden von späteren "Verbesserern" der Texte unter anderem David und Salomo Tieropfer angehängt. BrandopferAußerdem berief man sich auf Abraham, der seinen Sohn opfern wollte. Abraham hatte eine Weisung Gottes, seinen Sohn nicht zu vergöttern, missverstanden, weil er von heidnischen Vorstellungen noch nicht frei war. Ein Engel Gottes verhinderte die Bluttat.

Eine andere Rechtfertigung nimmt den Propheten Elias zum angeblichen Kronzeugen. Dieser soll den ihm feindlich gesinnten König Ahab zu einem "Gottesurteil" aufgefordert und seinem Gott Jahwe ein Tieropfer dargebracht haben. Als er gegen 450 Baalspriester "gewann", soll er diese auch noch umgebracht haben. (1. Könige 16-19) Wahrscheinlich wurde jedoch die Gewalttat des späteren Königs Josia einfach 200 Jahre auf Elia zurückprojiziert und damit gerechtfertigt. Möglich wäre auch, dass es sich um einen Traum des Königs Ahab handelte, der darüber dem Wahnsinn verfiel und dies als Realität ausgab.

Mehr zu Elia: Siehe www.theologe.de/theologe20.htm

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Mehr zur Verfälschung des Alten Testaments: www.theologe.de/altes_testament.htm





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